Ganderkesee /Delmenhorst Vom Anschlag in Halle erfuhr die jüdische Gemeinde in Delmenhorst während einer Gebetspause. Die örtliche Polizei reagierte am Mittwochnachmittag und beschützte die Synagoge bis zum Abend mit einem Schutzaufgebot.

Ganztägiger Gottesdienst

„Wir hatten am Mittwoch den Jom-Kippur-Versöhnungsgottesdienst“, sagte Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender der Delmenhorster Synagoge. Dieser dauere den ganzen Tag, mit einer Pause zwischendurch. „Wir waren alle zu Hause, als es passierte.“ Kurze Zeit später rief dann die Delmenhorster Polizei bei Becerra an: „Ich wurde informiert, dass wir Polizeischutz bekommen.“ Um kurz vor fünf Uhr kamen dann Einsatzwagen zur Synagoge. Es gebe zwar seit geraumer Zeit engen Kontakt mit der Polizei, aber „das war jetzt das erste Mal seit 21 Jahren, seit es unsere Gemeinde wieder gibt, dass wir Polizeischutz bekommen haben“, so Becerra.

Die jüdischen Gemeindemitglieder hätten den Anschlag gefasst zur Kenntnis genommen, erklärte der Vorsitzende. „Wir lassen uns von niemandem verbieten, Gottesdienste zu machen.“ Becerra sieht jetzt den deutschen Rechtsstaat in der Bringschuld. „Wir kann es sein, dass ein Rechtsextremer sich so viel Material beschaffen und einfach loslegen kann?“ Der Hintergrund müsse jetzt intensiv geprüft werden: „Es geht auch nicht darum, ob jemand Jude oder Muslim ist, das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“

Solidarität von St. Marien

Die katholische Kirchengemeinde St. Marien in Delmenhorst bekundete am Donnerstag in einem Schreiben ihre Solidarität. „Nicht nur die räumliche Nachbarschaft, sondern vor allem die menschliche Nähe zu Ihrer Gemeinde, verbindet uns über alle Unterschiede im Glauben hinweg“, schrieb Pastoralreferent Thomas Fohrmann. Auch Pfarrer Norbert Lach aus der Ganderkeseer Kirche St. Hedwig bekräftigte sein Mitgefühl. „Es sind unschuldige Passanten getötet worden, aber der Angriff galt der Synagoge.“ Juden seien die älteren Geschwister der Christenheit, „deshalb müssen wir da Position beziehen und unsere Solidarität und unser Gebet zusichern“.

Wie Christopher Deeken, Pressesprecher der Polizeidirektion Oldenburg, mitteilte, werden die Schutzmaßnahmen in Delmenhorst vom Mittwoch „unter fortwährender polizeilicher Beobachtung der Lage“ zunächst fortgesetzt und bewertet. Derzeit würden aber keine Hinweise auf eine Gefährdung der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst und ihrer Einrichtungen vorliegen.

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Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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