Sandkrug „Es geht ja doch noch!“, rief Hallensprecher Jürgen Steffens am Samstagabend euphorisiert durch die Lautsprecher in der Sporthalle an der Schultredde. Passend dazu kam direkt der Musikeinspieler „Oh wie ist das schön“. Tatsächlich hatten die Anhänger des Handball-Oberligisten TSG Hatten-Sandkrug so etwas schon lange nicht mehr gesehen. Nach zuvor sechs Niederlagen in Folge konnte die TSG endlich wieder jubeln, bezwang die HSG Barnstorf/Diepholz mit 35:30 (17:14) und feierte damit das erste Erfolgserlebnis seit dem 5. Oktober. Durch den Sieg gegen den direkten Konkurrenten im Tabellenkeller verließen die Hatter auch die Abstiegsplätze.

„Wir haben hart für diesen Sieg gearbeitet und gekämpft bis zum Umfallen“, meinte TSG-Trainer Hauke Rickels erleichtert. Trotz aller Freude über den dritten Saisonsieg wusste der Coach aber auch, dass dieser nur einer kleinen Mosaikstein im Kampf um den Klassenerhalt ist. „Weitere müssen wir jetzt folgen lassen“, so Rickels mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf.

Mit 6:18 Punkten liegt sein Team jetzt auf Tabellenplatz zwölf, einen Rang hinter Barnstorf/Diepholz (7:17). „Der Gegner hat uns vorgemacht, wie Abstiegskampf geht – nämlich über den Kampf“, meinte Heiner Thiemann, der bei der HSG den verhinderten Trainer Dag Rieken vertrat. „Unsere Mannschaft ist weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. Wir haben zu viele klare Chancen ausgelassen“, sagte Thiemann. Einen weiteren Unterschied machten außerdem die Torhüter aus. Während bei den Diepholzern weder Donatas Biras noch Frederik Hohnstedt eine Hand an den Ball bekam, avancierte Bo Rackemann im TSG-Team zum überragenden Rückhalt. Zahlreiche Paraden, darunter zwei gehaltene Siebenmeter, gaben seiner Mannschaft viel Sicherheit. „Er hat fantastisch gehalten“, lobte Rickels seinen Schlussmann, der nur einmal für einen Strafwurf seinen Kasten verließ. Dass Jan-Peter Steffens dann den Siebenmeter von Andrius Gervé auch noch parierte, war angesichts der 31:24-Führung (55. Minute) schon mehr als eine Vorentscheidung.

Nur einmal beim 4:5 (12.) sahen sich die Hausherren einem Rückstand gegenüber. Jonas Schepker und Tim Streckhardt holten mit ihren Toren die Führung aber schnell zurück. Das Duo – Schepker im Rückraum (9 Tore) und Streckhardt auf Rechtsaußen (8) – war an diesem Abend generell kaum zu bremsen. „Sie haben sich phasenweise in einen Rausch gespielt“, gab es von Rickels ein Sonderlob. Selbst in Unterzahl gelang es den Gastgebern, die Führung zu halten – und durch einen genialen Wurf von Razvan Ghimes von Linksaußen sogar auf 13:11 (24.) auszubauen. Besonders in der Abwehr wirkten die Gäste phasenweise fahrig, so dass die TSG zur Pause mit drei Toren vorne lag.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Rackemann parierte drei Bälle in den ersten vier Minuten, und Robert Langner schraubte den Vorsprung auf 20:15 (35.). Dass Langner zehn Minuten später wegen eines Foulspiels die Rote Karte sah, brachte keinen Bruch ins TSG-Spiel. Im Gegenteil: Wieder trafen die Sandkruger in Unterzahl (26:21). Als Kreisläufer Till Schinnerer mit dem Rücken zum Tor stehend und trotz doppelter Bedrängnis zum 29:22 traf (50.), war dies mehr als eine Vorentscheidung. Zu diesem Zeitpunkt hatte die HSG ihre 3:2:1-Abwehr bereits aufgelöst und operierte mit einer doppelten kurzen Deckung gegen Andre Haake und Schepker. In der Schlussphase machten die Gäste sogar komplett auf, konnten damit aber nichts mehr bewirken. Streckhardt, der wohl sein bestes Spiel im TSG-Trikot machte, nutzte die Freiräume mit zwei schnellen Alleingängen und einem fantastischen Treffer von Rechtsaußen zum 35:30-Endstand.

Michael Hiller Lokalsportredaktion / Redaktion Wildeshausen
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