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WILDESHAUSEN Das Amt des Schaffers ist eigentlich älter als die traditionsreiche Schützengilde selbst. Für Bernd Niester hat es einen richtigen Modernisierungsschub gebracht. „Mit dem Schafferamt habe ich mir ein Handy angeschafft, damit ich für die Fähnriche besser erreichbar bin“, erzählt der 38-jährige Friseurmeister. Die Entscheidung, das Schafferamt anzunehmen, habe er keine Sekunde bereut. „Als Wildeshauser wollte ich das.“

Gern erinnert sich Niester zurück: Die Proklamation auf dem Rathausbalkon, Pfingstdienstag, 24 Uhr, der gemeinsame Trunk mit Ehefrau Judith aus dem alten Humpen und die Rufe hunderter Zuschauer „Du hast die Haare schön“. „Ich kam mir vor wie ein Popstar“, schreibt er in seinen Erinnerungen an die Pfingstwoche. Die schönsten Glückwünsche habe er von Erich Adolf erhalten, Dienstältester in der Wachkompanie, der Vater Bernhard Niester sehr gut kannte. „Es war für einen Wildeshauser Jung wie der Gewinn der Fußball-WM 1954“, meint er.

Mindestens zweimal pro Woche war Niester für die Gilde im Einsatz: Er zählt Feiern bei anderen Vereinen auf oder die Besuche mit König Jens-Christian Senger bei Geburtstagen der Offiziere. Als Geschenk gab’s einen Kräuterlikör mit Bild von Schaffer- und Königspaar. Das Duo harmoniere perfekt. „Es gibt nur den Größenunterschied zwischen dem König und mir“, sagt er augenzwinkernd.

Niester wäre auch gern König geworden. Seit dem 25. Lebensjahr war er regelmäßig am Pfingstdienstag im Schießstand an der Vogelstange zu sehen. „Ich glaube, ich habe nur ausgesetzt, als unsere Kinder Hardy und Enna unterwegs waren“, erinnert sich der 38-Jährige. In der Gilde genießt die Ur-Wildeshauser Familie einen guten Ruf: Großvater Johannes Niester war 1939 König und wurde 1948 ins Offizierskorps aufgenommen. Vater Bernhard erkämpfte sich 1975 den Königstitel. Niester war zwei Jahre lang Kindertambour, spielte von 1982 bis 1990 im Spielmannszug, ehe fünf Jahre als Wachetrommler folgten.

Das Jahr als Schaffer sei wie im Flug vergangen. Viele Hände hätten ihn und seine Judith unterstützt, dankt Niester den zahlreichen Helfern. Gern denkt er an tolle Gespräche mit Persönlichkeiten aus der Gilde zurück. Der grüne Rock für die bevorstehende Fähnrichszeit hängt bereits im Schrank, das Braunbier für die Offiziersversammlung am Dienstag vor Pfingsten ist gebraut. Auch den neuen Papagoy für das erste Königsschießen an der neuen Vogelstange hat Bernhard Kreienborg im Auftrag Niesters bereits geschmiedet. Und der eiserne Vogel, aus einem Stück geschmiedet, gehöre allemal eher zu Pfingsten als manch moderne Errungenschaft.

Berichte zur Gilde auch unter www.NWZonline.de/gildefest

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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