Hude Von ganz oben nach ganz unten wurde Wilhelm „Willi“ Schröder nach seinem ersten Herzinfarkt geschmissen. „Ich habe mich gefühlt wie ein Baby. Im Krankenhaus wollte ich niemanden sehen. Ich war kaputt“, erinnert sich der 73-Jährige. Er bekam einen Stent eingesetzt, das war 2005. Ein paar Jahre danach folgte ein zweiter Eingriff.

Warum es so weit kam? „Das wollen Sie gar nicht wissen. Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, zeigt sich Schröder selbstkritisch. 14-Stunden-Arbeitstage waren an der Tagesordnung, im Außendienst war er täglich 200 bis 300 Kilometer mit dem Auto unterwegs, Fast-Food stand wegen Zeitmangel täglich auf dem Speiseplan. „Ich hatte zu viel Fett im Blut, Bluthochdruck und habe 50 Zigaretten am Tag geraucht.“ Sportlich war er nach eigenen Angaben, er surfte und boxte unter anderem. „Dass hat mir in der Reha geholfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen“, so der 73-Jährige.

Das Leben danach

„Man ändert schon sein Leben“, sagt Schröder. Er fährt viel Fahrrad, seine Urlaube gestaltet er aktiv, beispielsweise mit Wandern. Und zu seinem „neuen“ Leben gehört auch die Rehagruppe für Herzsport beim TV Hude. Die Empfehlung dazu kam aus der Reha-Klinik in Oldenburg. Seit 2005 ist Schröder Mitglied der Gruppe. Und dort wird der Motor des Lebens trainiert, wie es Übungsleiterin Brigitte Klattenhoff umschreibt. Sie leitet die beiden Herzsport-Gruppen, die jeweils donnerstags zusammenkommen, gemeinsam mit Petra Feige.

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„Viele der Patienten, die aus der Reha kommen, sind überrascht, wie gut ihnen der Sport tut. Die Menschen hatten häufig Todesangst und gehen anders mit ihrem Leben um. Andere denken, sie haben ein zweites Leben in der Tasche“, weiß Klattenhoff, die seit Anfang 2017 die Gruppe leitet. Anke Wachtendorf gehört zur ersten Sorte der Patienten. Sie nimmt seit 2015 am Reha-Sport teil, ist aber mittlerweile festes Mitglied im Turnverein und hat sich anderen Gruppen angeschlossen. „Ich hatte mehrere Herzinfarkte und einen Bypass. Ich habe noch einmal Glück gehabt“, weiß die 69-Jährige rückblickend. Sie sei durch ihre Eltern genetisch vorbelastet, hatte als Friseurin häufiger Stress und griff zum Glimmstängel. Nach der Bypass-OP musste sie sofort aus dem Bett und sich wieder bewegen, die Luftnot habe sich dank des Sports beim TV Hude minimiert.

Zum Reha-Sport kommen viele Teilnehmer mit einer Verordnung vom Arzt. Ziel der Gruppe sei es, dass die Teilnehmer merken, dass Sport gut tut und Spaß macht und die Teilnehmer dann in den Verein eintreten. „Auch die Gespräche und der Zusammenhalt in der Gruppe sind wichtig“, beobachtet Übungsleiterin Petra Feige. Gemeinsam unternehmen die Teilnehmer Fahrradtouren, spielen Boule oder lauschen Vorträgen.

Vor jeder Übungsstunde wird der Blutdruck der Teilnehmer gemessen, das übernimmt Klaus Kähler vom DRK. Er ist seit über einem Jahr als ehrenamtlicher Sanitäter während der Gruppenstunden anwesend. Mit dabei ist auch immer ein Arzt. Hier wechseln sich Dr. Wolfgang Woyke, Dr. Robert Groddeck und Dr. Alexander Reibacher ab. Erst einmal wurden sie wirklich gebraucht, da machte jedoch nicht das Herz, sondern der Kreislauf eines Teilnehmers, Probleme.

Jeder so, wie er kann

Kraft, Koordination und Ausdauer werden in den Gruppenstunden trainiert. „Jeder soll so mitarbeiten, wie er es leisten kann. Wir achten darauf, dass die Teilnehmer A genug tun und B sich nicht überfordern“, erklärt Klattenhoff. Die Einheiten seien abwechslungsreich, es werden auch klassische Übungen wie Liegestütz eingebaut. Und auch Ballspiele kommen nicht zu kurz. „Der Mensch ist ein Arbeitstier. Wenn er etwas wie einen Ball bewegen kann, ist er in seinem Element“, so Klattenhoff und Schröder fügt hinzu: „Bei Ballspielen merkt man die Anstrengung auch nicht.“

Die Übungen werden immer partnerweise absolviert, so merkt der eine Sportler schnell, wenn was bei seinem Partner nicht stimmt – er keucht oder nicht mehr spricht. Einmal wöchentlich Rehasport sei eigentlich zu wenig, so Feige. „Die Patienten müssen ausdauernder Sport machen. Denn in unserer Gruppe nehmen wir auch Rücksicht auf die Schwächeren.“

Damit es erst gar nicht zum Herzinfarkt kommt, rät Petra Feige zu regelmäßigem Sport und Bewegung sowie zu einer gesunden Ernährung. „Es ist wichtig, regelmäßig zum Arzt zu gehen. Nur dann weiß man, wo man gesundheitlich steht“, sagt Klaus Kähler vom DRK. „Stress und Rauchen erhöhen das Infarktrisiko“, gibt Brigitte Klattenhoff am Weltherztag (siehe Kasten) mit auf den Weg.

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Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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