HUDE /OLDENBURG /COSTA RICA /AZOREN Auf Weltreise mit einem segelnden Klassenzimmer: Als Florian Berchner in der Zeitung vom Projekt „High Seas High School“ las, hat es ihn „sofort angesprungen“. Der 16-jährige Huder, der das Graf-Anton-Günther-Gymnasium in Oldenburg besucht, schrieb nach der erfolgreichen Bewerbung für die sechseinhalb Monate auf See: „Was ich so spannend finde, sind die fremden Kulturen, die Natur und die Erfahrungen, die man auf dem großen Törn gemeinsam sammeln kann.“

Ziel des Schulprojektes (siehe Info-Kasten) ist es, junge Menschen in ihrer Eigenverantwortlichkeit zu stärken und sie gut auf ihr Leben als junge Erwachsene in der Gesellschaft vorzubereiten. Unterwegs sind mit der „Johann Smidt“ und der „Astrid“, dem Partnerschiff, 43 Schülerinnen und Schüler, die Stammbesatzungen und zwei Lehrerteams – seit dem 18. Oktober 2008. Anfang Mai werden sie in Hamburg zurückerwartet. Aus Oldenburg ist außer Florian Berchner unter anderem auch Maximilian Schild dabei.

Aus Costa Rica schrieb Maximilian (17): „Bis Teneriffa, unserem ersten großen Etappenziel, liefen wir neun Häfen an, unter anderem Helgoland, Madeira und Gran Canaria. In diesem ersten Monat wuchs unsere Mannschaft zusammen. Wir fuhren durch die sehr stürmische Nordsee, in der 90 Prozent von uns seekrank wurden.“

Doch das war schnell vorbei. Die Schüler lernten, sich auf dem engen Raum zu arrangieren, „was anfangs nicht immer leicht war“, gibt Maximilian zu. Neben Mathe, Physik und Deutsch trainieren sie, „die Segel zu setzen und zu bergen, Ruder zu gehen, also das Schiff zu steuern, unsere Koordinaten in die Seekarten einzuzeichnen und das Wetter zu machen – also Wasser- und Lufttemperatur zu messen, den Luftdruck zu notieren und aus der feuchten und trockenen Lufttemperatur die relative Luftfeuchtigkeit zu errechnen“, sagt Maximilian.

Die beiden Schiffe sind Seite an Seite unterwegs: gemeinsam sind die Schüler auf den Teide-Vulkan in Teneriffa gestiegen, sie sind die afrikanische Küste heruntergesegelt, und dann mit dem Passat nach Martinique. Maximilian: „Nach den Kapverden wurde hatten wir dann unsere erste, aber auch einzige brenzligere Situation. Hinter unserem Schiff baute sich eine Wasserhose auf und zog nur knapp 200 Meter hinter uns vorbei!“

Manches ist auf den ersten Blick auch unspektakulär: Unterricht, Wache gehen, Backschaft. Aber als Jugendlicher mit Gleichaltrigen auf dem Weg über die Weltmeere nach Südamerika zu segeln – das ist eine tolle Erfahrung: über Martinique, Costa Rica, Belize, Kuba, Bahamas, Bermuda und die Azoren wieder zurück nach Hamburg. Für 2300 bis 2500 Euro im Monat ist es allerdings auch eine Erfahrung, für die mancher lange sparen muss.

Dabei ist die attraktive Route nur ein Teil, quasi die Kulisse. Dr. Hartwig Henke, der Leiter der Hermann-Lietz-Schule, sagt über das Konzept: „Es geht darum, nicht nur den Kopf der jungen Menschen zu bilden, sondern auch Herz und Hand.“ An welchem Ort greife das besser ineinander als auf einem alten Segelschiff, das viele Herausforderungen und Erfahren persönlicher Leistungsgrenzen biete? Henke: „Hier erkennen die Jugendlichen, dass mehr in ihnen steckt, als sie bisher dachten. Sie lernen, dass persönliche Animositäten einem gemeinsamen Ziel untergeordnet und Konflikte ausgetragen werden können, ohne das Gesicht zu verlieren.“ Ein Stück Lebensschule, die Florian Berchner nicht missen möchte: „Danke, dass ihr mir das ermöglichen konntet“, schreibt der Huder seiner Familie im Reisetagebuch der „Johann Smidt“.

High Seas High School ist ein Projekt des Spiekerooger Internatsgymnasiums

Das segelnde Klassenzimmer „High Seas High School“ (HSHS): Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren segeln auf einem traditionellen Segelschiff über die Weltmeere. Die Route führt von Deutschland zu den kanarischen Inseln, über den Atlantik in die Karibik, nach Mittel- und Südamerika und Kuba, um dann nach fast sieben Monaten wieder zurück. Die Teilnehmer arbeiten verantwortlich im Schiffsbetrieb, leben in einer Bordgemeinschaft mit der Crew und den Lehrern, erhalten Unterricht an Bord, unternehmen Landexkursionen, leben eine Woche in einer Familie in Costa Rica und reisen durch Kuba.

Es ist ein Projekt des Internatsgymnasiums Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog, das seit 1993 jedes Jahr bis zu 28 Schülern aus Internaten und Gymnasien diese Zeit auf einem alten Großsegler ermöglicht.

Mehr Infos, Reisetagebücher und Fotogalerien unter

www.hl-schule.de

(Link: High Seas High School)

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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