Freizeitsport
„Auf der Ziellinie noch gut ausschauen“

Die Hatterin war als eine von 21 000 Startern am Persischen Golf. Erst am Ende nahm sie etwas Tempo raus.

Bild: privat
Sigrid Blum vorm Burj al Arab, mit 321 Metern eines der höchsten und exklusivsten Hotels der Welt.Bild: privat
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Unwirkliche Stimmung: Das Hauptfeld wurde um 7 Uhr auf die Strecke geschickt. Die Profiläufer waren da schon eine Stunde unterwegs.Bild: privat
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Streekermoor /Dubai Dubai ist keine Stadt für Fußgänger. Hauptstraßen mit sechs Fahrspuren – je Fahrtrichtung, versteht sich – bieten viel Platz für schnelle und teure Autos, allerdings keinen Bürgersteig. Sigrid Blum (58) aus Streekermoor hat das mit eigenen Augen gesehen. „Niemand geht hier zu Fuß. Allein schon wegen der Hitze“, erzählt sie.

Nun ja, es gibt allerdings eine große Ausnahme. Der Dubai-Marathon lockt in diesem Jahr mehr als 21 000 Läufer in die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am Persischen Golf. Als am Freitag, 26. Januar, um 7 Uhr nur wenige Meter vom Hotel Burj al Arab der Startschuss für das große Hauptfeld fällt, ist auch die Streekermoorerin dabei.

Testlauf geht schief

Die 58-Jährige geht mit einem flauen Gefühl auf die Strecke. Zwei Tage vorher ist sie mit ihrem Mann Jonny von Hamburg aus mit der staatlichen Fluggesellschaft Emirates nach Dubai geflogen. Der Wechsel vom kühlen norddeutschen Winter in die 25 Grad warme Metropole mit hoher Luftfeuchtigkeit macht ihr zu schaffen. Das hat sie am Tag vor dem Rennen bei einem Probelauf gemerkt. „Nach vier Kilometern musste ich den Test abbrechen“, sagt sie.

Am offiziellen Wettkampftag läuft es deutlich besser. Zuhause hat die erfahrene Läuferin über zehn Wochen ein besonderes Vorbereitungstraining nach dem Konzept des deutschen Laufexperten Herbert Steffny absolviert. Eine Endzeit von vier Stunden und 20 Minuten zu laufen, das ist ihr Ziel. Was ihr jetzt nur noch fehlt, ist ein gleichschneller Laufpartner. „Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich gern im Team unterwegs“, sagt sie. Ihr Laufshirt mit dem Aufdruck Hatten/Sandkrug hilft dabei. Sie wird von Peter Ickert (56) aus Remscheid auf den ersten Kilometern angesprochen. Gemeinsam bleiben sie bis zur Halbmarathonmarke (21 km) zusammen und unterhalten sich sogar. „Wer beim Laufen noch reden kann, atmet automatisch richtig“, verrät Sigrid Blum, die in Sandkrug immer montags, mittwochs und freitags eine Läuferinnengruppe der TSG Hatten-Sandkrug trainiert.

Exotische Aussicht

Nach Kilometer 21 zieht die Sandkrugerin das Tempo an. Sie fühlt sich wie ausgewechselt, läuft direkt neben einem der vom Veranstalter gestellten Tempoläufer. Trotz der Anstrengung genießt sie die exotische Aussicht auf dem Kurs – auf der einen Seite die Kulisse der Stadt mit ihren modernen Hochhäusern, auf der anderen Seite das blaue Wasser des Persischen Golfs mit der künstlichen Palmeninsel. Kurz vorm Ziel muss sie dann ein klein wenig Geschwindigkeit rausnehmen. „Man will ja auch noch gut ausschauen auf der Ziellinie“, lächelt sie. Bei 4:23:13 Stunden wird sie von der elektronischen Zeitmessung gestoppt, damit ist sie die zweitschnellste Frau ihrer Altersklasse (55 bis 59 Jahre) und die 156. insgesamt. „Ich bin super zufrieden“, sagt sie.

Bei zwölf Marathons ist Sigrid Blum schon an den Start gegangen, darunter Istanbul, Antalya, Mallorca und Tallinn. Abgebrochen hat sie keinen einzigen. Ihre Bestzeit rannte sie allerdings in der Heimat, 2006 in Hannover (3:46:30). Mehr als ein 42-km-Rennen im Jahr versucht sie zu vermeiden, auch wenn es viele verlockende (Reise-)Ziele gibt. Das Trainieren dafür fällt ihr nicht sonderlich schwer. „Ich laufe ja eh dreimal die Woche.“

Sieben Tage Urlaub mit ihrem Mann hat die Streekermoorerin nach dem Rennen noch in Dubai drangehängt und den Akku aufgeladen. Jetzt zurück, joggt sie schon wieder mit ihren Frauen durchs Barneführer Holz – nur das kurzärmelige T-Shirt, das bleibt zurzeit im Schrank.

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