SANDKRUG SANDKRUG - Die Körpersprache verrät einiges über die Gemütsverfassung von Menschen. Für den Beobachter des Spitzenspiels der Handball-Regionalliga am Mittwochabend zwischen dem Tabellenzweiten TSG Hatten-Sandkrug und dem Vierten, der HSG Barnstorf/Diepholz, war deutlich zu sehen, wer trotz des 31:31 (14:12) der moralische Gewinner war. Jubelnd lagen sich die Gäste in den Armen, feierten ausgelassen den Ausgleich in der letzten Sekunde. Fassungslosigkeit war dagegen bei den Gastgebern zu erkennen, die den möglichen Sieg und die Tabellenführung noch aus der Hand gegeben hatten. „Wir haben nichts verloren!“ Die Worte von TSG-Trainer Klaus Kröger waren nach dem Spiel nicht mehr als Seelenmassage für seine angeschlagenen Spieler.

Dreimal hatten die Gastgeber die Chance, den insgesamt verdienten Ausgleich zu verhindern. 35 Sekunden vor dem Abpfiff kamen sie in Ballbesitz. Gegen die offensive Abwehr der Gäste spielten sie einen Moment lang geschickt. Dann suchte Timm Bengsten die Entscheidung. Bruchteile einer Sekunde führte er den Ball, was die Schiris ahndeten. Bengsten protestierte – Zeitstrafe. Als Barnstorfs Christian Redeker fünf Sekunden vor dem Ende mit dem Ball am Boden lag, wurde die zweite Chance vergeben. Die TSGer attackierten ihn nicht entschlossen genug. Redeker passte auf Marek Saloka, der in allerletzter Sekunde den Ball aus neun Metern ins TSG-Gehäuse katapultierte. Aus und vorbei, mit dem Sieg und der Tabellenführung.

Die war am Mittwoch durchaus im Bereich des Möglichen, auch wenn beiden Teams und speziell den Gastgebern der Druck deutlich anzumerken war.

Die größte Chance, sich vorentscheidend abzusetzen, besaßen die Gastgeber nach 44 Minuten, als den Unparteiischen eine Fehlentscheidung unterlief. Sie belegten HSG-Spielgestalter Tomas Lenkevicius, der den Ball mit der Hand spielte, wegen Spielens mit dem Fuß mit einer Zeitstrafe. Der folgende verständliche Protest hatte zwei weitere Minuten zur Folge. In dieser Zeit verstanden es die Gastgeber nicht, die Ruhe und Übersicht zu entwickeln, um die personelle Überzahl für sich siegbringend zu nutzen. 23:21 hieß es vor den vier Minuten, 26:25 für die TSG als die Gäste wieder mit voller Besetzung spielen durften. Das baute sie derart auf, dass sie zwei Minuten vor dem Ende gar 30:29 führten.

Über die gesamte Distanz war das kampfbetonte, aber erfreulich faire Spiel von hohem Tempo, Einsatzwillen aber auch einer ungewohnt hohen Zahl an leichten Fehlern und – vornehmlich im ersten Abschnitt – unplatzierten Torwürfen geprägt, so dass sich die Torwarte auszeichnen konnten. Das änderte sich später. Hier hätte der TSG-Defensive ein Torwartwechsel durchaus mehr Stabilität verleihen können. Im ersten Abschnitt spielten die Gastgeber noch zwingender, geduldiger und agierten mit überraschenden Aktionen. Das brachte sie immer wieder in Führung. Ein Manko war, dass Axel Schulte aus dem Rückraum nicht so gut zur Geltung kam wie zuletzt. So mussten die Sandkruger das Spiel über den Kreis oder die Außen suchen, was mehr Risiko barg. Erst als Kröger Steven von Salzen in der Schlussphase auch in den Angriff beorderte, kam wieder mehr Druck aus dem Rückraum der TSG.

Dass die Gastgeber sich nie entscheidend absetzen konnten, lag zum einen an einer Manndeckung (40.) des überragenden Ideengebers Laursen und zum anderen an zwei Gästespielern: In Halbzeit eins war Christian Redeker (acht Treffer) ein ständiger Gefahrenherd. Als er besser kontrolliert wurde, ließ die linke Abwehrseite der TSG Gordionok zu viele Freiheiten, die dieser zu acht Toren nutzte. Sie hatten maßgeblichen Anteil daran, dass die HSG einen Punkt gewann.

Auch wenn Kröger es sehr gut verbergen konnte, wurmte ihn das Unentschieden mächtig. „Wir hätten heute gewinnen müssen. Schließlich haben wir die starken Mannschaften in der Rückrunde alle auswärts“, fühlte auch er sich mit seinen Spielern als Verlierer.

Fried-Michael Carl Berne/Lemwerder / Redaktion Elsfleth
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