WARDENBURG Wenn Helga Albrecht einem Menschen ins Gesicht schaut, fängt sie in Gedanken sofort an, das Antlitz ihres Gegenübers „zu vermessen“. Stößt sie auf interessante Konturen und Formen, besitzt das potenzielle Motiv zudem noch eine gewisse Ausstrahlung – dann sind gute Voraussetzungen für ein gelungenes Porträtbild gegeben. Denn darauf hat sich die Malerin aus Südmoslesfehn in den vergangenen drei Jahren spezialisiert. 13 Persönlichkeiten aus der Gemeinde Wardenburg hat sie anhand von Fotovorlagen gemalt. Darunter auch Bürgermeisterin Martina Noske, CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Armin Köpke, NWZ -Lokalredakteur Werner Fademrecht sowie die Eheleute Heidelind und Max Herrmann.

Die Bilder sind seit Sonntag in einer Ausstellung im Foyer des Wardenburger Rathauses zu sehen. Rund 130 Gäste nahmen an der Vernissage teil. Das Duo Jura (Rafael Jung und Julia Molnár) spielte Kaffeehaus-Musik, Michaela Hanken und ihr Team boten Kaffeespezialitäten an. „Ich bin jetzt seit 19 Jahren in diesem Rathaus – so einen großen Zuspruch habe ich bei einer Ausstellungseröffnung noch nie erlebt“, freute sich Martina Noske über die Resonanz.

Vor etwa sechs Jahren hatte sie die aus dem Wendland stammende Künstlerin und deren Mann Werner als „Neubürger“ kennen gelernt. Schon damals hatte Noske auf die Möglichkeit, Werke von Helga Albrecht im Rathaus auszustellen, hingewiesen. „So weit bin ich noch lange nicht“, hatte die Malerin abgewehrt. Dass diese Bescheidenheit aus heutiger Sicht unbegründet gewesen ist, zeigt nun die Ausstellung, die Helga Albrechts beeindruckende Fähigkeiten als Künstlerin dokumentiert.

„Man muss Menschen lieben, um Porträts malen zu können“, sagt die 63-Jährige. Der Reiz in der Porträtmalerei liegt für sie in der „persönlichen Beziehung“, die sie zu ihrem Motiv entwickelt. „Meine Bilder bekommen ganz schnell Augen“, sagt sie.

Ihre Modelle hat sie in zwei- bis dreistündigen Fotosessions aus allen möglichen Winkeln abgelichtet. Etwa sechs Wochen hat Helga Albrecht an den einzelnen Porträts gemalt, fünf bis neun Stunden täglich. 50 bis 80 Farbmischungen waren nötig, die sie mit zwei Millimeter dünnem Pinsel auf die Leinwand gebracht hat. Die Ergebnisse wirken mal fotorealistisch, mal abstrakt durch die Symbiose von Malerei und Siebdruck. Ein deckungsgleiches Abbild gibt es indes nicht: „Die Bilder sind Ausdruck einer intimen Begegnung eines Menschen mit einem anderen“, beschreibt Werner Albrecht die Arbeit seiner Frau. In den Porträts spiegele sich das Leben wider in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Porträtierten haben allesamt der Veröffentlichung zugestimmt. „Sehr gut getroffen“ findet sich Lothar Janzen. Helga Albrecht hat das Ehrenmitglied des Wirtschaftsförderungsvereins ebenso gemalt wie dessen Frau Irma. „Wir sind mächtig stolz, dass wir hier hängen dürfen“, sagt auch Sanitätshaus-Inhaber Max Herrmann, der sich bei Helga Albrecht mit einem Blumenstrauß bedankte.

Nach drei Jahren mit Porträtgemälden von Menschen hat Helga Albrecht, die auch als Bildhauerin überzeugt, in expressiver Tiermalerei Abwechslung gefunden: „Auch Kühe haben wunderschöne Gesichter“.

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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