Ahlhorn Am Mittwochabend startete für die Deutsche Faustballnationalmannschaft in Geislingen (Baden-Württemberg) die Mission „Titelverteidigung“. Das Team traf sich zu den letzten Vorbereitungen in der Region um Stuttgart, um sich perfekt auf die anstehenden Europameisterschaften von diesen Freitag bis Sonntag (24. bis 26. August) in Adelmannsfelden einzustimmen. Einer fehlte zu diesem Treffen im zehnköpfigen Kader aber: Tim Albrecht, Zuspieler des Ahlhorner SV, weilte da noch in der Gemeinde Großenkneten. Der Grund: die Abschlussprüfungen zum Physiotherapeuten. Erst danach startete der Vorzeigefaustballer des ASV in Richtung Süddeutschland – seiner zweiten Europameisterschaft der Männer entgegen.

2016 stand Albrecht in Grieskirchen erstmals im EM-Aufgebot des Rekord-Champions. Deutschland gewann die Goldmedaille – startet in Adelmannsfelden somit als Titelverteidiger. Mit Österreich, der Schweiz, Italien, Tschechien, Serbien, Polen, Dänemark, Belgien und den Niederlanden wollen insgesamt neun Nationen dem deutschen Team den Titel streitig machen. „Ich denke, die stärksten Gegner werden wie in den vergangenen Jahren die Schweiz und Österreich sein“, sagt Albrecht. Die Eidgenossen schätzt er dabei noch einen Tick stärker ein. „Sie haben es uns in den letzten Jahren schon sehr schwer gemacht. Und auch wenn ihr Hauptangreifer Lukas Lässer in diesem Jahr fehlt – Raphael Schlattinger hat mit Calw bei der DM in Ahlhorn gezeigt, dass er ein sehr guter Ersatz ist.“ Die Österreicher würden dazu mit einem deutlich verjüngten Team ins Turnier starten – neben dem arrivierten Jean Andrioli liegen die Hoffnungen im Angriff auf gleich drei frischgebackene U-21-Europameister. Albrecht: „Sie können natürlich befreit aufspielen.“

Faustball-EM

Deutschland trifft bei der Faustball-EM in der Vorrunde an diesem Freitag auf Italien, Österreich und die Schweiz. In der Gruppe B treten Tschechien, Serbien, Polen, Dänemark und die beiden EM-Neulingen Belgien und die Niederlande an. Am Samstag stehen die Viertelfinal- und Halbfinalbegegnungen an, ehe am Sonntag die Platzierungsspiele über die Bühne gehen.

Neben Tim Albrecht stehen im deutschen Kader: Patrick Thomas, Ajith Fernando (beide TSV Pfungstadt), Nick Trinemeier, Marcel Stoklasa (beide TV Käfertal), Lukas Schubert (VfK Berlin), Fabian Sagstetter (TV Schweinfurt-Oberndorf), Jonas Schröter (TV Wünschmichelbach), Carsten Scheerer (TV Waldrennach), Oliver Späth (FBC Offenburg).

Bundestrainer ist Olaf Neuenfeld. Sein Ausblick: „Ich erwarte eine sehr spannende EM, die zwischen uns, der Schweiz und einer verjüngten und extrem starken Mannschaft aus Österreich entschieden wird.“

Die Favoritenrolle will Tim Albrecht deshalb aber nicht an die beiden Nachbarländer weiterreichen. „Wir sind natürlich der heißeste Titelanwärter“, sagt er selbstbewusst. Gerade jetzt, wo Patrick Thomas nach seiner Verletzung in den Angriff des Titelverteidigers zurückkehrt, wird wohl kein Weg am Team Deutschland vorbeiführen. „Es ist immer gut, wenn man jemanden wie ihn vorne stehen hat. Das gibt auch der eigene Defensive deutlich mehr Sicherheit“, ist sich der Ahlhorner Zuspieler sicher.

Auch bei den World Games Erfolgen 2013 in Kolumbien und im vergangenen Jahr in Polen gehörte Tim Albrecht zur deutschen Auswahl. Sein viertes Turnier für das A-Nationalteam findet nun in Deutschland statt. „Natürlich ist es noch mal etwas Besonderes. wenn man im eigenen Land spielt“, sagt Albrecht. „Es wird bestimmt ein richtig toller Rückenwind durch die Zuschauer, ein tolles Feeling.“ Die ersten Bilder, die er über die sozialen Netzwerke gesehen hat, würden die Vorfreude auf jeden Fall noch einmal steigern. „Es wird ganz bestimmt voll werden und richtig Laune machen.“

Nach der EM wird es für ihn dann schnell wieder zurück in die Heimat gehen. Auch in der kommenden Woche stehen für Albrecht weitere Abschlussprüfungen auf dem Plan. Doch daran wird er am Wochenende keine Gedanken verschwenden: Der Fokus liegt einzig und allein auf seinem zweiten EM-Titel.

Sönke Spille
Volontär, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

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