Ahlhorn /Großenkneten Die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Großenkneten erhält von der Gemeinde Großenkneten über drei Jahre einen Zuschuss von insgesamt 30 000 Euro für das Projekt „Lernwerkstatt Ahlhorn“, verteilt auf 10 000 Euro pro Jahr. Diesen Beschluss hat der Verwaltungsausschuss am Donnerstagabend in nichtöffentlicher Sitzung gefällt, wie Erster Gemeinderat Klaus Bigalke auf Nachfrage mitteilte. Damit wurde eine Empfehlung des Finanz- und Wirtschaftsausschusses aus der Vorwoche gekippt. Damals war der entsprechende Antrag der CDU-Fraktion noch gescheitert.

Worum geht es in der Lernwerkstatt?

Die LEB plant, eine offene Lernwerkstatt in ihrem Bildungszentrum (BIZ) in Ahlhorn einzurichten. Das Projekt soll allen Bürgerinnen und Bürgern einen freien Zugang zu den Grundbildungsangeboten ermöglichen. Es sollen Kenntnisse über die Erweiterung der Lese- und Schreibkompetenz, Deutsch als Zweitsprache, mathematische Grundlagen und den Umgang mit einem Computer vermittelt werden. Die Angebote richten sich insbesondere an Migranten, aber nicht ausschließlich. Das Projekt ist von 2020 bis 2022 geplant.

Was wird für das Projekt benötigt ?

Die LEB geht von einem Projektleiter in Teilzeit, zwei pädagogischen Mitarbeitern in Teilzeit sowie Honorarkräften für Kinderbetreuung, Sprachmittlern und Lesepaten aus. Dazu kämen Unterrichtsmaterialien und technische Ausstattung. Dafür werden 100 000 Euro in drei Jahren kalkuliert. Die Raumkosten im BIZ an der Wildeshauser Straße würde die LEB übernehmen.

Wie sieht die Finanzierung aus?

Der LEB ist es gelungen, für dieses Bildungsprojekt einen Zuschuss aus dem Leader-Förderprogramm einzuwerben. Das ist eine Premiere, denn bisher wurden aus Leader nur klassische Infrastrukturprojekte unterstützt. Die Summe beträgt 40 000 Euro. Hinzu kommen 10 000 Euro aus dem Leader-Kommunalbudget. Von der Gemeinde rechnet die LEB mit 30 000 Euro in drei Jahren. Dazu läuft ein Antrag auf einen 10 000-Euro-Zuschuss des Landkreises Oldenburg. Hinzu kommen Eigenmittel der LEB in Höhe von 10 000 Euro.

Wie bewertet die Verwaltung das Angebot?

Die Lernwerkstatt wird grundsätzlich als Ergänzung der bestehenden Bildungs- und Integrationsangebote begrüßt. Der Bedarf dafür sei angesichts des hohen Anteils von Migranten in Ahlhorn gegeben, aber auch mit Blick auf sozialschwache Einwohner. „Das ist sicherlich ein sehr gutes, ergänzendes Angebot“, sagte Bürgermeister Thorsten Schmidtke und verwies auf die Bildungs- und Chancengleichheit. Eine Leader-Förderung setzt eine öffentliche Co-Finanzierung voraus. Aus diesem Grunde hat die Gemeinde bisher diese Projekte stets mit zehn Prozent der Kosten unterstützt. Daher riet die Verwaltung auch in diesem Fall zu einem Zuschuss von 10 000 Euro – und nicht von 30 000 Euro, wie von der LEB gewünscht.

Warum setzen sich Fraktionen für 30 000 Euro ein?

Die CDU verweist auf die „hervorragende Arbeit“ der LEB, auch bei der Sprachbildung. Das helfe in Ahlhorn bei der Integrationsarbeit. Die Lernwerkstatt gehe darüber hinaus und richte sich an alle Bürger. Dabei gehe es nicht nur um Sprache, sondern auch um Probleme beim Lesen, in Mathematik oder im digitalen Bereich, heißt es im Antrag von Fraktionschef Ralf Martens. Im Fachausschuss unterstützten FDP und Kommunale Alternative (KA) diese Argumentation und sprachen sich ebenso für 30 000 Euro aus.

Warum sind Kritiker gegen 30 000 Euro ?

Die SPD begrüßte im Fachausschuss zwar auch ausdrücklich das LEB-Konzept, sah aber wie die Verwaltung die 10 000 Euro als richtig an. Ein Zuschuss in dieser Höhe sei die gewohnte Praxis, lautete die Argumentation. Die AfD lehnte die Lernwerkstatt ab. In der Zielgruppe sei „der normale Bürger nicht vorhanden“, so Herbert Sobierei. Die Integration, unter anderem der Werkvertragsarbeiter, sei gescheitert. Diese These wies KA-Ratsherr Carsten Grallert entschieden zurück.

Wie verlief die Abstimmung im Fachausschuss ?

Für den Antrag der CDU-Fraktion, auf 30 000 Euro zu erhöhen, stimmten im Fachausschuss die zwei CDU-Vertreter sowie FDP und KA (jeweils eine Stimme). Dagegen waren die drei SPD-Mitglieder sowie der AfD-Mann. Andrea Naber (CDU) nahm an der Abstimmung als Vorsitzende der LEB Kreisarbeitsgemeinschaft mit Blick auf eine mögliche Befangenheit nicht teil. Damit stand es vier zu vier, der Antrag war abgelehnt. Für die Vorlage der Verwaltung (10 000 Euro) stimmten danach die drei SPD-Vertreter. Die AfD war dagegen, die anderen enthielten sich. Damit gab es als Empfehlung eine Mehrheit für die 10 000 Euro.

Wie entschied derVerwaltungsausschuss?

Hier hat es am Donnerstagabend eine Mehrheit für 30 000 Euro als Zuschuss gegeben, womit er beschlossen ist. Das Abstimmungsverhalten wird nicht veröffentlicht. CDU, FDP und KA dürften wiederum dafür gewesen sein. Damit hatten sie in diesem Gremium eine Mehrheit.

Ulrich Suttka Kanalmanagement / Redakteur
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