Bergedorf Etliche Fotos, Protokolle, Zeitungsartikel, Einladungen und Briefe hat Herwig Logemann fein säuberlich abgeheftet. All diese Relikte des Schützenvereins Bergdorf hat er vor 25 Jahren zusammengetragen. „Hier wurde ordentlich gefeiert“, sagt der heute 67-Jährige, der dem Verein mit 15 Jahren beitrat, und tippt auf ein Foto aus dem Jahr 1981, aufgenommen im langjährigen Vereinslokal, der Gaststätte Grundmann. Dorthin geht es an diesem Freitag zurück. Anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Vereins haben die Schützen den seit Jahren geschlossenen Gasthof aufgemöbelt, um dort mit befreundeten Vereinen und vielen Bergedorfern zu feiern. Mehr als 200 Gäste haben sich angemeldet.

Schießen verboten

Drei Jahre lang hat Logemann mit Frank Ruthop und dem mittlerweile verstorbenen Reinhard Wenke Unterlagen gesammelt. Damals war Logemann Presse- und 2. Schriftwart, das Amt hatte er ab 1981 insgesamt 25 Jahre inne. Einige Unterlagen besaß er selbst, darunter viele Fotos, die seinen Vater Hans Logemann in der Bergedorfer Schützenuniform zeigen. Zur 100-Jahr-Feier gab es dann eine 26-seitige Chronik: Der Bergedorfer Schützenverein wurde 1891 als zweiter Schützenverein in der Gemeinde Ganderkesee gegründet. Die Mitglieder errichteten einen Schießstand in Heden-kampsheide. Als Kugelfang diente ein Erdwall. Logemann kramt ein Foto hervor, das er dort erst vor einigen Jahren aufgenommen hat. Der Wall ist noch zu sehen. „Das würde heute so nicht gehen“, sagt Logemann, „da ist ja keine seitliche Absicherung.“ Die Männer schossen mit Vorderladern. „Auch das ist heute verboten“, sagt Logemann. 1906 startete der Verein dann mit dem Vogelschießen.

1910 traten die Bergedorfer dem im selben Jahr gegründeten Schützenbund Ganderkesee bei. 1913 bauten die Mitglieder einen neuen Schießstand sowie eine Schießhalle auf dem von Gastwirt Carl Grundmann zur Verfügung gestellten Grundstück.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Aber bereits 1920 setzten 63 Mitglieder die alten Traditionen fort. Auch von 1939 bis 1950 mussten die Schützen bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und ein Verbot der Alliierten auf ihren Sport verzichten.

Frauen erlaubt

Am 2. Juli 1950 versammelten sich bei Grundmann zahlreiche Männer zur Neugründung. Das Protokoll der Sitzung hat Logemann ebenfalls abgeheftet. Seit Anfang der 50er Jahre gibt es auch das Kinder- und Jugendkönigsschießen. Damen dürfen erst seit 1973 in den Schießstand.

Am ersten Bedingungsschießen 1952 nahmen bereits 50 Schützen teil. 1954 bauten die Mitglieder ihre Schießhalle um, zehn Jahre später sanierten und vergrößerten sie ihre Räumlichkeiten. Nach einem Sturm 1972 mussten sie Schützenhalle und Schießstand umfangreich reparieren. Rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen stellten die Mitglieder einen Anbau mit sanitären Anlagen, Gewehrschrank und Materialraum sowie überdachtem Luftgewehrstand fertig.

Logemann schlägt den letzten Ordner zu. „Wir müssen jemanden finden, der das weiterführt“, sagt der 67-Jährige. Das ist auch sein Wunsch für den Verein: „Es muss weitergehen, am besten mindestens noch mal 125 Jahre.“

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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