Hude /Landkreis Auf diesen „Glückwunsch“ reagiert Jan Trump zunächst etwas irritiert. „Wofür?“, fragt der Spielertrainer des FC Hude IV. Trump kickt mit seiner Mannschaft in der 5. Fußball-Kreisklasse, erreicht in der gerade abgelaufenen Saison den fünften Tabellenplatz, was an sich nicht weiter spektakulär ist. Doch in einem anderen Ranking schaffen es die Huder dafür an die Spitze: Sie belegen in der Fairnesstabelle den ersten Platz. Nur 17 Gelbe Karten in 24 Spielen, dazu keine Platzverweise oder weiteren Vorkommnisse – das bringt dem FC Hude IV einen Fairnessquotienten von 0.7 ein, was statistisch gesehen der beste Wert aller Herrenmannschaften des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst ist.

„Ganz ehrlich: Mir als Trainer hat manchmal sogar ein bisschen die Härte gefehlt“, muss Trump über den „Erfolg“ seiner Mannschaft fast schon etwas schmunzeln. „Wir hätten ruhig mal ein taktisches Foul machen und eine Karte mehr ziehen können. Das gehört zum Fußball dazu“, findet der Spielertrainer. Andererseits weiß er auch, wo seine Truppe spielt und wo somit die Schwerpunkte liegen. „Da brauchen wir uns nichts vormachen: Wir sind 5. Kreisklasse, da ist es auch etwas Thekenfußball. Man freut sich auf die Kiste Bier danach, der Spaß steht im Vordergrund, niemand soll sich verletzen.“ Allerdings spiele das Thema Fairness durchaus eine große Rolle bei den Kickern der FC-Vierten. „Wir waren schon immer ziemlich fair, was aber eher im Verborgenen blieb. Die Jungs sind von Grund auf ehrlich. Bei uns beruht alles auf Freundschaft, Fairness und Respekt“, betont Trump. „Wer aggressiv spielt, bekommt Aggressivität zurück. Wer fair ist, dem begegnet Fairness – so haben wir es zumindest fast immer beobachtet“, erklärt der 25-Jährige, dessen Team mit keinem Gegner ein Problem gehabt habe.

Schlusslicht Hicretspor

Insgesamt sind es in der 5. Kreisklasse gleich fünf Mannschaften, die während der gesamten Saison 2016/17 ohne Gelb-Rote oder Rote Karte blieben. Der TV Munderloh III (10x Gelb) oder die SG Bookhorn II (12) kassierten sogar noch weniger Verwarnungen als die Huder, trieben jedoch ihren Fairnessquotienten wegen Nichtantretens ein wenig in die (negative) Höhe. Weitere Herrenmannschaften im hiesigen Kreis, die jedes Pflichtspiel mit elf Akteuren beendeten, waren der TSV Ippener II (4. Kreisklasse), VfL Wildeshausen IV, SV Tur Abdin Delmenhorst III, Ahlhorner SV III (3. Kreisklasse), TuS Vielstedt (1. Kreisklasse) sowie die Kreisligisten VfR Wardenburg und TV Munderloh. Schlusslichter der kreisweiten Fairnesswertung unter den Herren sind der KSV Hicretspor in der Kreisliga (6 Gelb-Rote, 6 Rote und 76 Gelbe Karten in 30 Partien/Quotient: 4.13) sowie der VfL Stenum III (2. Kreisklasse/4.28).

Das krasse Gegenteil zu diesen beiden Teams ist bei den Frauen sowie den Ü-40-Oldies zu finden. So sahen die Fußballerinnen der SG Falkenburg/Kickers Ganderkesee in der Kreisliga nur eine Gelbe Karte in ihren 18 Begegnungen. Für Frauenfußball ist das sogar gar kein Einzelfall, denn in der Kreisliga Emsland beispielsweise kassierten gleich drei Teams nur eine Gelbe Karte – die SG Bredenberg schaffte sogar das Kunststück, die Saison mit einem Quotienten von 0.0 zu beenden. Die Ü-40-Oldies im hiesigen Kreis sammelten in ihren drei Spielklassen zusammen gerade einmal sieben Platzverweise – Karten sind hier generell eher Mangelware.

Flüchtlinge integriert

Die faire Spielweise der „Vierten" des FC Hude ist übrigens keine Alltagsfliege. Seit der Saison 2012/13 nimmt das Team am Spielbetrieb teil, in fünf Jahren sah man nur zwei Platzverweise und war in der Fairnesswertung immer vorne zu finden. „Die Jungs sind astrein“, findet Trump. Die Mannschaft verfüge sowohl über junge als auch erfahrene Akteure. Auch das Thema Integration hat sich das Team auf die Fahne geschrieben. So gehören seit Anfang der Saison 2017/18 mit Awet Zeru Tesfatsen und Kbrom Weldeyohanes zwei aus Eritrea Geflüchtete dem FC-Kader an. „Es war für uns selbstverständlich, sie zu integrieren“, betont Trump. „Sie kamen einfach mal zum Training und hatten Bock, Fußball zu spielen.“ Der Coach erinnert sich noch an einen Sonntag, als sein Team nur zu neunt auf dem Platz stand. „Wir haben dann bei ihnen angerufen, und unser Kapitän hat sie abgeholt. Anfangs konnten sie kaum an den Ball treten, jetzt spielen sie 80 bis 90 Minuten. Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt Trump. Er wird zur kommenden Saison als Spieler in die Drittvertretung des FC wechseln und das Traineramt an seinen Kapitän Dennis Behnken weitergeben – in der Überzeugung, dass das Team auch weiterhin erfolgreich und fair angreifen wird.

Michael Hiller Lokalsportredaktion / Redaktion Wildeshausen
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