Hude /Fiume Veneto Mit einer neuen Sichtweise auf die Flüchtlingssituation und die Integration dieser Menschen ist Roland Arndt, Wirtschaftsförderer der Gemeinde Hude, von einem Treffen in der italienischen Partnerstadt Fiume Veneto zurückgekehrt. Der Umgang mit der Flüchtlingskrise war Thema beim dritten Projekttreffen von „Quo Vadis Europa“ („Wohin gehst du, Europa?“) in Italien, zu dem neben Vertretern aus dem Klosterort auch Delegationen aus Arnage (Frankreich), Salcininkai (Litauen) und Nowe Miasto Lubawskie (Polen) gekommen waren.

Flüchtlinge berichten

„Das Thema ist brandaktuell und der Austausch der Menschen vor Ort ist wichtig“, resümiert Arndt. „Der Blick wird ein anderer, wenn man in Italien vor Ort ist. Wenn man dort die Berichte geschildert bekommt, beschäftigt einen die Thematik intensiver.“ Denn neben Gesprächen untereinander erzählten fünf Geflüchtete von ihrer Integration und der vorherigen Flucht. „Das persönlich zu hören ist etwas anderes, als die Berichte in der Tagesschau zu sehen.“

Nach verschiedenen Impulsvorträgen wie dem der fünf Flüchtlinge diskutierten die Partnerstädte über ihre Situation, die Integration und die Ziele. In Italien, wo aufgrund der geografischen Nähe viele Flüchtlinge aufgenommen werden, sei die Versorgung gut möglich, schwierig werde auf Dauer der Integrationsprozess im Land, erläutert Arndt die Situation in der italienischen Partnerstadt Fiume Veneto. „Ich bin mir sicher, dass wir von der Integration in Italien etwas lernen können, denn diese funktioniert dort einfacher“, reflektiert der Gemeindemitarbeiter.

Die Mentalität der Italiener sei eine andere, die Menschen seien offener. Aber Italien sei in Sachen Integration auch auf Hilfe und Solidarität der übrigen EU Partner angewiesen.

Und auch die anderen Partnerländer berichteten vom Stand in ihren Ländern. Anders als in Italien stellt sich die Situation in Frankreich dar, Integration sei schon lange vor der aktuellen Situation ein Thema gewesen. Dies gehe auf die französische Kolonialzeit und die Integrationsarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern aus den früheren Kolonien zurück.

Gute Arbeit in Hude

Die Delegation aus dem Klosterort schilderte die Situation in Hude und die Wahrnehmung in Deutschland gesamt. Die Integration habe viele Facetten, es gelte eine genaue Abwägung der Vor-und Nachteile vorzunehmen. Besonders betont wurde das große ehrenamtliche Engagement des Netzwerkes Asyl in Hude.

Während des Treffens wurde auch ein Blick nach Polen und Litauen geworfen. Die Delegation aus Nowe Miasto Lubawskie verwies auf die großen Anstrengungen bei der Integration von Flüchtlingen aus der Ukraine und die durchaus bestehenden Bedenken gegenüber der aktuellen Situation an den europäischen Südgrenzen.

Die Situation in Litauen ist hingegen geprägt von einer großen Anzahl von Fortzügen in Richtung Westeuropa und einer stark geschrumpften Bevölkerung. Diese ergebe große Herausforderungen bei der Versorgung der verbleibenden Bevölkerung. Schwerpunkte der Auswanderung sind Norwegen, Irland und Deutschland.

Insgesamt waren sich die Gesprächspartner einig, dass die Integration der Flüchtlinge eine große Herausforderung darstellt, es aber gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel auch Chancen gebe, die genutzt werden müssten. „Wichtig dabei ist die Einbeziehung der Bevölkerung und die Schaffung von Akzeptanz und Toleranz, diese gilt auch für die Menschen, die in den Ländern der EU eine neue Heimat suchen. Integration kann nur gelingen, wenn sie von allen Beteiligten gewollt und gelebt wird“, so Arndt.

Treffen in Hude

Beteiligt an dem mittlerweile dritten Treffen aus der Reihe „Quo Vadis Europa“ waren aus Deutschland neben Roland Arndt Sandy McNabb, Kerstin Meyer und Uwe Schubert vom Partnerschaftsforum und Hartmut Langetepe vom TV Hude. Der nächste Workshop zum europäischen Projekt findet im November in Hude statt und wird sich mit dem Thema „Die Zukunft Europas“ beschäftigen.

Dazu laufen im Klosterort auch bereits die Vorbereitungen. Es soll unter anderem einen Vortrag von einem Mitglied des europäischen Parlaments geben. Ebenso soll die Peter-Ustinov-Schule eingebunden werden – es ist ein Fragebogen für Schüler aus den Partnergemeinden geplant, der auf dem Treffen ausgewertet und dem EU-Politiker mit auf den Weg gegeben werden soll. Das fünfte und letzte Treffen im Projekt ist Anfang Juni 2018 in Litauen geplant.

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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