WILDESHAUSEN Fein säuberlich sortiert hängen unzählige verschiedene Kabel mit Steckern vom Regal. Darüber sind verschiedene Ladegeräte zu sehen, versehen mit Volt- und Ampere­metern. Lötkolben und beleuchtete Lupe sind auf der anderen Seite zu finden sowie zahllose kleine und große Kisten und Kästchen mit verschiedenen Utensilien.

Das ist das Reich von Richard Volle, wenn er abends das Licht einschaltet und in die Welt der Schiffsmodelle einsteigt. „Ich bastele eigentlich immer in den Abendstunden. Da ist am meisten Ruhe und Zeit für die oft kniffligen Dinge“, erklärt der frühere Schwimmmeister.

Gerade hat er einen neuen „Problemfall“ vor sich: Ein Modellsegler gibt den Blick in sein Inneres frei. Es handelt sich um einen ketchgetakelten Nachbau einer Rennyacht. Ein schneller Flitzer auf dem Wasser, der mit Vor-, Groß- und Besansegel an zwei Masten gesegelt wird – heute schon ein Klassiker unter den Segelmodellen. Zu seiner Zeit aber auch im Original ein stabiles und sportliches Schiff, das noch heute seine Liebhaber hat.

Bausatz zum Geburtstag

Das Modell steht dem „großen Bruder“ in nichts nach. Das Deck ist mit Echtholz belegt, auch sonst macht der Segler einen hochwertigen Eindruck, wenn da nur nicht die Technik wäre. „Der ist nicht von schlechten Eltern“, meint der 75-jährige Modellbauer beim Betrachten des Motors für das Verstellen der Segel, den er aus dem Rumpf gezogen hat und nun staunend hochhält. Zahlreiche Drähte kommen zum Vorschein. Dazu Miniaturtauwerk, so genannte Schoten zum Verstellen der Segel. Wie auch im Original können die Stellungen der Segel über eine Funkverbindung je nach Windrichtung angepasst werden. Doch das funktioniert zurzeit nicht so, wie es sollte.

Richard Volle ist voll in seinem Element. Nun wird der Ursache akribisch auf den Grund gegangen.

Der „Modellbauvirus“ ergriff den Wildeshauser, als er zum 50. Geburtstag einen Bausatz für den Kutter „Herta“ von den Nachbarn geschenkt bekam, zu denen auch Heino Habben vom Modellbau-Club Wildeshausen gehörte. „In das Modell habe ich alles eingebaut, was es so gibt. Dabei hat mir Heino mit vielen Tipps geholfen. Als ich damit fertig war, trat ich den Verein ein.“ Das war genau zu der Zeit als sich die Modellbauer in zwei Clubs spalteten. Während die Wildeshauser bis heute ihre Boote auf dem Annasee in Altona fahren lassen, spalteten sich die Modellflieger ab, und gründeten den Modellflugclub Dötlingen.

Als sich Volle 1987 dem Modellbau-Club Wildeshausen (MCW) anschloss, hatte er schnell den ersten Posten im Vorstand inne. Ob Schriftführer, Pressewart oder Vorsitzender – Richard Volle setzte sich für die Belange der Modellbauer ein. Als Dankeschön wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt, da er nicht mehr für einen weiteren Posten kandidieren wollte.

Aber wenn es um das Vorstellen der Modelle geht, dann ist er auch heute noch bei Wind und Wetter am Annasee auf dem Steg des Vereins mit seinen Schiffen zu finden.

Zwölf Schiffe stehen inzwischen in seinem Haus. Alle haben eine Plastikabdeckung, damit sie nicht verstauben, da die Schiffsmodelle nicht immer alle bewegt werden können.

Der ganze Bereich des Modellbaus wurde inzwischen über die Jahre abgedeckt, dabei auch Jux-Bauten wie die fahrenden Enten oder ein Holzschuh, der sich durch das Wasser bewegte. Auch schnelle Rennyachten besaß Richard Volle. Heute zählen insgesamt drei Segelyachten zur „Reederei Volle“. Sein Lieblingsschiff ist aber nach wie vor die „St. Germain“, ein Hochseetraw-ler, den er in dreijähriger Arbeit komplett selbst baute. Das Schiff ist mit allen elektrischen Raffinessen versehen: Radar, Nebelhorn, sich hebende Netze, Dampferzeuger, Dieselgenerator und viele weiteren technischen Details. Ein Schmuckstück, das Richard Volle noch heute wie seinen Augapfel hütet.

Erfahrungen auf See

Aber auch auf den richtigen Segelschiffen war der Wildeshauser daheim. Von 1972 bis 1988 segelte er auf der Nordsee auf dem Plattbodenschiff „Swantje“ bei den AST-Hochseeregatten mit. Auch auf der „Nadir“, mit der es oft nach Helgoland ging, segelte Volle. Bisweilen wurden auch Schiffe aus der Ostsee überführt, erzählt er.

Die sprichwörtlichen Seefahrerbeine und der Salzbuckel waren Richard Volle in dieser Zeit gewachsen und damit kamen auch Erfahrung und Sachverstand, die er in seine Modelle mit einbringen konnte.

„Leider habe ich heute nicht mehr so viel Zeit und auch nicht mehr die Muße, mich mehr um das Modellbauen zu kümmern“, bedauerte Richard Volle. Aber ab und zu packt es den passionierten Modellbau-Fan dann doch noch einmal. Kürzlich erst bei der Segelyacht, die künftig wieder ihre Törns vor und am Wind segeln soll.

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