Wildeshausen Kann man typische Cembalomusik auf einem modernen Konzertflügel adäquat spielen? Wen diese Frage interessiert, der sollte sich den international renommierten französischen Pianisten Alexandre Tharaud anhören.

Dieser war auf Einladung des Kulturkreises Wildeshausen zu Gast im Konzertsaal der Kreismusikschule. Die sechs charakteristischen Cembalostücke von Francois Couperin blühten unter seinem durchdachten, technisch und klanglich äußerst vielseitigen Klavierspiel zu berührenden Klangbildern auf. Barocke Verzierungskunst, die Melodien wurden mit zahlreichen Pralltrillern und Mordenten ausgeschmückt, und eine tief ausgelotete klangliche Lyrik standen neben geschmeidigen tänzerischen Gesten.

Mit Anton Weberns 1936 komponierten „Variationen“ op.27 erklang ein Werk der zweiten Wiener Schule, welches in seiner komplexen Satzstruktur und der konsequenten seriellen Kompositionsweise (die gleichberechtigte Behandlung aller zwölf Töne nach genau festgelegten Regeln) schon längst zu einem „Klassiker“ der Moderne geworden ist. Alexandre Tharaud spielte die Variationssätze mit großer Spannkraft und Überlegenheit, einerseits die Emanzipation des Einzeltones und einzelner Intervallgesten verdeutlichend und gleichzeitig versteckte melodisch-tänzerische Zusammenhänge andeutend.

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Gerade ist die jüngste CD-Einspielung Tharauds mit den letzten drei Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven erschienen. Zwei davon präsentierte der Pianist in seinem Programm. Der fragile erste Satz der Sonate in E-Dur op. 109 lag bei diesem ausgezeichneten Interpreten in besten Händen, klangschön und mit eindrucksvollen dynamischen Kontrasten gespielt. Nach dem bewegten e-Moll Scherzo zauberte Tharaud einen mit innigster Empfindung vorgetragenen schlichten Liedgesang von größter Zartheit, der sich dann von Variation zu Variation bis hin zu sich auflösenden Trillerketten verwandelte.

Der dramatische Kopfsatz von Beethovens letzter Sonate in c-Moll op. 111 gelang dem Interpreten mit einnehmender Stringenz und wiederum beeindruckender Klangvielfalt. Den anschließenden weltabgewandten Variationssatz gestaltete er mit solch einer verdichteten inneren Spannung, voller Mut und neuer Lebenskraft die sich neu andeutenden Sphären ergreifend, dass das Publikum auch nach dem zarten Verklingen des letzten C-Dur Akkordes noch länger atemlos lauschte, bevor der verdiente, begeisterte Beifall aufbrandete.

Alexandre Tharaud bedankte sich für die Ovationen mit zwei charakterlich unterschiedlichen d-Moll Sonaten von Domenico Scarlatti, einer melancholisch-liedhaften und einer brillant dargebotenen, toccatenhaft bewegten. Mit den beiden Zugaben war das Programm wieder bei der Cembalomusik angekommen. Es geht nicht nur adäquat, sondern vorbildlich und epochal übergreifend auf einem modernen Flügel, wie es bei diesem unvergesslichen und facettenreichen Konzertabend eindrucksvoll zu erleben war.

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