Direkt vor dem Eingang der St.-Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee hängt ein Wahlplakat der NPD mit einem Bild von Martin Luther und dem Slogan „Ich würde NPD wählen“. Dazu ein Gespräch mit der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Pastorin Susanne Bruns.
Frage: Die NPD macht im Reformationsjubiläumsjahr Wahlwerbung mit Martin Luther vor der evangelisch-lutherischen Kirche. Kann die Kirche das ertragen?

Bruns: Ich glaube, dass unsere Demokratie das aushält. Soweit ich informiert bin, dürfen Wahlplakate dort hängen. Wir schätzen das nicht, aber lassen uns davon nicht provozieren.

Frage: Es handelt sich offenbar um eine gezielte Aktion, die Plakate hängen auch andernorts vor Kirchen. Haben Sie schon von Reaktionen aus anderen Gemeinden oder von der Landeskirche erfahren?

Bruns: Ich habe das Plakat selber erst heute Morgen bemerkt. Ich achte nicht so auf Wahlplakate und die Kirche betrete ich immer durch den Seiteneingang. Von Reaktionen habe ich noch nichts gehört, auch nicht aus unserer Gemeinde. Ich glaube, die meisten werden das mit einem müden Lächeln quittieren. Ohnehin sollten wir dieser Aktion nicht auch noch eine große Plattform geben.

Frage: Die NPD behauptet, Luther würde sie heute wählen. Was sagen Sie dazu?

Bruns: Wie heißt es immer bei Wahlwerbung? Für die Inhalte sind allein die Parteien verantwortlich. Die Freiheit des Wortes, die Luther gepredigt hat, darf heute selbst die NPD in Anspruch nehmen. Was Luthers Verhalten und seine Einstellungen betrifft, so muss man diese im Kontext des 16. Jahrhunderts sehen. Er hatte ja durchaus dunkle Seiten, die aber im Rahmen des Reformationsjubiläums auch betrachtet werden.

Frage: Die NPD erklärt ihre Plakatwerbung auch mit Kritik am Kirchenasyl und spricht in diesem Zusammenhang von „Missbrauch der Kirchen“. Was halten Sie dem entgegen?

Bruns: Das Kirchenasyl gibt es seit Jahrhunderten, es gehört zu unserer demokratischen Grundstruktur. Wir als Kirche werden weiter diesen Weg gehen mit der christlichen Verantwortung, die wir tragen.

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Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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