London /Landkreis „Onehundredandeighty“ schallt es dank der unverwechselbaren Reibeisenstimme des Ansagers zum mittlerweile 42. Mal in diesem Finale durch die Halle. Die Stimmung im ausverkauften Alexandra Palace in London kocht. Der Favorit Michael van Gerwen aus den Niederlanden steht dicht vor seinem zweiten WM-Titel nach 2014. Und das 85er-Finish für den 27-jährigen Steeldarts-Profi sitzt: Eine 15, dann die 20, und das Bulls-Eye zum Schluss – die 501 Punkte im entscheidenden fünften Leg des zehnten Satzes sind runtergespielt. Mit dem 7:3-Erfolg gegen Titelverteidiger Garry Anderson (Schottland) hat der Weltranglistenerste van Gerwen den etwa 25 Kilogramm schweren Pokal und ein Preisgeld von umgerechnet 410 000 Euro gewonnen.

Das hochklassige Endspiel am Montagabend zwischen den beiden derzeit weltbesten Dart-Spielern setzte gleichzeitig den krönenden Schlusspunkt unter die WM in London. Das wichtigste Turnier der PDC (Professional Darts Corporation), das traditionell um den Jahreswechsel stattfindet, begeisterte nicht nur die Massen am Fernseher (alleine das Finale sahen laut übertragendem Sender Sport1 in der Spitze 1,95 Millionen Zuschauer) sowie die euphorischen Fans im „Ally Pally“, sondern sorgte auch in der Region für einen kleinen Hype. Und trotzdem sucht man Dart-Abteilungen in den Sportvereinen im Landkreis vergeblich. „Ich hatte beim VfL Wildeshausen schon einmal angefragt, aber das wurde abgelehnt“, sagt Lars Erkelenz. Der 35-Jährige wohnt selbst in der Kreisstadt, spielt seit 15 Jahren Dart und hat sich 2007 auf Steel Darts spezialisiert. Ein Jahr später nur schloss er sich dem DC Vegesack Bremen an, für die er seit der Saison 2008/2009 in der Bundesliga Nord spielt. Die Bremer sind mittlerweile deutscher Rekordmeister, an fünf DM-Titeln war auch Erkelenz beteiligt. In der vergangenen Spielzeit reichte es zur Vizemeisterschaft. „Da haben wir das Finale unnötigerweise aus der Hand gegeben“, ärgert sich der Wildeshauser. Aktuell belegt das Team den dritten Tabellenplatz und verfolgt erneut ehrgeizige Ziele. „Unser Ziel ist der deutsche Meistertitel“, betont der 35-Jährige.

Zu seinen Mannschaftskameraden gehören unter anderem Tomas Seiler und Andree Welge, die zu den besten deutschen Spielern zählen und beide schon an den Weltmeisterschaften teilnahmen. Seiler, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Shorty“, wirkte auch in diesem Jahr in London mit – allerdings als Co-Kommentator. „Ich habe in diesem Jahr die WM zwar etwas weniger verfolgt, trotzdem aber noch sehr viel geschaut“, sagt Lars Erkelenz, der den Sieg von Michael van Gerwen als „absolut verdient“ ansieht. Auffallend sei für ihn gewesen, dass das Niveau insgesamt noch weiter gestiegen sei. „Das hat man vor allem an der Vielzahl der 180er-Würfe sehen können“, beobachtete der Wildeshauser. Insgesamt 708 Mal wurde diesmal der berühmte Ausruf „Onehundredandeighty“ durchgesagt – das übertraf die bisherige Bestmarke (654) deutlich.

Live bei einer Dart-WM dabei war Erkelenz bislang noch nicht – diesen Schritt sind ihm sechs Faustballer des Ahlhorner SV voraus. „Es war ein genialer Abend“, berichtet Karsten Bilger, der mit Kevin Wiese, Sören Dahms, Christoph Johannes und Mats Albrecht das Finale im „Ally Pally“ verfolgte. Montagmorgen flogen die Ahlhorner von Bremen aus nach England. „Die Karten zu bekommen, war das Schwierigste“, sagt Bilger – schließlich waren sämtliche Tickets während eines Tages vergriffen. „Wir haben Glück gehabt“, freut sich der Faustballer, der mit seinen Mannschaftskollegen in der Vergangenheit schon häufiger die Dart-WM im Fernsehen geschaut und anschließend probiert hatte, „ein paar Pfeile auf die Scheibe zu werfen“. Der Live-Besuch in London habe sich auf alle Fälle gelohnt: „Die Stimmung und das Spiel hätten nicht besser sein können – wir haben alles richtig gemacht“, sagt Bilger. Eine erste grobe Idee, eine eigene Dart-Abteilung zu gründen, hatten die Ahlhorner zwar schon mal im Kopf gehabt – „aber jetzt müssen wir uns erst einmal wieder auf Faustball konzentrieren...“

Michael Hiller Lokalsportredaktion / Redaktion Wildeshausen
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