Hude Unterschiedliche Rollenverständnisse, Religionen und Streitkulturen stellen laut Myrte Paulsen, Flüchtlingssozialarbeiterin der Diakonie im Oldenburger Land, und Wulf Wolke und Lisa Huwe vom ehrenamtlichen Netzwerk Asyl die größten Herausforderungen für die Integration von Flüchtlingen dar. 341 Flüchtlinge, die zum Großteil aus Syrien, Afghanistan aber auch dem Iran, Irak und Eritrea stammen, leben mit Stand vom 31. März 2016 laut der Gemeinde hier. „Hude hat von Anfang an sein Soll erfüllt, deswegen sind seit über einem Jahr keine neuen Flüchtlinge zu uns gekommen“, weiß Paulsen.

NWZ hat nachgefragt

Die NWZ wollte von den beteiligten Personen in der Gemeinde wissen, wie es zurzeit mit der Integration der Geflüchteten läuft und hat nachgefragt. „Es gibt eine kritische Situation bezüglich der Wohnungen“, erläutert Lisa Huwe vom Netzwerk Asyl. Seit zweieinhalb Jahren sind in diesem Verein rund 55 Personen ehrenamtliche engagiert, um die Flüchtlinge bei Integration, Sprachförderung oder dem Familiennachzug zu unterstützten. „Die Integration in die Bevölkerung ist außerdem ein Problem, auch die Suche nach Beschäftigungsstellen“, fügt der 1. Vorsitzende Wulf Wolke hinzu. Denn viele Flüchtlinge hätten keinen Kontakt zu Einheimischen.

Wer nicht zur Schule gehe oder in einem Verein wie dem TV Hude aktiv sei, falle aus dem Raster, weiß Myrte Paulsen. Vor allem Frauen, die sich vorrangig um die Familie kümmern müssen und deswegen keine Möglichkeit haben, einen Integrationskursus zu besuchen, hätten Probleme, sich im deutschen Alltag zurecht zu finden. „Die Themen Job und Wohnung werden uns die nächsten zwei bis drei Jahre begleiten“, weiß die Sozialarbeiterin.

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Alle Facetten dabei

Die Flüchtlinge fühlen sich hier in der Gemeinde wohl, beobachtet Lisa Huwe. Und auch Paulsen weiß, dass sich viele der Neu-Huder bemühen, sich zu integrieren und ihren Weg zu gehen. „Einige passen sich ganz schnell an, andere fallen zurück, weil ihnen die alten Muster Sicherheit geben. Die Facetten sind auch bei den Flüchtlingen da, das sehen wir jetzt im Alltag“, erläutert Paulsen. Neben den Sprach- und Kulturunterschieden mache auch die Religion die Integration nicht unbedingt einfacher. „Wenn ich früher immer gesagt habe, dass Allah es richten wird und mir den Weg weist, dann denke ich das gleiche jetzt auch in Deutschland“, so Paulsen.

Der starke Glaube, vor allem der Muslime, habe einen großen Einfluss auf die Eigenbestimmung.

Den hohen Einfluss des Glaubens auf die Integration beobachtet auch Jörg Kreusel, der im Netzwerk das Team Integrationsförderung und den Männertreff in Hude leitet. Es sei einfacher, einen Iraner mit einem persischen Einfluss zu verstehen, als einen stark vom Islam geprägten Menschen. „Der Islam öffnet sich langsamer“, so Kreusel. Auch das Rollenverständnis sei ein anderes. „Die Väter müssen lernen, dass eine weibliche Lehrkraft ihnen etwas zu sagen hat. Und auch die Kinder geraten in einen Rollenkonflikt, wenn sie auf weibliche Erzieher hören müssen.“

Rollen unterschiedlich

„Bei den Afghanen ist es der Glaube, bei dem ich anstoße. Bei den Syrern ist es eher das Rollenbild“, beobachtet Sozialarbeiterin Paulsen. Die höchste Toleranz für andere Religionen und Kulturen hätten die Eritreer, erläutert Huwe. Denn in dem Land leben orthodoxe Christen und Muslime gemeinsam – hier sei man das Miteinander gewohnt.

Die Gruppe der Syrer habe es in Deutschland beispielsweise gegenüber den Afghanen einfacher, meint Paulsen. Denn ihr Schulsystem sei eher mit dem deutschen zu vergleichen, während Afghanen eher auf dem afrikanischen Bildungsstand seien. Außerdem sei der Stil des Lernens ein anderer – Afghanen könnten super auswendig lernen. Dazu komme, dass Syrer eine bessere Bleibeperspektive und damit andere Fördermöglichkeiten hätten, während Afghanen um ihren Aufenthalt bangen müssten und auch in Sachen Integration weniger Förderung erhielten.

Alle Beteiligten sehen die Integration auf einem guten Weg, der jedoch noch einige Herausforderungen bereithält.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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