Wildeshausen Wenn knapp 300 Gäste zum Silvesterkonzert in die Wildeshauser Alexanderkirche kommen, wollen sie vor allem eines: musikalisch Abschied nehmen vom alten Jahr. Diesmal war es auch ein Abschied von der Kleuker-Orgel. Sie soll schon im April abgebaut und einen Platz in einer polnischen Kirche finden. „Beim nächsten Silvesterkonzert haben wir hoffentlich die neue Orgel schon“, so Kantor Ralf Grössler, der den Abend mit Präludium und Fuge c-moll von von Johann Sebastian Bach eröffnete. Und er machte den Gästen ein Angebot: „Nächstes Jahr kommen sie alle wieder.“ Für den direkten Orgel-Vergleich werde er dann die gleiche Stimme spielen.

Blick ins Familienleben

„Hoffnung“ war diesmal der heiter-meditative Jahresrückblick überschrieben. Und wie im Vorjahr musizierte erneut die ganze Familie: Ralf Grössler an Orgel und Klavier, Ehefrau Dagmar Grössler-Romann an Vibraphon und Marimbaphon sowie Tochter Ylva (Vibraphon, Marimbaphon, Gesang) und Sohn Yngve (Schlagzeug, Marimbaphon). Und wenn Grössler von „Hoffnung“ spricht, dann meint er vor allem die junge Generation. Das kam unter anderem mit dem Stück „Mein Apfelbäumchen“ von Reinhard Mey zum Ausdruck.

Gern gab der Kantor auch Einblicke ins Familienleben: Es sei ein Zeichen von Hoffnung, wenn die Kinder anregen, die Müllmenge zu verringern oder Sohn Yngve in 2019 größer als der Vater geworden ist. Ein herrlicher Spaß ist es, wenn das musikalische Quartett gemeinsam Stücke von Grieg an Vibraphon und Marimbaphon spielt. Hoch spannend auch, wenn Grössler die Ähnlichkeit von George Winstons „Joy“ mit Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ erklärt.

Die Grösslers präsentierten ein fein austariertes Programm von klassischen Stücken bis zu nachdenklich-ironischen Texten deutscher Liedermacher. So erklangen der 1. Satz von Beethovens Mondscheinsonate und Stanleys „Trumpet Voluntary“ ebenso wie Oliver Gies’ Empfehlung „Esst mehr Insekten“. Dem wachsenden Nationalismus erteilten die Musiker mit Gies’ „Deutschlandlied“ eine Absage. Und eigentlich wollte Grössler sich zum „Brexit“ nicht äußern – um dann doch kurz „Let it be“ der Beatles anzuspielen.

Besonders eindrucksvoll auch die Interpretationen der 16-jährigen Ylva von Harold Ahlens „Over the rainbow“, begleitet von Ralf Grössler am Klavier, und von Alan Menkens „I see the light“, vielen auch bekannt aus dem Film „Rapunzel“. Lieder wie „Von guten Mächten“, vom Theologen Dietrich Bonhoeffer vor 75 Jahren in Gestapo-Haft verfasst, und „Mögen Engel dich bewahren“, ganz frisch aus der Feder von Dagmar und Ralf Grössler, konnten alle mitsingen. Das Silvesterkonzert endete wie stets: mit dem Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ als Zugabe.

Konzert seit 1992

Übrigens: Seit 1992 gibt es dieses besondere Silvesterkonzert. Kurz danach kam seine Frau dazu, verriet Grössler, „es ist quasi eine Silberhochzeit“. Ein kleiner Fingerzeig auf das Motto des Abends: Wenn von „Silberstreif am Horizont“ die Rede ist, meint man landläufig „Hoffnung“.

Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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