In dieser Woche stehen in der NWZ  die Ortschaften Schlutter, Holzkamp und Hoyerswege im Mittelpunkt. Mein heutiger Gesprächspartner kennt diese Orte wie kaum ein anderer – denn Gerold Otte wohnt bereits seit über 73 Jahren in Hoyerswege. Er ist „en echten Plattdüütschen“ – und so verläuft unser Gespräch zu meiner großen Freude auf Platt.

Als ich ihn nach seinem Geburtsjahr befrage, bekomme ich gleich die passende Antwort: „Was haben Max Schmeling, Brigitte Bardot und Gerold Otte gemeinsam? Alle sind am 28. September geboren. Allerdings in verschiedenen Jahren“. Gerold Otte erblickte 1938 als jüngster Sohn von Heinrich und Alma Otte das Licht der Welt. Sein Vater hatte ein Malergeschäft und eine Glaserei, im Winter war er als Fleischbeschauer unterwegs.

„Gab es in deiner Schulzeit etwas Besonderes?“, wollte ich wissen. „Eingeschult worden bin ich in Holzkamp. Nach einiger Zeit bekam ich Diphtherie. Während meines Aufenthalts im Krankenhaus ist die Schule in Hoyerswege wieder in Betrieb genommen worden. Als ich wieder gesund war, hatten alle Schüler ihren festen Sitzplatz, da musste ich doch tatsächlich neben einem Mädchen sitzen. Ich habe mich gewehrt, aber es hat nichts genutzt. Viele Jahre später wäre es mir sicherlich recht gewesen!“, berichtet Gerold schmunzelnd.

In seiner Schulzeit hatte er immer drei sehr gute Noten: im Schreiben von Aufsätzen, im Sport und in Musik. Seine Eltern legten großen Wert darauf, dass ihre Kinder ein Musikinstrument erlernten. Sein Bruder spielte Geige, Gerold und seine Schwester lernten Klavier. Bis heute zählen das Klavierspielen und die klassische Musik zu seinen Hobbys.

Nach der Volksschule besuchte Gerold die Handelsschule in Delmenhorst. Nach dem dortigen Abschluss war er sich nicht sicher, was er beruflich machen wollte. Durch Zufall erfuhr er, dass einer der sieben bereits angenommenen Lehrlinge bei der Stadt Delmenhorst abgesprungen war. Er durfte die Aufnahmeprüfung machen und begann am 1. April 1955 mit seiner Ausbildung bei der Stadt Delmenhorst ein Arbeitsverhältnis, das dann insgesamt 48 ½ Jahre dauern sollte.

In dieser Zeit wurde er nach vielen Lehrgängen und weiteren Ausbildungen unter anderem Verwaltungsleiter der Städtischen Kliniken und (14 Jahre lang) Leiter des Ordnungsamtes. Unterbrochen wurde diese Zeit nur direkt nach der Ausbildung, als Gerold seinen Wehrdienst ableisten musste. Hier ist ihm noch gut in Erinnerung, dass er Spalier stehen durfte beim Empfang des damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Ferner war er Fackelträger, als Heinrich Lübke in sein Amt als Bundespräsident eingeführt wurde. Die Bundeswehrzeit machte Gerold Otte nichts aus, denn er war Sportler durch und durch. Als Mitglied einer Kreisauswahl bekam er am Reck die Höchstpunktzahlen.

Nicht nur Turnen zählte zu seinen Leidenschaften, sondern auch Feldhandball und Leichtathletik. Im Diskuswerfen und Schleuderball konnte er sogar die Kreismeisterschaft erringen. Das Sportabzeichen hat er mittlerweile 53 Mal errungen.

Gerold Otte war nicht nur aktiver Sportler, er setzte sich auch in Ehrenämtern für den Sport ein. So war er über 20 Jahre lang Vorsitzender des TSV Hoyerswege und von 1976 bis 2004 1. Vorsitzender des Kreissportbundes. Für dieses große ehrenamtliche Engagement erhielt er das Verdienstkreuz am Bande.

Beim Sportlerball in Hengsterholz hatte Gerold Otte seine spätere Ehefrau Renate kennengelernt. Sie war mit ihrer Mutter dort, und als Gerold mit Renate tanzen wollte, ging das nur mit der Einwilligung der Mutter. Im Laufe des Abends erfuhr Gerold von Bekannten, dass seine Renate „erst“ 15 Jahre alt war. Das war ihm dann doch etwas jung. So war erst einmal einige Monate Pause.

Beim Turnerball in Hengsterholz traf man sich einige Monate später wieder, und von nun an waren beide unzertrennlich. Beim ersten gemeinsamen Urlaub mit Fahrrad und Zelt, bestand Renates Mutter auf zwei Zelte. „Benutzt haben wir aber nur eines!“, schmunzelt Gerold noch heute. Gerold knüpfte allerdings eine Bedingung an eine Fortführung der Beziehung: „Du musst das Sportabzeichen schaffen, sonst kann es mit uns nichts werden!“ Obwohl Renate vorher nie viel Sport getrieben hatte, schaffte sie dieses Sportabzeichen locker.

Mittlerweile hat es Renate Otte auch schon auf 45 Wiederholungen gebracht. 1969 wurde geheiratet. Die Hochzeitsnacht war zugleich die erste Nacht in ihrem neuen Haus, auf dem elterlichen Grundstück in Hoyerswege.

1974 und 1976 wurden die Töchter Nicole und Sandra geboren.

Was den Sport anbelangt, könnte ich mir von Gerold noch etwas abschauen. Beim Thema Plattdeutsch und Theater sind wir dann auf einer Wellenlänge. Gerold gründete 2007 die Plattsnacker-Nachmittage und betätigt sich gerne dabei als Vorleser. Ferner ist er ein begeisterter Theaterspieler bei der Speelkoppel Hoyerswege.

Gerold Otte, 28 Jahre lang Vorsitzender des Kreissportbundes und 20 Jahre an der Spitze des TSV Hoyerswege

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