Geschichte und Regeln des Pétanque

Boule heißt einfach Kugel. In Frankreich entwickelten sich verschiedene Kugelspiele. Das Pétanque wurde im Jahr 1910 in der Nähe von Marseille erfunden. Ein Franzose entwickelte es für einen Freund, der aufgrund einer Rheuma-Erkrankung keine Anlaufschritte mehr machen konnte. Im Jahr 1965 wurde in Bad Godesberg der erste deutsche Boule-Club gegründet.

Beim Pétanque spielen zwei Parteien gegeneinander. Im Tête-à-Tête (Einzel, jeder hat drei Metall-Kugeln), Doublettes (Zwei gegen zwei, jeder Spieler hat drei Kugeln) oder im Triplettes (Drei gegen drei, jeder Spieler hat zwei Kugeln). Aus einem Kreis (35 bis 50 cm Durchmesser) versuchen die Spieler ihre Kugeln so nah wie möglich an der sechs bis zehn Meter (bei Kindern vier bis acht Meter) entfernt liegenden Zielkugel (Cochonnet – Schweinchen) zu platzieren. Wer die Zielkugel werfen darf, wird per Los entschieden.

Jede Kugel, die näher am Schweinchen dran ist als die am nächsten an der Zielkugel liegende Kugel des Gegners, zählt als Punkt. Sind also zwei von den drei Kugeln eines Spielers in einem Durchgang näher am Schweinchen dran, als die „beste“ Kugel des Gegners, bekommt er zwei Punkte. Gewonnen hat, wer zuerst 13 Punkte geholt hat. Das kann innerhalb von 15 Minuten passieren, aber auch bis zu zwei Stunden dauern.

Beim Pétanque unterscheidet man zwischen dem Legen und Schießen. Beim Legen (rollen, werfen) versuchen die Spieler die eigene Kugel möglichst nah am Schweinchen zu platzieren, beim Schießen, die beste des Gegners zu treffen und „wegzuschießen“.

Gespielt wird Pétanque auf unterschiedlichem Untergrund. Kies, Schotter oder auch Tennisplätze (Rotasche) sind geeignet.

Längst gibt es im Pétanquesport Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften und Weltmeisterschaften. In Frankreich sind viele Turniere so hoch dotiert, dass es auch Spieler gibt, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. In Deutschland ist der Sport besonders im Süden beliebt. Es gibt hierzulande inzwischen über 150 000 eingetragene Spieler.

Beim Pétanque kommt es vor allem auf die Augen-Hand-Koordination an. Es gilt, die Schweinchen genannte Zielkugel zu treffen.

Von Steffen Szepanski WILDESHAUSEN - Nils Bohlen schiebt keine ruhige Kugel. Seine Kugeln saußen durch die Luft und prallen nicht selten krachend auf andere Kugeln. Der Zehnjährige aus Visbek ist ein exzellenter „Schießer“ und hat es bis zum deutschen Vizemeister im Pétanque gebracht.

Pétanque? Besser bekannt ist Nils‘ Sportart als Boule. Was für viele nur ein Strandvergnügen ist, bei dem man seine Kugel möglichst nah an einer anderen – Schweinchen genannten – Kugel platzieren muss, ist auch ein Wettkampfsport mit zum Teil hochdotierten Turnieren. Das Pétanque (Französisch: pieds tanqués – Füße geschlossen) ist eine Form des Boule, bei der die Spieler ihre Kugeln aus dem Stand werfen.

Nils ist vor fast zwei Jahren über seinen Vater Andreas Bohlen zum Pétanque gekommen und hat schnell sein großes Talent unter Beweis gestellt. In diesem Jahr wurde der Zehnjährige Niedersachsenmeister und deutscher Vizemeister bei den Minimes (sechs bis elf Jahre alt). Sein Erfolg könnte auch damit zusammenhängen, dass er aufgrund des Nachwuchsmangels beim Pétanque von Anfang an bei den Erwachsenen mitgespielt hat.

Nils ist Mitglied des Wildeshauser Clubs PC Wilde Boule und trainiert einmal die Woche in der Boule-Scheune-Erlte. Und da schlägt er auch schon mal die Erwachsenen. „Beim Boule kommt es eben nicht auf Kraft sondern auf eine gute Augen-Hand-Koordnination an“, erklärt Andreas Bohlen, warum im Pétanque Kinder auch ruhig mal bei den Erwachsenen mitspielen können.

Nils bekommt das mit der Augen-Hand-Koordination sehr gut hin, besonders wenn es darum geht, den Gegner zu ärgern. Nicht nur das Schweinchen ist vor Nils Kugeln nicht sicher, auch die Kugeln des Gegners trifft er nur allzugerne. Der so genannte Schießer versucht beim Pétanque die Kugeln des Gegners, die am nächsten am Schweinchen positioniert sind, wegzubekommen.

Nils ist ein Spezialist im Schießen. „Ich finde es toll, wenn die Kugeln aufeinander krachen“, sagt der Zehnjährige. Seine Gegner wissen aus leidvoller Erfahrung, wie oft das Krachen in einem Spiel gegen ihn zu hören ist.

Nils muss nur aufpassen, dass er nicht mal eine seiner eigenen Kugeln wegschießt.

Die Anerkennung, die er von den Erwachsenen für seine starken Boule-Ergebnisse erhält, tut Nils gut. Es gibt aber auch noch Spieler, von denen er sich etwas abgucken kann. Bei Jan Garner, Jens Riesebieter und Sascha von Pless – allesamt hervorragende Pétanque-Spieler – kann Nils noch einiges lernen.

Dann könnte es bei den nächsten deutschen Meisterschaften vielleicht sogar für Platz eins reichen. Mit seinem Team Bremen/Niedersachsen war Nils bei den Meisterschaften in Grünwinkel (Baden-Württemberg) im Triplettes (ein Team hat drei Spieler) nur an der Mannschaft aus Bayern gescheitert. Und mit der hat er noch eine Rechnung offen.

„Ausgerechnet die Bayern“, sagt Fußball- und Werder-Fan Nils, „die müssen doch nicht überall vorne sein.“

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