Hockensberg Anlieger, Naturschutzverbände und Politik waren beruhigt: Kein Baum der Buchenallee an der Iserloyer Straße, die für die Erschließung des geplanten Gewerbegebietes in Hockensberg ausgebaut werden soll, müsse weichen, hieß es zunächst. Dann kam es doch anders. Als das Ingenieurbüro IDN sich an die konkreten Planungen machte, stellte sich heraus, dass nun doch drei Buchen weichen müssten. Das gefällt weder Anliegern noch Politik.

In einem Antrag an Bürgermeister Ralf Spille fordert die Dötlinger Grünen-Fraktion, dass die Planungen noch einmal so überarbeitet werden, „dass die Buchen der großen Allee an der Iserloyer Straße und die Kastanien am Rahmannsweg nicht gefällt werden müssen“. Darüber hinaus beantragen die Grünen vorsorglich, dass keiner dieser Bäume gefällt wird, ehe nicht über diesen Antrag in einem öffentlichen politischen Gremium entschieden wurde.

Tempo 70 abgelehnt

Der Kreistag hatte im März mehrheitlich für die Ausbauvariante 6 a gestimmt. Die sieht vor, dass die Fahrbahn der K 237 südlich der südlichen Baumreihe angelegt wird. Die alte Fahrbahn wird zum Radweg umfunktioniert. Eine Querung des Radwegs an der Kreuzung „Brakland/Iserloyer Straße“ würde nötig, da der bestehende Fahrradweg ab der Einmündung „Brakland“ südlich der Kreisstraße geführt wird. Die Variante würde Mehrkosten von 400 000 bis 500 000 Euro verursachen.

Aufgrund von notwendigen Sichtdreiecke sollen drei Buchen nahe der Einmündung „Brakland“ nun doch gefällt werden. Um das zu verhindern, hat die Gemeinde Dötlingen vom Landkreis Oldenburg prüfen lassen, ob dort eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 70 möglich wäre. Antwort vom Landkreis: Eine Reduzierung sei nicht möglich und würde eine mögliche Fällung der Bäume nicht verhindern können.

Marcus Martens, Vorsitzender des Heimatvereins Hockensberg, hofft, dass der Grünen-Antrag etwas bewirkt: Er betonte auf Nachfrage unserer Zeitung, wie traurig es wäre, wenn die Buchen weichen müssten. Die Grünen zeigten sich im Antrag erstaunt, dass die notwendigen Sichtdrei­ecke „bisher an keiner Stelle erwähnt worden“ seien. Ebenso zeigte sich Martens im Namen des Heimatvereins überrascht: „Man kommt sich vor, als bekäme man einen Vertrag vorgesetzt und hat das Kleingedruckte nicht gelesen.“

Im Dezember hatte sich der Heimatverein mit einem Schreiben an die Gemeinde Dötlingen und an den Landkreis gewandt. In dem beklagt er, dass es nun offenbar doch zu einer Fällung kommen soll. „Die Antwort, die wir bekommen haben, ist leider sehr ernüchternd. Der Landkreis erklärt, dass rechtliche Vorgaben eingehalten werden.“ Er habe das Gefühl, dass sich Landkreis und Gemeinde die Verantwortung gegenseitig zuschieben würden.

In Ausstellung erwähnt

In der Foto-Wanderausstellung „Land der Alleen – die schönsten und wertvollsten Alleen in Niedersachsen“ des Niedersächsischen Heimatbundes findet die Rotbuchen-Allee an der Iserloyer Straße übrigens Erwähnung: An einer Schautafel wird der „bunte Protest“ (Strickarme, die die Bäume umarmen) vorgestellt.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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