Ganderkesee Die höchste sportliche Auszeichnung Deutschlands, das „Silberne Lorbeerblatt“, wurde ihm gleich zweimal verliehen. Er war der erste Reiter, der in die „Hall of Fame“ der internationalen Vielseitigkeit berufen wurde. 1989 verlieh man ihm, wieder als einem der Ersten, den Ehrentitel „Reitmeister“. Dazu kommen Medaillen von Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Die Rede ist von Horst Karsten, einem der wenigen Ausnahmesportler, die Ganderkesee hat.

Geboren wurde er am Neujahrstag 1936 in Elsfleth-Fünfhausen. „Da standen nur fünf Häuser“, lächelt Horst. Später pachteten seine Eltern einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in Elsfleth-Neuenfelde. Schon als Kind gab es für ihn nichts Schöneres, als die Pferde, wenn diese ihre Arbeit auf dem Feld getan hatten, im vollen Galopp auf die Weide zu bringen. Mit sieben Jahren bekam er ein eigenes Pony: Mit seinem Moritz startete Horst bei vielen Rennen in der Wesermarsch.

Sein Onkel Herbert von Seggern war Reitlehrer und erkannte sein Talent: Er brachte ihm das Einmaleins der Reiterei bei. „Ein Zuckerschlecken war das nicht. Mich als seinen Neffen nahm er besonders hart ran“, erinnert sich Horst Karsten. Ohne seinen starken Willen und seine Leidenschaft für Pferde hätte er das wohl kaum durchgehalten.

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Nach der Volksschule absolvierte Horst eine landwirtschaftliche Ausbildung in Neuenfelde und auch während dieser Zeit startete er bei Reitturnieren im ganzen Oldenburger Land. „Dann ging es morgens in aller Frühe los. Das Turnierpferd wurde vor einen Wagen gespannt, auf dem das Futter lagerte. Spät abends ging es wieder zurück. Oft auch erst im Dunkeln und dann mit einer Petroleumlampe als Beleuchtung“, erinnert sich Horst Karsten. Ein wichtiger Reitlehrer wurde für ihn dann Eduard Drees: Unter dessen Regie gehörte Horst Karsten zum Oldenburger Team, mit der er Ende der 50er-Jahre mehrmals die Bundesstandarte gewann.

Als 1957 der Delmenhorster Maschinenfabrikant Hinrich Weyhausen einen neuen Leiter für seinen Reitstall suchte, bekam er den Tipp, dass ein gewisser Horst Karsten doch genau der Richtige für diese Aufgabe sein würde. Für den jungen Elsflether war der Wechsel zum Reitstall Weyhausen ein Glücksfall. „Er hat mich immer gefördert“, schwärmt er noch heute. Seit dieser Zeit, inzwischen 61 Jahre, ist Horst Karsten Mitglied im Reiterverein Ganderkesee.

Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, nutzte er seine freie Zeit für Lehrgänge in Dressur und Springen. Später bestand er auch noch die Prüfung zum Reitlehrer. Da im Stall Weyhausen auch Rennpferde standen, ritt Horst weiter auf Rennen. Sein größter Erfolg war der zweite Platz beim Deutschen Halbblutjagdrennen in Dortmund. Sein Augenmerk lag aber auf der Military (heute Vielseitigkeit), hier gehörte er zu den jungen Hoffnungsträgern. Bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft, errang er gleich den zweiten Platz. Ein Jahr später holte er sich mit dem Pferd Condora dann den begehrten Titel. Insgesamt wurde er fünfmal Deutscher Meister in der Military.

Unvergessen sind für ihn seine ersten Olympischen Spiele 1964 in Tokio. Mit der Mannschaft holte er die Bronzemedaille. In der Einzelwertung belegte Horst Karsten mit Condora einen hervorragenden sechsten Platz. Von nun an gehörte er fast immer zum Team bei Europa- oder Weltmeisterschaften.

Günter Weyhausen und Dr. med. Wilhelm Baldus stellten ihm dann den westfälischen Schimmel Sioux in den Stall. Man war sich sicher: Wenn einer dieses schwierige Pferd in den Griff bekommt, dann Horst Karsten. Mit diesem Pferd feierte er große Erfolge, aber mit ihm gab es auch eine große Enttäuschung – ausgerechnet bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Im Gelände war Sioux nicht zu halten und nach dem zweiten Sturz musste Horst Karsten als einer der Favoriten entnervt aufgeben.

Andere Reiter hätten Sioux spätestens jetzt aus dem Turniersport genommen. Nicht aber Horst Karsten, dazu war er zu ehrgeizig. Sioux dankte es ihm mit weiteren Erfolgen. Nach der Weltmeisterschaft in Australien beendete Horst Karsten 1986 seine aktive Karriere.

Die Reiterliche Vereinigung verpflichtete ihn dann als Bundestrainer und sein Team gewann bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul die Goldmedaille. Nach zwölf erfolgreichen Jahren beendete er aus Altersgründen im Jahr 2000 auch diesen Lebensabschnitt. Ganz aufhören konnte er aber dennoch nicht und gab als Reitlehrer sein Können an die junge Generation weiter, unter anderem an Sandra Auffarth.

Heute blickt Horst Karsten gerne auf die vielen erfolgreichen Jahre zurück. Alles wäre nicht möglich gewesen ohne seine Ehefrau Ingeborg. „In den ganzen Jahren hat sie mir immer den Rücken frei gehalten und ist auch oft mit unseren beiden Töchtern zu den Turnieren gefahren oder hat die Pferde im Stall versorgt“, lobt Horst seine Ehefrau. „Heute, wo Horst nicht mehr so viel unterwegs ist, muss er mir schon mal im Garten helfen“, lächelt Ehefrau Ingeborg. Das macht er dann auch, kaum dass unser Gespräch zu Ende ist.

Horst Karsten,erfolgreicher Vielseitigkeits-Reiter und -Trainer

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