WARDENBURG Warum heißt Wardenburg eigentlich Wardenburg? Wer sich bislang vielleicht noch keine Gedanken über die Herkunft des Namens gemacht hat, den sich Ort und Gemeinde teilen, dem dürfte am Ende von „1270 - ein Ritter, die Liebe und eine Burg“ ein Licht aufgehen: Dem Herrschaftswillen des Grafen Johann zu Oldenburg und der Aufmüpfigkeit und Freiheitsliebe der Landbevölkerung ist dies zu verdanken.

Doch keine Angst, das neue Freilichttheaterstück aus der Feder von Gerhard Jansen, ist keine langatmige Geschichtsstunde. Abgesehen vom Titel, taucht nicht einmal eine Jahreszahl auf. „Hier wird Geschichte lebendig“ verspricht das kleine Programmheft und in der Tat ist das Stück vor allem eine farbenfrohe Sache. Davon überzeugten sich die Premierengäste trotz widrigen Wetters am Freitagabend auf dem Hof Claußen in Fladder. Vor der prächtigen Kulisse, die durch das naturnahe Bühnenbild wunderbar ergänzt wird, entwickelten die insgesamt 70 Mitwirkenden des Tilly-Theaters auf und hinter der Bühne einen unterhaltsamen Abend.

Klarer Spannungsbogen

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Da macht es auch nichts, dass das Wetter für eine Veranstaltung unter freiem Himmel gerne etwas freundlicher sein dürfte. Die Zuschauer sitzen – nicht zuletzt nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2007 – trocken unter einer überdachten Tribüne. Das Stück selbst nimmt wie ein großer Dampfer langsam, aber nachhaltig Fahrt auf. Im ersten Akt kann erstmal die frisch errichtete Marienkirche bewundert werden. Ein junges Liebespaar (Lena Martens, Lars Deeken) stellt sich vor, hier bahnt sich mit dem Segen des Paters (Gerold Albers) eine Hochzeit an. Doch auch drei einflussreiche Männer finden Gefallen aneinander: die Gründung des Westerholter Ritterbundes zwischen Robert von Westerholt (Bernd Depner), Lüder zu Hude (Klaus Martens) und Heinrich von Bremen (Dieter Hähnel) kommt zustande.

Im zweiten Akt, den wie alle anderen „Herold“ Peter König ankündigt, wird’s richtig turbulent: Zeitweilig galoppieren sechs Reiter mit Lanzen gleichzeitig durchs Bühnenbild, Ritter beharken sich mit Schild und Schwert. Doch das ist erst der Vorgeschmack auf die spätere kriegerische Auseinandersetzung, vorerst wird nur mit Ritterspielen die Hochzeit zwischen den Kindern der Ritter aus Hude und Westerholt gefeiert.

Frauen sorgen für Vernunft

Nach dem kurzen dritten Akt, der die Schikanen des Oldenburger Grafen gegenüber der Landbevölkerung andeutet, ist eines klar: „Ich will dem Grafen sien Mors anbrennen“, kündigt der Westerholter Ritter an und hat – nicht nur an dieser Stelle – die Lacher auf seiner Seite. Am Ende geht zwar sein Plan gründlich schief, dank des liberalen Grafensohns Christian (Jens Ammermann) und der Vernunft predigenden Rittergattinnen (Heide König, Anita Augustyniak, Hilke Oltmann) kommt es im vierten Akt dennoch zum Happy End.

Glücklich und erschöpft dürfen auch die vielen Mitwirkenden des Freilichttheaters sein. Am Ende regnet es langen, verdienten Beifall auf das Ensemble aus Laiendarstellern und die Verantwortlichen aus Regie (Gerhard Jansen, Dieter Kruse) und Technik nieder. Zusammen mit dem kulinarischen Pausenangebot der Landfrauen ist das Wardenburger Freilichttheaterspiel ein rundes Spektakel,, das sich trotz laufender Fußball-WM keiner entgehen lassen sollte.

Phantasieprodukt. In der Rasteder Chronik (1059 bis 1477) heißt es – ins Hochdeutsche übersetzt von Prof. Dr. Wolfgang Rohde: „Zur Zeit dieses Abtes begannen einige oldenburgische Ritter, hauptsächlich Ritter Robert von Westerholt und seine Sippe, sich gegen den Graf von Oldenburg aufzulehnen und trotzig zu rebellieren ... Dies artete in solchen Hass aus, dass auf dem Hoheitsgebiet der Oldenburger Grafen die Burg Swippenberge, die heute Wardenburg heißt, erbaut wurde. Er eroberte sogar die Stadt Oldenburg.“

der Familie Westerholte ist bis heute ungeklärt. Es spricht jedoch einiges dafür, dass die Westerholter freien, ritterlichen Kreisen entstammen und früh zur adeligen Oberschicht zählten.

noch zu sehen. Es wird bis Sonntag, 20. Juni, täglich aufgeführt. Beginn ist immer um 20 Uhr. Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse sowie den Nordwest-Ticketstellen, der Buchhandlung „Lesezeit“ und dem Schreibwarengeschäft Freese. Hier gibt es auch Karten fürs Kinderstück „Räuber Hotzenplotz“ (15. Juni und 17. Juni, jeweils 15 Uhr).

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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