Wildeshausen Der Landkreis hatte Experten aus verschiedenen Bereichen eingeladen: Ingo Wachtendorf (Vorsitzender Ortslandvolk Hude-Vielstedt) und Heiko Schmidt (Landesschaftzuchtverband) schilderten ihre Sorgen aus Sicht der Tierhalter. Die Wolfsberater im Landkreis, Carsten Sauerwein und Gerhard Frensel, berichteten über die bisherigen Ereignisse. Brigitte und Benno Voigt erzählten von ihrer Begegnung mit dem Wolf. Helmut Blauth (Vizepräsident Landesjägerschaft) stellte die Position der Jäger dar. Vanessa Ludwig (Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz) berichtete aus 15-jähriger Erfahrung mit Wölfen. Frank Faß (Wolfsgehege Dörverden) komplettierte die Runde, die von Stefan Löchtefeld moderiert wurde.

Was sagen Landwirte und Tierhalter?

Ingo Wachtendorf berichtete aus seinem Rinderbetrieb mit Freilandhaltung. Kleinflächige Weiden würden die Mindestschutzanforderungen nahezu unmöglich machen. Ein Schutzzaun würde bei einer Gesamtlänge von 20 Kilometern rund 200 000 Euro kosten. Das sei wirtschaftlich nicht leistbar.

Wie beurteilt der Schafzuchtverband die Lage?

Heiko Schmidt berichtete, dass bis 44 000 Schafe in Weser-Ems zum Großteil auf 2000 Kilometer Deichlinie gehalten werden. Viele der 300 bis 400 Betriebe würden im Nebenerwerb arbeiten. Am besten wäre eine wolfsfreie Zone an Küstendeichen und in der Wesermarsch, meint Schmidt.

Welche Schutzmöglichkeiten gibt es überhaupt?

Zum Mindestschutz, der auch vom Land gefördert wird, zählen Maschen-Elektrozäune oder feste Zäune mit mindestens 1,20 Meter Höhe. Alternative Möglichkeiten stellen Schutzhunde dar. Allerdings: Die in der Herde lebenden Hunde kosten rund 2000 Euro pro Tier. Daneben ist das Halten von Eseln in der Herde möglich.

Was sagt die Landesjägerschaft?

Der Wolf unterliegt nicht dem Jagdrecht. Erst ab einer Population von 1000 Tieren im Bereich Deutschland/Polen, könne eine Aufnahme ins Jagdrecht durch die Politik erfolgen, stellte Helmut Blauth dar. Er berichtete von unterschiedlichen Meinungen. Der Wolf würde einerseits das Wildbret wegfressen und die Bejagung erschweren. Auf der anderen Seite würde der Wolf die Biodiversität sichern.

Was ist Wolfs-Monitoring?

Die Landesjägerschaft betreibt das Wolfsmonitoring im Auftrag des Umweltministeriums mit 40 Wolfsbeauftragten in Niedersachsen. Dort können Begegnungen und Vorkommnisse wie Tierrisse oder Unfälle gemeldet werden. Daraufhin werden die Einzelfälle bis ins Detail auch über DNA-Analysen erforscht. Ergebnisse fließen auch in das Wildtiermanagement der Landesjägerschaft ein. Per Internet können Vorkommen, Sichtungen und Risse eingesehen werden.

Wie sieht die Arbeit der Wolfsberater aus?

Als relativ gut aufgestellt bezeichnete Carsten Sauerwein die Wolfsberatung. Neben Sauerwein ist auch Gerhard Frensel im Kreis unterwegs. Das alles ehrenamtlich. Wenn ein Wolf oder ein Tierriss gesichtet beziehungsweise gefunden wird, sollte möglichst schnell eine Benachrichtigung erfolgen. Das sei auch über die Polizei möglich. „Wir sichern den Tatort, nehmen Spuren, auch DNA-Proben, um Sicherheit zu erlangen, ob auch wirklich ein Wolf den Riss gemacht hat. Das ist auch für die Erstattung durch das Land wichtig“, so Sauerwein. Gleichzeitig erklärte er, dass die Wolfsberater keine Wolfsexperten seien, sondern durch die Landesjägerschaft geschulte Jäger.

