WILDESHAUSEN Das massive Drängen von Eltern, Lehrern und Schülern war erfolgreich: Einstimmig hat der Rat der Stadt Wildeshausen am Donnerstagabend beschlossen, zum schnellstmöglichen Zeitpunkt zwei zusätzliche Stellen für die Schulsozialarbeit zur Verfügung zu stellen. Ausdrücklich wiesen die Ratsmitglieder darauf hin, dass diese Stellen nicht einem so genannten Stellenpool zugeordnet werden sollen. Bei einer Gegenstimme (Hermann Hitz, UWG) sprach sich der Rat zudem dafür aus, zeitlich befristet weitere Sozialarbeiter einzustellen, die über das „Bildungs- und Teilhabepaket“ finanziert werden.

Die für 18 Uhr angesetzte Ratssitzung begann eine Stunde später, weil zuvor der Verwaltungsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung 41 Punkte abzuarbeiten hatte. In der Fragestunde meldeten sich zahlreiche Lehrer und Elternvertreter zu Wort. „Schulsozialarbeiter leisten unersetzbare Arbeit“, sagte Dr. Andreas Ebbinghoff, Lehrer an der Hauptschule, der sich gegen den „Stellenpool“ aussprach. „Die Hauptschule von heute ist nicht mehr mit der von gestern zu vergleichen“, wies seine Kollegin Maike Ohlrogge auf die gesellschaftlichen Veränderungen hin. Sandra Brandt, Sozialarbeiterin an der Realschule, warnte vor einer „Flickschusterei“ über das Teilhabepaket. Bereits seit 2006 sei bekannt, dass Stellen fehlten. Derzeit stünden gerade einmal 2,11 Minuten pro Kind zur Verfügung. Und Stefan Bredehöft, Elternvertreter an der Realschule, appellierte an den Rat, die „Wertigkeit von Bildung in der Stadt neu zu definieren“.

„Es besteht Konsens, dass Schulsozialarbeit notwendig ist“, sagte Günter Lübke für die CDU-Fraktion. Sie beantragte zwei unbefristete Stellen. Der „Stellenpool“ sei lediglich eine organisatorische Maßnahme. Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Evelyn Goosmann hatte unmittelbar vor der Sitzung einen Antrag auf zwei volle Stellen für die Schulsozialarbeit gestellt. Die Stellen sollen unbefristet eingerichtet werden. „Der Druck hat sich gelohnt“, sagte Goosmann. Einen dritten, präzisen Antrag auf zwei zusätzliche Stellen formulierte Manfred Rebensburg (Grüne).

„Der Knoten wird heute durchgeschlagen. Das zählt“, sagte Markus Grünloh (UWG). Er habe bereits im Schulausschuss die Vollzeitstellen verlangt. „Der Schulsozialarbeiter gehört genauso zum Team wie der Hausmeister oder der Schulleiter“, erklärte Grünloh unter großem Applaus. Seine Fraktionskollegen Hermann Hitz und Rainer Kolloge warnten vor einer Vermischung mit dem Stellenpool. Das könne schlimmstenfalls dazu führen, dass keine Fördermittel fließen. Auf die Finanzierung gingen auch Wolfgang Sasse und Stephan Rollié (beide CDU) ein: „Es geht um 200 000 Euro. Das ist kein Pappenstiel“, so Rollié. Sasse wies darauf hin, dass die Kommunalaufsicht den städtischen Haushalt ’12 (ohne Mittel für die Sozialarbeiterstellen) noch nicht genehmigt habe. Und Lars Kosten (FDP) meinte: „Wenn es ganz dumm läuft, kommen die Stellen erst im nächsten Jahr.“ Dem widersprach Evelyn Goosmann: „Hier muss schnell etwas passieren.“

Auch Grünloh hatte in der Debatte darauf hingewiesen, dass eigentlich das Land für die personelle Ausstattung der Schulen zuständig sei. Er regte einen Antrag der Stadt in Hannover an, um die Kosten erstattet zu bekommen.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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