GROßENKNETEN GROßENKNETEN - Es war vermutlich ein Soldat, dem vor weit mehr als hundert Jahren am Rande von Großenkneten das Missgeschick passierte. Er hatte scheinbar 1870/71 im Deutsch-französischen Krieg gekämpft und als Souvenir eine Centimes-Münze mitgebracht. Doch irgendwie muss ihm das Geldstück wohl aus der Tasche gerutscht und unbemerkt zu Boden gefallen sein. So überdauerte es über ein Jahrhundert unbemerkt – bis der neunjährige Stefan Karfusehr es nun auf dem Acker neben seinem Elternhaus fand.

Eigentlich wollte der Junge nur seinen neuen Flitzebogen ausprobieren. Daher ging er mit den beiden Boarder-Collies seiner Familie, Eni und Skip, auf das abgeerntete Maisfeld. Im „Eifer des Gefechts“ verlor er die Hundeleine und musste gemeinsam mit Mutter Christel nach dem verlorenen Gegenstand suchen – bis er am zweiten Tag der Suche die alte französische Münze fand.

Die glich zunächst eher einem unscheinbaren Stück Metall. Erst nach sorgfältigem Waschen habe er erkannt, dass sich ein Kopf auf dem Fundstück befand, erinnert sich Stefan. Außerdem erschien die Ziffer 1865, die den entscheidenden Hinweis auf das Alter der Münze gab.

Um mehr über seinen ungewöhnlichen Fund zu erfahren, machte sich der Schüler auf den Weg zum Großenkneter Münzexperten Hanfried Bendig. Der erklärte ihm, dass das stark oxidierte Geldstück aus Frankreich komme und ein Abbild von Kaiser Napoleon III. zeige.

Von Bendig stammt auch die These, dass das Geldstück einmal einem Soldaten gehört haben muss. Er vermutet zudem, dass die Münze danach irgendwie auf einem Misthaufen landete und später auf den Acker gefahren und untergepflügt wurde. Auf diese Weise seien auch andere Dinge wie Besteck oder Keramikteile auf den Feldern rund um Großenkneten gelandet.

Was den heutigen Wert des Geldstücks angeht, musste der Experte den jungen Finder aber ein wenig enttäuschen. Grund: Von der Zehn-Centimes–Münze existieren noch viele andere und zudem besser erhaltene Exemplare. „Rund 50 Euro ist sie wohl wert“, gibt Stefan Karfusehr die Meinung des Fachmanns wieder. Wirklich traurig klingt er aber nicht.

Was er nun mit seinem Fund machen soll, weiß der Neunjährige noch nicht genau. Auf jeden Fall will er das Geldstück behalten und vielleicht auch mal mit in die Schule nehmen, um es seinen Freunden zu zeigen.

Außerdem scheint ihn nun das Archäologie-Fieber gepackt zu haben. Er wolle auf dem Acker neben seinem Elternhaus weiter nach alten Münzen suchen, sagt Stefan. Könnte doch sein, dass noch anderen Soldaten am Rande von Großenkneten ein kleines Missgeschick passiert ist.

Münze wurde bis ins Jahr 1921 geprägt

Das Geldstück, das Stefan Karfusehr auf dem Acker gefunden hat (Bild: ursprüngliches Aussehen), ist eine Zehn-Centimes-Münze aus Bronze, die 1865 in der Paris geprägt wurde. Auf der Vorderseite befindet sich der Kopf von Napoleon III., auf der Rückseite ein Adler. Die Geldstücke wurden mit anderen Kopfbild noch bis 1921 geprägt.

NapoleonIII. war ein Neffe Napoleons I. und bis 1870 Kaiser von Frankreich. Im Revolutionsjahr 1848 hatten ihn die Franzosen zunächst zum Präsidenten gewählt. 1852 wurde er zum Kaiser ernannt. Die Niederlage im Deutsch-französischen Krieg 1870/71 bedeutete das Ende seiner Herrschaft. Napoleon III. starb 1873 in der Nähe von London.

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