Boßen In Hude-Vielstedt
Wo Kurven das Salz in der Suppe sind

Ende des Monats starten die Rundenwettkämpfe. Vorher erklären die Boßler, worauf es bei ihrem Sport ankommt.

Bild: Klaus Derke
Begeisterte Boßler (von links): Bernhard Rüdebusch, Karsten Heier, Horst-Hermann Brüning, Jörg Poppe und Florian Strodthoff vom Boßelclub Vielstedt-HudeBild: Klaus Derke
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Vielstedt /Hude Man ist an der frischen Luft und dabei viel in Bewegung. Und stark ist man nur, wenn jeder Einzelne in der Mannschaft vollen Einsatz zeigt. Teamgeist ist gefragt. Das Straßenboßeln ist die Nationalsportart Nummer eins im Friesischen. Aber auch im Landkreis Oldenburg gibt es Männer und Frauen, die mit Begeisterung die Kugel werfen. Und das nicht nur auf Kohltouren.

Als Sport, der Kraft und Ausdauer sowie taktisches Geschick erfordert und nach festen Regeln abläuft, wird das Boßeln in Vielstedt schon seit 1957 betrieben. „Wir haben aktuell zwei Männermannschaften und eine Frauenmannschaft, sich sich an den Rundenwettkämpfen beteiligen“, so Vorsitzender Karsten Heier. Der Club würde sich über weitere Neuzugänge freuen, möchte gerade auch jüngere Menschen für diese Art der sportlichen Freizeitbeschäftigung begeistern.

Das Spiel

Beim Straßenboßeln geht es darum, eine festgelegte Wettkampfstrecke, die zwischen sieben und neun Kilometer lang ist, mit möglichst wenigen Würfen zu absolvieren. Fliegt die Kugel dabei von der Strecke, wird sie am Austrittspunkt rechtwinklig wieder auf die Straße gelegt für den nächsten Abwurf. Rollt die Kugel nach einem Abstecher über die Berme wieder zurück auf die Straße, ist das auch gültig. Die Spieler wechseln sich in einer festgelegten Reihenfolge ab.

Das Sportgerät

Geworfen wird beim Straßenboßeln mit Holz- oder Gummikugeln, die je nach Altersklasse und Geschlecht unterschiedliche Durchmesser haben. Bei den Männer in den Altersklassen ab 18 Jahren hat die Holzkugel zum Beispiel einen Durchmesser von 12 Zentimetern, während die Gummikugel 10,5 Zentimeter misst. Geworfen werden kann sowohl mit Holz als auch mit Gummi. Das entscheiden die Spieler für sich.

Die Mannschaft

In den sportlichen Team-Wettkämpfen spielen immer zwei Mannschaften gegeneinander, wobei diese bei den Männern jeweils aus bis zu 16 Werfern in vier Gruppen bestehen können, unterteilt nach Gummi und Holz. Bei den Frauen sind es bis zu 8 Werferinnen in zwei Gruppen. Sind es mehrere Gruppen, treten jeweils die Gruppen der teilnehmenden Mannschaften gegeneinander an.

Die Taktik

Mit einem ordentlichen Anlauf von zehn bis 15 Metern versuchen die Spieler/Spielerinnen, die Boßelkugel beim Abwurf möglichst genau auf der Straße zu platzieren. Sie soll weit rollen. Spurrillen werden geschickt ausgenutzt. Die Wettkampfstrecken sind aber nicht nur gerade, sondern enthalten auch Kurven. „Die sind das Salz in der Suppe“, so Karsten Heier. Oft würden gerade mit einer ausgefeilten Kurventechnik die Wettkämpfe entschieden. Die Mannschaft hat einen „Anzeiger“ dabei. Der steht weit vorne, beobachtet die Strecke und zeigt dem Werfer, wo er am besten ansetzen sollte, damit der Boßel möglichst lange auf der Strecke bleibt. Rechts, links oder in der Mitte.

Die Saison

Die Saison für die Rundenwettkämpfe beginnt Ende September, Anfang Oktober und dauert bis Ende März. Dass das Boßeln im Winter stattfindet, hat wohl den Grund, dass früher die Landwirte nur in dieser Jahreszeit auch Zeit hatten. Insgesamt sind es 14 Wettkampftage, sieben Heim- und sieben Auswärtsspiele. Alle 14 Tage, immer sonntags, geht es in der Mittagszeit los. Die Wettkämpfe finden bei fast jedem Wetter statt. Einzige Bedingung: Die Straße muss frei sein von Eis und Schnee. Und auch bei „Poetenwetter“, so bezeichnen die Boßler sehr dichten Nebel, wird nicht angetreten. Denn die Wettkämpfe finden auf öffentlichen Straßen statt. Gute Sicht und Sichtbarkeit ist wichtig, damit es nicht zu brenzligen Begegnungen mit Verkehrsteilnehmern kommt.

Die Wertung

Während das Boßeln selbst einfach zu erlernen ist, ist die Berechnung der Punkte, die am Ende über Sieg und Niederlage entscheiden, für einen Laien zunächst etwas schwierig. Aber bei den Profis ist das längst in Fleisch und Blut übergegangen. Die Punkte werden bei den Boßlern „Schoet“ genannt. Wenn es eine Mannschaft nicht schafft, im Verlauf der Strecke mit zwei Würfen den Boßel der anderen Mannschaft zu überholen, gibt es jeweils einen „Schoet“. Nach Überquerung der Ziellinie werden die überworfenen Meter der führenden Mannschaft und die Differenz zum Boßel der unterlegenen Mannschaft bis zur Ziellinie zusammengezählt. Zusammen mit den erzielten „Schoets“ ergibt es das Endergebnis. Zum Beispiel „2,075“: Das sind also zwei Schoet und 75 Meter.

Die Zukunft

Auch der Boßelclub Vielstedt-Hude versucht, die Jugend wieder mehr für diese Sportart zu begeistern. Der Club verfügt über ausgebildete und zertifizierte Jugendleiter, die für die Betreuung der Jugendlichen zur Verfügung stehen. Schon ab dem Alter von sechs Jahren kann man mitmachen, wie Karsten Heier berichtet. Der Club hat auch eine Altersabteilung, die sich regelmäßig trifft. Sie nimmt nicht am Punktspielbetrieb teil, trifft sich aber mit Gleichgesinnten schon mal zu Freundschaftswettkämpfen und pflegt beim wöchentlichen Training das Gesellige.

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