Wildeshausen /Altona Die Sieger nahmen den Preis sichtlich gerührt entgegen. „Mir schlottert jetzt noch die Hose. Das letzte Mal war vor 60 Jahren“, sagte Michael Prochnow, Betreiber des Wildeshauser „Lili-Servicekinos“ unter großem Applaus. Theaterleiter Heinz Rigbers fehlten die Worte. Gerade hatten beide die goldene Skulptur namens „Triumph“ entgegen genommen. Für die Erhaltung eines traditionsreichen, aber modern ausgestatteten kulturellen Angebotes wurde am späten Freitagabend das Lichtspielhaus von der Mittelstandsvereinigung (MIT) Wildeshausen mit dem Wirtschaftspreis 2018 ausgezeichnet. Wohl nur wenige der gut 230 Gäste im Hotel Gut Altona hatten diesen Preisträger auf dem Zettel.

Prochnow und Rigbers betreiben seit gut acht Jahren gemeinsam das Kino an der Huntestraße mit modernster Technik sowie anspruchsvollem Programm. Von einer „kulturellen Begegnungsstätte“, der es stets gelinge, neue Besuchergruppen zu erschließen sprach Laudator Christian Firmbach (51), der Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters. Wo sonst sei es möglich, bei Popcorn und Nachos in bequemen Kinosesseln eine Opern-Übertragung aus Bayreuth zu genießen? Und die Sessel in Bayreuth seien sehr hart, berichtete Firmbach aus Erfahrung. Der Intendant zeigte auf, dass Kultur und Wirtschaft viel Gemeinsames haben. Das künstlerische Niveau des „Lili-Servicekinos“ zeichne sich durch Vielfalt und Offenheit sowie durch eine „Balance von Tradition und Innovation“ aus.

Der MIT-Vorstand (v.li.): Ingo Hermes, Petra Dekker, Stefan Schlierbach, Ines Posenauer, Dr. Volker Pickart, Torsten Helmbrecht, Marcell Görke, Michael Müller und Helmut Rang.

Ingo Hermes bleibt MIT-Vorsitzender

Zwei Neulinge konnte Ingo Hermes im Vorstand der Mittelstandsvereinigung (MIT) begrüßen: Ines Posenauer (Firma Paul Schmidt) und Torsten Helmbrecht (Schütte.Co). Mit einem dicken Dankeschön verabschiedet wurden der langjährige MIT-Vorsitzende Manfred Wulf, Stefan Iken, Torsten Koschnitzke und Fritz Dieter Nordmann.

Dem MIT-Vorstand gehören damit an: Ingo Hermes (Vorsitzender), Petra Dekker (stellvertretende Vorsitzende), Helmut Rang (zweiter Stellvertreter), Stefan Schlierbach (Kassenwart) sowie im erweiterten Vorstand Dr. Volker Pickart, Michael Müller und Marcell Görke. Die Vorstandswahl hatte Rainer Grewing geleitet.

Prochnow hat 2011 das Kino von seinem Bruder Christfried gepachtet. Er holte mit Heinz Rigbers einen „alten Hasen aus dem Filmgeschäft“ an Bord und eröffnete unter dem Namen „LiLi-Servicekino“ mit modernster Technik neu. Der Erfolg gab beiden recht: Bereits sechsmal wurde das Kino sechsmal mit dem Filmprogrammpreis der Mediengesellschaft „Nordmedia“ ausgezeichnet. Über den Wirtschaftspreis freue man sich sehr, sagte Prochnow, als er aus den Händen von Firmbach und des MIT-Vorsitzenden Ingo Hermes die goldene „Triumph“ entgegennahm. Ausgerechnet an einem Pfingstdienstag im Krandel habe man den Plan ausgeheckt, das Kino zu neuem Leben zu erwecken. „Wir haben gesagt: Wenn die Piepen weg sind, dann sind sie eben weg. Aber es hat funktioniert.“ Beide dankten auch Mitarbeiterin Simone Emke für ihre Unterstützung. Und unter dem Applaus der MIT-Gäste sicherte Firmbach zu: „Ich komme demnächst vorbei!“

Nachdem in den Vorjahren die Scheune als „Ausweichquartier“ für die MIT-Generalversammlung herhalten musste, wurde diesmal wieder bei Grünkohl, Kassler und Pinkel im neuen Haupthaus auf Gut Altona gefeiert. Vorsitzender Hermes warb bei den Unternehmerinnen und Unternehmern dafür, sich dem Fachkräftemangel zu stellen. Zu dem Themenfeld werde die MIT wieder diverse Workshops anbieten. Auch die Aktion „Schule trifft Wirtschaft“ werde eine Neuauflage erleben. Hermes appellierte an die Politik, dem „Mittelstand das Leben wieder leichter zu machen“. Besonders der ländliche Raum sei überproportional auf den Mittelstand angewiesen. Zudem erwarte die Wirtschaft mehr Verlässlichkeit von der Politik.

Mit Inneneinsichten aus Berlin sorgte Comedian Stefan Danziger für beste Stimmung auf dem Saal von Gut Altona. Anstelle der Mauer hätte die DDR auch eine rote Ampel bauen können, meinte der gebürtige Dresdner. Wenn er als „Stadtführer“ in der Hauptstadt unterwegs sei, fragten ihn Touristen schon einmal, warum die Ostdeutschen nicht einfach um die Mauer herumgelaufen seien. Auch ein deutscher James Bond, am besten Ronny aus Sachsen, stünde uns gut zu Gesicht. Und wenn er Jugendliche beeindrucken wolle, erzähle er aus den 80er-Jahren mit zwei Meter großen Handys, die komplett begehbar waren. Zur Musik von DJ Jens (Lampe) wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt.


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Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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