HUDE Elge Gerdes-Röben malt seit vielen Jahren. Die Techniken hat sie in Privatstunden und durch neugieriges Experimentieren erlernt.

Von Kristian Klooß HUDE - „Halten Sie Ihren Pinsel nicht so wie einen Besenstiel“, war einer der ersten Sätze, den Elge Gerdes-Röben entgegengeschmettert bekam, als Sie mit der Malerei begann. Ihr damaliger Privatlehrer war der Huder Künstler Heiner Osterkamp. „Da habe ich mir gedacht. Also entweder du steigst jetzt sofort aus oder du hälst durch“, erinnert sich die heute 67-Jährige.

Sie hielt durch. Und ihr Selbstvertrauen im Umgang mit Pinsel und Farbe wuchs – auch der mit dem Rötelstift. Mit diesem sollte sie nämlich in einem anderen Kursus – Jahre später – die Kiefernlandschaft rund um Worpswede zeichnen. Doch während die Zeichenlehrerin Helga Hentschel die Werke der anderen Schüler begutachtete, liefen einige Kühe über die Weide. „Da habe ich einfach die gemalt“, erinnert sich Elge Gerdes-Röben. Kiefern hätten auf diesem Bild allenfalls am Rand gestanden. „Was hast du aus Worpswede gemacht?“, habe eine fassungslose Helga Hentschel gefragt, als sie das Werk ihrer Schülerin schließlich zu Gesicht bekam.

Über solche Geschichten kann Elge Gerdes-Röben heute herzlich lachen. Längst hat sie sich von ihren Vorbildern emanzipiert und experimentiert selbst mit Materialien und Farben. So hat sie zum Beispiel die Arbeit mit Pilzsporen für sich entdeckt. Die Idee dazu kam ihr eher zufällig in den Sinn. „Ich hatte eine Skizze einiger Pilze in einem Glas gezeichnet und das Glas dann eine Nacht lang auf einem Stück Papier stehen lassen. Am nächsten Tag hatte sich ein violetter Schleier aus Pilzsporen um das Glas herum gelegt. Und ich dachte mir, das kann man ja auch gezielt machen“, erinnert sie sich. Mit den Pilzsporen als Grundlage entstanden so Aquarell- und Buntstiftzeichnungen, die 1992 in der Huder Gemeindebücherei bei ihrer ersten Einzelausstellung zu sehen waren.

In einer Vielzahl von Privatkursen eignete sich Elge Gerdes-Röben weitere Techniken an, die sie eifrig in ihren Bleistiftzeichnungen, Aquarellen, Tuscheblättern, Kreidezeichnungen, Öl-, Acrylgemälden und Collagen umsetzte.

Das Titelbild des Bürgerbriefs der Gemeinde Hude zierte im vorvergangenen Jahr eine von ihr gemalte Wassermühle. In dem vom Verein Kinderaugen verkauften Kalender spachtelte sie für den Monat Oktober das Huder Kloster auf die Leinwand. „Dieses Bild damals hat inzwischen auch einen Liebhaber gefunden“, sagt sie mit einigem Stolz.

Eine Ausstellung ihrer Werke war zuletzt im Jahre 2005 im Huder Rathaus zu sehen. Dennoch bleibt die Künstlerin bescheiden: „Ich bin Laie. Ich finde es auch schade, dass der Begriff Künstler nicht geschützt ist“, sagt die 67-Jährige, die schon als Kind in Marburg – wo sie aufwuchs – Freude an den Werken großer Künstler wie zum Beispiel Otto Ubbelohde und Carl Bantzer hatte.

Besonders angetan war die Schülerin aber von einem ganz bestimmten Werk – aus Wilhelm Buschs Buch Max und Moritz: „Ich durfte mir als Kind, aus irgendeinem Grund mal ein Bild in einer Marburger Kunsthandlung aussuchen“, erinnert sich Elge Gerdes-Röben zurück. „Da habe ich das Bild genommen, auf dem der Schneider Böck – von Max und Moritz aus seinem Haus gelockt – durch die angesägte Brücke ins Wasser fällt.“

Ihren Humor und die Lust auf das Neue hat sich die Huderin bewahrt. Demnächst wird sie an einem Radierkursus des hiesigen Künstlers Ernst W. Wagalla teilnehmen. „Das ist die schwarze Kunst“, sagt die Huderin und lächelt. „Und die“, fügt sie flüsternd an, „die fasziniert mich besonders.“

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