Wardenburg Donnerstagabends ist der Parkplatz des Gasthofs Paradies in Höven voll: Die Gaststätte ist zwar geschlossen, den Saal aber nutzt regelmäßig der Line Dance-Verein „Caroliners“. Drei Gruppen mit verschiedenen Könnensstufen trainieren hier, zurzeit bietet der Verein zudem einen Schnupperkursus für absolute Anfänger an. Hier bin ich richtig und mische mich unter die Teilnehmer.

Toe Heel Cross Swivel

Country fürs Foto – eigentlich ist der Cowboyhut bei den Caroliners kein Muss. BILD: Verein

Das ist Line Dance

Beim Line Dance tanzt die Gruppe eine Choreographie, die aus seitlichen, Vorwärts- und Rückwärtsschritten besteht. Die Schritte werden langsam eingeübt und dann zur Musik getanzt. Insbesondere in den USA ist Line Dance weit verbreitet, aber auch in Deutschland setzt sich der Tanzsport seit den 1950er Jahren mehr und mehr durch.

In Wardenburg bieten neben den Caroliners auch der Judo-Club Achternmeer-Hundsmühlen (montags) sowie Casey’s Line Dance (dienstags im Wardenburger Hof) Line Dance-Kurse an.

Mehr Infos: www.jcah.de , www.caseyslinedance.de oder www.caroliners.de

Die Atmosphäre ist freundlich, man duzt sich, wechselt ein paar Worte, ehe es losgeht. Dann aber ist äußerste Konzentration gefragt. Den Grapevine, jenen Schritt seitlich über Kreuz, beherrsche ich dank verschiedener Sportkurse. Ebenso den V-Step. Da kann schon mal nichts schiefgehen. Aber was ist der K-Step? Oder der Toe Heel Cross Swivel?

Zum Glück werden für die Anfänger alle Schritte erst einmal langsam wiederholt – ich habe also die Chance einzusteigen. Klappt eigentlich ganz gut. Doch die Euphorie wird schnell gedämpft, denn jede Schrittfolge endet mit einer Vierteldrehung, dann geht’s in anderer Richtung weiter. Das gelingt mir längst nicht immer. Trotzdem stellt sich schon nach kürzester Zeit gute Laune ein und ich merke, wie sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet.

Das ist auch die Erfahrung von Stefan. „Ich bin kein Tangotänzer – aber hier habe ich Spaß“, sagt der 58-Jährige, der über ein Line Dance-Festival auf Rügen auf den Sport aufmerksam wurde. „Man kann wunderbar abschalten, weil man sowieso an nichts anderes denken kann beim Tanzen. Und es ist eine schöne Gemeinschaft.“

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Stefan ist einer der weniger Männer bei den Caroliners. Wie bei anderen Tanzsportarten auch ist der Frauenüberschuss groß. Doch das macht nichts, weil in der Gruppe, nicht mit festem Partner getanzt wird. Das war auch für Nina (48) ein Aspekt, Line Dance auszuprobieren. Sie nutzt den Schnupperkursus. „Das Schöne ist, dass er in jedem Land gleich getanzt wird, man kann also überall mitmachen.“ Und auch ihre Freundin Birgit (45) hat Spaß. „Ich wurde einfach mitgeschleppt“, lacht sie, „aber es gefällt mir von Mal zu Mal besser.“

Auch mit 80 Spaß daran

Das Gros der Tänzerinnen und Tänzer sei zwischen 40 und 60 Jahre alt, erzählt Claudia Raddünz vom Organisationsteam der Caroliners. Waltraut, die ebenfalls den Schnupperkurs belegt hat, treibt den Altersdurchschnitt ein bisschen nach oben. „Ich werde in ein paar Wochen 80“, erzählt sie nicht ohne Stolz. „Und ich hatte große Lust, mal etwas ganz Neues auszuprobieren.“ Ebenso wie die anderen ist auch sie mit viel Freude und guter Kondition dabei. „Wenn wir lange das Gewicht auf einem Bein haben, fällt mir das schwer. Aber ansonsten geht’s gut“, sagt sie und ergänzt, schließlich treibe sie regelmäßig Sport. Wer hier mithalten will, sollte tatsächlich nicht völlig unsportlich sein – die Lieder haben ein schnelles Tempo, ein Tanz reiht sich an den anderen, Pausen gibt es kaum. Dabei wird längst nicht nur nach Countrymusik getanzt, und auch Cowboyhüte sucht man hier vergeblich. „Das war für mich ein entscheidender Aspekt“, sagt Stefan. „Ich stehe nicht so auf Countrymusik, und ich will mich auch nicht verkleiden. Dass das hier geht, finde ich besonders gut.“ Anderen Gruppen allerdings gefällt gerade das – karierte Hemden und Cowboyhüte gehören dort unbedingt dazu.

Wie in einem Saloon

Die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Caroliners kommen in normaler Alltagskleidung, hier und da blitzen allerdings ein paar Karohemden auf. Turnschuhe sind nicht optimal, erklärt Claudia Raddünz. „Gut ist Schuhwerk, das keine völlig rutschfeste Sohle hat.“ Und auch ein kleiner Absatz schadet nicht. Damit lässt sich besonders gut das klackende Geräusch beim „Scuff“ machen, bei dem das Bein von hinten nach vorn schwingt und die Ferse den Boden berührt. Diesen Schritt habe ich sofort als meinen Lieblingsschritt auserkoren. Auf dem Holzboden im Gasthof Paradies klingt er beinahe wie in einem alten Saloon. Wildwest in Wardenburg? Ich bin dabei!

Anke Brockmeyer Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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