Ganderkesee /Hoykenkamp Eine Straße, über die seit mehr als 80 Jahren Autos und auch Lastwagen fahren, ist angeblich noch nie richtig ausgebaut worden – das ist für manche Hauseigentümer an der Fockestraße in Hoykenkamp noch immer schwer zu verstehen: Bei der Anliegerversammlung am Dienstagabend, in der die Gemeindeverwaltung den im kommenden Jahr vorgesehenen Ausbau der Straße vorstellte, wurde deshalb auch der Wunsch nach „Akteneinsicht“ laut.

Verkehr oft zu schwer und zu schnell

Baukosten und Beiträge sind nicht alles, was die die Anlieger der Fockestraße sorgt. Auch das Verkehrsaufkommen wurde am Dienstag beklagt: Obwohl seit Fertigstellung der Querspange im Jahr 2015 für den Lkw-Verkehr eine neue Anbindung zu den Gewerbebetrieben zur Verfügung steht, seien weiter schwere Laster auf der Fockestraße unterwegs, beklagten Anwohner. Der Vorschlag, die Straße nur zwischen den Betriebszufahrten und der Querspange sechs Meter breit anzulegen und es sonst bei fünf Metern zu belassen, verfing aber nicht. Es gebe in der Fockestraße kein klares Verbot für Lkw, so die Gemeinde-Vertreter, deshalb müssten sie dort auch fahren können.

Auch Klagen über Raser wurden bei der Versammlung im Rathaus laut. Besonders Autofahrer, die über den Mittelweg aus Richtung Elmeloh kommen, seien auf der Fockestraße, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist, oft zu schnell unterwegs, hieß es. Von teils „irren“ Geschwindigkeiten war die Rede.

Bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung seien bisher in der Ausbauplanung für die Fockestraße nicht vorgesehen, sagte Anne Willenborg vom Fachdienst Tiefbau. Wenn dies von den Anliegern aber gewünscht werde, könnten Fahrbahn-Verengungen oder andere Möglichkeiten, den Verkehr zu bremsen, noch berücksichtigt werden.

Grundsätzlich sei das möglich, sagte Sabine Finke, Leiterin des Fachdienstes Verkehr und Infrastruktur, „aber ältere Pläne als von 1970 haben wir nicht.“ Und alle Unterlagen, die noch vorliegen, hat die Gemeindeverwaltung nach eigenen Angaben genau geprüft. Danach kam sie zu dem Schluss: Ja, es handelt sich um einen Erstausbau, für den die Anlieger beitragspflichtig sind – 90 Prozent der Baukosten werden auf sie umgelegt.

Der Unmut darüber scheint indes nicht gar so groß zu sein, sonst wären wohl mehr als 15 Interessierte zur Anliegerversammlung erschienen. Die privaten Eigentümer im Ausbaubereich, der sich über rund 540 Meter von der Kreuzung Mittelweg/Am Holz bis zur Bahnlinie erstreckt, hätten ohnehin einen gewissen Vorteil, bemerkte Anne Willenborg vom Fachdienst Tiefbau. Denn den allergrößten Teil der Erschließungsbeiträge müssen die beiden großen Unternehmen an der Fockestraße tragen: Palfinger Tail Lifts und Neuhaus Neotec. Die Größe und Nutzungsart ihrer Grundstücke sowie deren umfangreiche Bebauung wirken sich für sie besonders belastend aus.

Die Gemeinde kalkuliert mit einer Gesamtsumme von rund 750 000 Euro. Weil aber nicht alle Baukosten auf die Anlieger umzulegen sind, werden nur 570 000 Euro als beitragspflichtig angesetzt. 90 Prozent davon wären 513 000 Euro – für den Haushalt 2019 hat die Gemeinde aber nur 480 000 Euro an Anliegerbeiträgen eingeplant. Peter Meyer, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung, erklärte gegenüber der NWZ die unterschiedlichen Zahlen damit, dass es noch zu früh sei für konkrete Kostenberechnungen.

Nach Angaben von Anne Willenborg will die Gemeinde die Arbeiten zwischen Januar und März ausschreiben, weil sie sich in diesem Zeitraum etwas günstigere Angebote erhofft. Im April sei dann der Bau geplant, die Fertigstellung wird zum Jahresende anvisiert. Mit den Anliegern werde 2020 abgerechnet. Willenborg schätzt, dass die privaten Anlieger – je nach Grundstücksgröße – mit Beiträgen zwischen 700 und 3100 Euro rechnen müssen.

Bei den beiden gewerblichen Anliegern hingegen bewegen sich die Beiträge im sechsstelligen Bereich. Sie haben bereits angekündigt, die Chancen für juristische Schritte prüfen zu wollen. .

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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