Was berichten Augenzeugen?

Brigitte und Benno Voigt sind noch immer fasziniert von der unerwarteten Begegnung mit dem Wolf. Auf dem Spaziergang mit ihrem Cockerspaniel trat der Wolf unvermittelt hinter ihnen aus dem Dickicht und blieb vier Meter hinter ihnen stehen. „Für uns war das ein Jungtier, das einfach neugierig war“, so Brigitte Voigt. Kaum hatten sie den Fotoapparat heraus, trollte sich das Tier auch schon wieder. Das Paar hatte keine Angst, sondern eher Achtung und Respekt.

Was macht man bei einer Wolf-Begegnung?

Zunächst einmal Ruhe bewahren ist oberstes Gebot. Langsam und vorsichtig den Rückzug antreten. Dabei kann geredet, gerufen oder geklatscht werden. Auf gar keinen Fall rennen. Sich den Ort der Begegnung merken und an den Wolfsberater melden. Falls möglich ein Foto aus sicherer Entfernung schießen. Auf gar keinem Fall dem Wolf folgen.

Was tut man beim Fund eines toten Wolfes oder gerissenen Tieres?

Den Ort nicht verändern. Keine Hunde heranlassen. Nichts anfassen. Benachrichtigung von Wolfsberater oder Polizei.

Wo ist der mehrfach gesichtete Wolf abgeblieben?

Der Jungwolf ist mutmaßlich wieder zurück in der Lüneburger Heide. Nicht ungewöhnlich für ein junges Tier, das auf Wanderschaft geht und das Umfeld erkundet. Der Wolf war in Wildeshausen in einer Wohnsiedlung gesichtet worden. Auch das sei nach Meinung der Fachleute durchaus mal möglich. Die Tiere würden sich verlaufen, aber eine Siedlung schnell wieder verlassen.

Wie lebt der Wolf?

Frank Faß vom Wolfscenters Dörverden kennt die Lebensgewohnheiten der Tiere bestens. Wölfe können bis zu 100 Kilometer ohne weiteres am Stück zurücklegen und zeigen danach keine Ermüdung. Ein Territorium hat 200 bis 300 Quadratkilometer Fläche, je nach Vorkommen der Beutetiere. Hat ein Jungwolf einen Paarungspartner gefunden, werden nach der Ranzzeit im Januar bis März und einer Tragzeit von 63 Tagen bis zu elf Welpen geboren. Jungtiere trennen sich im Alter von ein bis zwei Jahren vom Sozialgefüge Rudel und gründen eine eigene Familie.

Wie ernähren sich Wölfe?

In Deutschland überwiegend von Rehwild, Rotwild und Schwarzwild. Gefressen werden auch Aas, Früchte und Kleinsäuger. Nutztiere sind bei den Beutetieren mit unter einem Prozent zu finden.

Wie muss mit einem auffälligen Tier umgegangen werden?

Wenn sich immer wieder Wölfe bis auf wenige Meter dem Menschen nähern oder ausschließlich Nutztiere reißen müsse gehandelt werden, stellte Frank Faß dar. An erster Stelle stehe das Einfangen, Tragen eines Sendehalsbandes, Wiederauswilderung und Vergrämung. Hilft das alles nichts, müsse eine „Entnahme“ (Abschuss) aus der Natur erfolgen.

Sind Angriffe auf Menschen bekannt?

In den vergangenen 50 Jahren gab es in Europa fünf Angriffe von Wölfen aufgrund von Tollwut und vier wegen Habitierung (Gewöhnung an den Menschen). „Die Wahrscheinlichkeit von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering, letztendlich kann man es aber auch nicht ganz ausschließen. Deshalb wird ein solides Management benötigt“, so Faß.

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