Wildeshausen Seine Qualitäten als unterhaltsamer Redner beim Schaffermahl hat er schon Ende der 1980er-Jahre unter Beweis gestellt. Damals war Friedrich Ahlers Fähnrich der Gilde. Inzwischen bekleidet er den Rang eines Oberstleutnant und hat reichlich Gilde-Erfahrung gesammelt. Da fiel es dem 69-jährigen Plattschnacker am Mittwoch leicht, den 140 Gästen des Schaffermahls allerlei Dönkes zu „vertelln“. So berichtete Ahlers, wie ihm 1985 eine Frauenrunde den Zylinder samt Mooskranz stibitzt hatte – bis das gute Stück auf der Polizeiwache auftauchte. Kräftiger Applaus garnierte die kleine Räuberpistole.

Es war wieder ein Schaffermahl ganz nach dem Geschmack der Wildeshauser: Launige Reden, Heringsvarianten mit herzhaften Bratkartoffeln, Bier sowie das Tabakskollegium vor der Rathaustür. Die Fähnriche und ihre Frauen hatten den Ratssaal erneut in Blau-Rot dekoriert. Auf den Tischen lagen Tonpfeifen und Tabak bereit.

Festredner war diesmal der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Bley. Der CDU-Politiker aus Garrel (Kreis Cloppenburg) sprang kurzfristig für den Niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler ein. Bley wurde von Bürgermeister Jens Kuraschinski ebenso herzlich begrüßt wie zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, darunter Landrat Carsten Harings und die Bürgermeister aus den Nachbargemeinden. Erstmals dabei war Unternehmer Paul-Heinz Wesjohann (Wiesenhof) aus Rechterfeld. Ein besonderer Gruß galt König Thorsten Graf und Schaffer Fabian Reinke. Auf dem Fass am Ende der Tafel saß der Schaffer von 2017, Andreas Müller. Auch ein Geburtstagskind war unter den Gästen: Ingo Hermes, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung, wurde 46 Jahre alt.

Kuraschinski, zugleich General der Gilde, wagte einen Ausflug in die Politik und befasste sich mit dem Brexit: Auch in Wildeshausen gebe es ein Unterhaus, nämlich das Unterhaus der Gilde. Es solle mit dem britischen Unterhaus tauschen. Leutnant Thomas Seyffart, hauptberuflich Kommissar, könnte die Gespräche mit Brüssel führen. Schatzmeister Siegbert Schmidt müsste dann mit dem britischen Unterhaus einen „Deal“ verabreden.

Oberst Willi Meyer wies darauf hin, dass „plattdeutsche Vertells“ stets zum Schaffermahl gehört haben. Das sei „ein Stück heimatliche Kultur“. Die Gilde wolle diese Tadition bewahren. Zudem erinnerte er die Gäste: „Alkohol löst keine Probleme. Aber das tut Milch auch nicht!“

Die Steilvorlagen in Sachen Kultur griff Festredner Bley auf: „Die Wildeshauser Gilde engagiert sich in vorbildlicher Weise für Geschichte, Brauchtum, Tradition und Kultur“, betonte er. Den Wildeshausern machte er ein besonderes Kompliment: „Hier hat der Herrgott die Erde geküsst.“

Zur Kultur gehört aus Sicht Bleys auch ein Braugasthaus, wie es Fritz Dieter Nordmann in der Villa Knagge einrichten will. Und: „Kultur ist auch und gerade ein Schaffermahl.“ Der 66-jährige Politiker brach eine Lanze fürs Tabakskollegium, das vor einigen Jahren noch im Ratssaal stattfand. Bleys Rat: „Wir sollten die Entscheidung für oder gegen das Tabakskollegium allein dem Hohen Gericht der Gilde überlassen!“ Und auch damit traf Bley die Meinung der Zuhörer: „Plattdeutsch wird in Wildeshausen gelebt.“ Friedrich Ahlers hörte es gern. Die Krönung der gut 20-minütigen Rede: Bley sang mit kräftiger Tenorstimme gleich drei Trinksprüche. Ein Beispiel: „Was hat das Bier für einen Schein? Vor Mitternacht kehren wir nicht heim!“ Der kräftigen Applaus war ihm gewiss. Natürlich mussten auch die Gäste des Schaffermahls singen – wie immer das Wildeshauser Lied. Und bei der Fortsetzung im Ratskeller wurden natürlich noch so manche Dönkes aus dem Gildeleben erzählt – viele davon up Platt.


Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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