Wildeshausen Seit dem Wochenende wird auch im Landkreis Oldenburg eifrig und kontrovers diskutiert: Es geht um die mögliche Fortsetzung der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison im Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV). So hatten sich die 33 Kreisvorstände des NFV am vergangenen Freitag darauf verständigt, bis Mitte dieser Woche mit ihren jeweiligen Vereinen in einen Dialog zu treten über den Vorschlag, die aktuelle Spielzeit 2019/ 2020 bis Mitte beziehungsweise Ende August „einzufrieren“.

Erst danach soll die Saison der Amateure (Männer, Frauen, Jugendligen) unterhalb der Regionalliga fortgesetzt werden – sofern es die behördlichen Anordnungen in der Corona-Krise erlauben. Ein Abbruch der Spielzeit, wie es ihn in anderen Sportarten (z.B. Handball, Eishockey, Tischtennis oder Basketball) schon gegeben hat, wäre damit vom Tisch – ebenso wie eine mögliche Annullierung.

Funktionärssicht

„Das ist eine sehr spezielle Situation, die wir so noch nie hatten“, sagt Erich Meenken, Vorsitzender des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst. Er macht keinen Hehl daraus, dass auch er sich „nicht glücklich dabei“ fühle und betont: „Es ist für alle unzufriedenstellend – ein Vabanquespiel mit sehr vielen Unbekannten.“ An diesem Dienstag kommen Meenken und seine Mitstreiter des Kreisvorstands per Videokonferenz mit den Vertretern der 42 dem Fußballkreis angehörenden Vereine zusammen, um die Lage zu erörtern. „Es wird viele Fragen geben, die wir wahrscheinlich auch nicht alle beantworten können“, vermutet der Kreisvorsitzende. Das Ergebnis der Meinungsumfrage werde er dann am Freitag in einer weiteren Videokonferenz an den NFV weiterleiten. Diese soll laut NFV-Präsident Günter Distelrath „die Basis für die finale Diskussion und Beschlussfassung des Verbandsvorstandes“ sein.

Trainersicht

„Nicht praxisnah“ findet Lars Möhlenbrock, Trainer des Bezirksligisten FC Hude, die angestrebte Lösung des NFV. „Mir bleiben da einfach zu viele Fragen offen: Wie verhält es sich mit Wechselfristen? Was ist mit gesperrten Spielern? Was kommt nach der halben Saison? Ich denke, dass sich der Verband damit mehr neue Baustellen aufmacht.“ Wichtig findet es der Huder Trainer, dass die Vereine als Verbandsmitglieder bei der Entscheidungsfindung jetzt auch mit ins Boot geholt werden.

Noch deutlicher wird Önder Caki von Hudes Bezirksliga-Rivalen SV Baris: „Die Idee ist völliger Quatsch!“ Zumal der Delmenhorster die weitere Entwicklung noch ungewiss sieht. „Ist es denn sicher, dass es bis September überhaupt zu so weitreichenden Lockerungen kommt?“ Er plädiert dafür, die Saison jetzt abzubrechen. „Man sollte anhand der Tabellen sehen, ob eine Mannschaft uneinholbar an der Tabellenspitze liegt. Diese würde dann aufsteigen. Auch Mannschaften, die abgeschlagen am Tabellenende sind, sollten absteigen. Man tut den Vereinen meistens keinen Gefallen, wenn man ihnen noch eine weitere Saison in einer Liga schenkt, in der sie nicht mithalten können.“ Bei engeren Tabellenständen schwebt Caki eine Relegation vor.

„Fußball fehlt mir extrem, das ist für mich die schlimmste Nachricht überhaupt“, sagt Jörg Peuker, Trainer des Harpstedter TB (Kreisliga). „Ich bin zwar kein Virologe und weiß nicht, welche Maßnahmen jetzt sinnvoll sind. Aber wenn man die Saison einfriert, dann gleich bis März, und wir spielen die Rückrunde erst nächstes Jahr. Oder man annulliert jetzt die komplette Saison und fängt Ende August neu an. Aber egal, wie entschieden wird: Am Ende müssen wir alle sowieso die Entscheidung der Regierung abwarten.“

Michael Hiller Lokalsportredaktion / Redaktion Wildeshausen
Andreas Kempe Nordwest-Fußball / Autor
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