Wildeshausen /Großenkneten „Als Sammler achtet man ja auf jede Kleinigkeit“, sagt Wolfgang Ramke. Der Wildeshauser meint die verschiedenen Ausführungen der ersten LP „Trio“. „Auch wenn es nur ein ganz kleiner Stempel ist auf dem Cover, das muss ich natürlich haben.“ Inzwischen hat er so 31 LPs aus 15 Ländern angesammelt.

Bevor Ramke allerdings anfing, sich für Trio zu begeistern, war er Elvis-Fan. So richtig aufmerksam sei er auf die Gruppe 1982 in der Fernsehsendung „Bananas“ geworden. „Danach begann die Sammelleidenschaft“, sagt der 63-Jährige.

Raritäten aus aller Welt

Als die Zeit der Online-Verkaufsplattformen anbrach, begann Ramke mit der Suche nach neuen LPs aus fernen Ländern und Raritäten. Bis heute schaut er regelmäßig, was es Neues auf dem Markt gibt. Seine neueste Errungenschaft ist ein Poster von der englischen Ausgabe des Albums „Bye Bye“ aus den USA.

Im Flur hängen unter der Treppe alle deutschen Singles, die von Trio herausgekommen sind. Eine große Weltkarte zeigt, in welchen Ländern das Trio-Lied „Da, Da, Da...“ in den Charts war. Der Treppenaufgang ist ebenfalls mit LPs und T-Shirts rund um die Band gesäumt.

Von seiner Familie werde die Sammelleidenschaft „geduldet“, sagt Ramke. Seine Töchter Melanie und Ramona finden die Begeisterung ihres Vaters für die Gruppe in Ordnung. „Meine erste Tochter Melanie hat die Zeit voll mitgekommen und war sechs Jahre als die Neue Deutsche Welle angesagt war.“ Aber dazu lasse Trio sich nicht zuordnen, betont Ramke. Es sei schlichtweg „minimalistische Musik“. „Man lebt mit der Zeit und darin“, erklärt er seine Begeisterung für die Band.

Vitrine voller Schätze

In einer kleinen Vitrine, die Ramke von Melanie Otten aus Cloppenburg erhalten hat, befinden sich die „Heiligkeiten“ zur Band. Hier hat Ramke unter anderem die allererste LP stehen, die die Gruppe selbst vermarktet hat. Von ihr gebe es nur 333 Stück.

Daneben stehen Kassetten aus den Niederlanden, Brasilien und Argentinien. Die Lucy, eine Plastikgitarre wie sie Trio-Mitglied Stephan Remmler benutzte und ein Spielzeug-Keyboard, gehören ebenfalls zum Inventar. Auch selbst gemachte Fan-Artikel wie Kappe, Tasse oder Nummernschild hat Ramke gesammelt. „Was man nicht hat, muss man selber machen“, meint er.

„Die hatten schon tolle Einfälle“, sagt Ramke über die Band. So sei das Album „Trio live im Frühjahr ’82“ zuerst auf Kassette erschienen. Auf dem Cover der LP „Bye Bye“ von ’83 sei zum Teil Platz für Werbeanzeigen gewesen.

Die Bandgeschichte in Kürze

Ein Lied ging 1982 von Großenkneten aus um die ganze Welt. Mit der Textzeile „Da da da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha“ landeten die Musiker Stephan Remmler, „Kralle“ Krawinkel und Peter Behrens einen Welthit. Damit hatte die Gruppe „Trio“ dann auch international den kommerziellen Durchbruch.

Weitere Hits von Trio waren „Anna - Lassmichrein Lassmichraus“ oder „Bum Bum“. Nach einem Streit um die weitere musikalische Ausrichtung löste sich die durch ihren Minimalismus bekannt gewordene Band 1986 auf. Von den drei Musikern lebt jetzt nur noch Sänger Remmler. Gitarrist Gert „Kralle“ Krawinkel war im Jahr 2014 verstorben.

Zu ihrem ersten Konzert luden die Bandmitglieder am 20. Dezember 1980 Förderer und Freunde ins Gasthaus Kempermann ein. Den letzten gemeinsamen Auftritt hatte Trio am 19. März 1986 in der Sendung „Dingsda“.

Prägnant an Trios Musik war in den Anfangsjahren der Minimalismus ihrer Liedtexte als auch ihre Beschränkung auf nur zwei Instrumente – Schlagzeug und Gitarre.

Ramke gehört auch zum festen Kreis von Fans, der seit 2004 in Großenkneten beim Gasthaus Kempermann zusammenkommt. Matthias Klein aus der Nähe von Berlin initiierte die Treffen. Sieben „Triologen“, wie sich die Trio-Fans nennen, treffen sich unregelmäßig, um Musik zu machen und sich auszutauschen.

Den Trio-Schlagzeuger Peter Behrens lernte der Wildeshauser noch persönlich kennen. Er war auf seinem letzten Konzert in Tungeln am 30. April. „Das habe ich mir nicht nehmen lassen“, sagt Ramke. Er sorgte sich um den Gesundheitszustand von Behrens. „Mach dir keine Sorgen. Mein Körper sagt mir schon Bescheid“, antwortete der damals. Kurze Zeit später, am 11. Mai, verstarb Behrens.

Musik bleibt im Kopf

Am Pfingstsonntag wurde dann in der Gaststätte „Kling Klang“ in Wilhelmshaven, wo Behrens zuletzt wohnte, Abschied genommen. Bei der Seebestattung am 25. Juni im Außenhafen von Hooksiel war Ramke ebenfalls dabei. Von Anfang an seien Trio-Lieder gespielt worden, berichtet der Wildeshauser. „Das ging schon richtig unter die Haut.“

Es sei gut, dass sich Trio nicht wieder vereinigt habe, meint Ramke. „Man hat sie so im Kopf, wie sie früher waren.“ Oft sehe er sich Videos von den Bandauftritten an. Denn der 63-Jährige war nie auf einem Konzert. Das in Wildeshausen ’81 habe er verpasst und erst später davon in der NWZ  gelesen. Doch die Erinnerung an das Trio bleibt – genauso wie die Musik.

Tanja Henschel Barßel / Redaktion Münsterland
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