Wildeshausen Seit kurzem gibt es eine Töpferei in Wildeshausen. Betrieben wird diese von Christine Meissel, die sich nach ihrer Pensionierung damit einen Lebenstraum erfüllt, um in ihre ursprünglichen Fußstapfen zurückzukehren. Derzeit entstehen kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände: Kreativ gestaltete Teekannen und designte Vasen sind ebenso zu finden, wie edel glasierte Keramikschüsseln.

Zuvor war Meissel in der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen tätig, wo sie in der Tagesförderung arbeitete, um Menschen zu animieren, innerhalb ihrer Möglichkeiten Freude an Beschäftigung zu finden. Die Lebens- und Erfahrungswege der gebürtigen Thüringerin sind überaus abwechslungsreich.

Als Sechsjährige war sie mit Mutter und Schwester aus der DDR geflohen, von wo aus es die kleine Familie in den Schwarzwald verschlug. In Königsfeld verbrachte Meissel ihre Schulzeit. Später prägten einjährige Aufenthalte in den USA und Finnland ihre Weltoffenheit und Toleranz.

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Zurück in Deutschland wünschte Meissel sich ein Studium, welches ihre Ausbildung zum Abschluss bringen sollte. Doch welches? Letztendlich war es dann eine Verbindung aus Bildhauerei, Keramik und Pädagogik, die in einen Abschluss an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel mündete. Mit 27 Jahren durfte sie sich dann als „Graduierte Designerin“ bezeichnen.

Lehr- und Wanderjahre in München und Berlin folgten. Ein charismatischer Amerikaner namens Jimmy brachte ihr 1980 in Berlin die sogenannte Pinched Pottery näher. Bei dieser Arbeitsweise wächst der Ton ohne Töpferscheibe und nur durch manuelles Formen in die Höhe. „Das war völlig neu für mich und wirkte absolut lebendig. Das ist mir sehr wichtig! Platte Namensschilder zu gestalten ist mir ein Gräuel!“, schmunzelt Meissel.

In den 80ern unterhielt die Künstlerin über zehn Jahre hinweg ihre eigene Töpferwerkstatt in Lüerte, wo sie ihre Tochter Rune groß werden ließ. Nach einigen Zwischenstationen und ihrer mehr als 20-jährigen Tätigkeit in der Diakonie Himmelsthür kehrt sie nun zu ihrer geliebten Profession zurück.

Die mechanische Töpferscheibe von damals existiert noch: Nun steht sie im neuen Atelier am Pestruper Moor 8 in Wildeshausen. Ihre erste Ausstellung organisiert Meissel an diesem Wochenende, 23. und 24. September. Die in Hannover ansässige Grafikerin Marianne Kretschmer, mit der Meissel seit fast 40 Jahren befreundet ist, stellt obendrein ihre vielfältigen Seidenarbeiten aus.

Zudem wird am Sonnabend ab 17 Uhr das Trio „Raps & Tröte“ aus Huntlosen auf der Matte stehen, um lustig musikalische Darbietungen per Kontrabass, Flöte und Akkordeon beizusteuern.

Meissel hofft auf gute Resonanz und sie verspricht: „Solang die alten Hände noch mitspielen, geht’s hier weiter. Aber im Internet werde ich wohl nie zu finden sein - das ist mir nicht ganz geheuer!“ Ein Schild im Schaufenster spiegelt diese Philosophie wider. „We do not have WiFi - talk to each other!“ steht darauf.

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