Dötlingen 1000 Stunden sind schnell weg, wenn man an einem aufwendigen Flugzeugmodell tüftelt. Und nach diesem Aufwand soll es keine Starterlaubnis geben? „Das würde für mich das Ende der Modellfliegerei bedeuten“, sagt Frank Müller. Er und seine Mitstreiter vom Modellflug Club Dötlingen (MCD) sehen ihr Hobby in großer Gefahr. Grund sind Pläne des Bundesverkehrsministeriums, aufgrund der zunehmenden Nutzung von Drohnen die luftrechtlichen Bestimmungen zu ändern.

Hauptknackpunkt ist der Vorschlag, eine Flughöhenbegrenzung von 100 Metern einzuführen. Bisher ist bis zum Beginn des kontrollierten Luftraums in 2500 Fuß (762 Meter) das Fliegen mit Modellen meist möglich. Mit großen Geräten sind die Hobbyflieger eher bei um die 300 Meter unterwegs. Mit einer Kleinversion eines Turbinenjets aber unter 100 Metern zu bleiben – das ist wie Fußballspielen in der Besenkammer statt auf einem richtigen Platz.

Was den MCD-Mitgliedern besonders sauer aufstößt, ist, dass sie ihrer Ansicht nach für Drohnen-Piloten in Mithaftung genommen werden. Zwischenfälle wie zuletzt am Wochenende in London dagegen, als ein solches Fluggerät in eine landende Passagiermaschine krachte, sorgen immer wieder für Diskussionen über die Gefahr der frei verkäuflichen Drohnen. „Keiner der gemeldeten Zwischenfälle hat aber etwas mit der organisierten Modellfliegerei zu tun“, entgegnet Müller.

Etwa 90 000 Modellbauer im Flugzeugbereich sind deutschlandweit bei Clubs und Vereinen registriert. Der Dötlinger Club zählt rund 110 Mitglieder im Alter von sechs bis 90 Jahren. Für die meisten wäre ihr Hobby nach den angedachten Regeln von Verkehrsminister Alexander Dobrindt vom einen auf den anderen Moment uninteressant.

Die Auswirkungen wären laut dem Deutschen Modellflieger Verband (DMFV) drastisch. 15 000 Arbeitsplätze, zum Beispiel bei Zulieferern und Herstellern, seien gefährdet. Hajo Wahlen, beim MCD zuständig für den Nachwuchs, sieht zudem Folgen für Bildung und Innovation. „Viele junge Leute arbeiten hier mit Elektronik und gehen auch beruflich später in diesen Bereich.“ Außerdem sei die Modellfliegerei ein Testbereich für neue Techniken, wie aktuell beim Elektroantrieb für Flugzeuge, so Wahlen.

Um gegen die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium vorzugehen, hat sich unter Federführung des DMFV nun die Initiative Pro Modellflug gegründet, die auch von den Dötlingern unterstützt wird. Unter anderem will sie über eine Petition Druck auf die Politik ausüben. Im Hause Dobrindt gibt man sich indes auf NWZ-Anfrage wortkarg. Bis auf die Bestätigung, dass an den rechtlichen Rahmenbedingungen gearbeitet wird, sendete das Ministerium keine Antworten auf Fragen zu diesem Thema.


 Mehr zur Initiative unter    www.pro-modellflug.de 
Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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