Wie heißt es so schön: „Selbstständige arbeiten selbst und ständig!“ Dieser Satz passt auch auf Tischlermeister Bernd Wagner (49), der am Ortsrand von Bookholzberg einen kleinen, aber feinen Handwerksbetrieb hat. Dass alles so gekommen ist, wie es ist, das hat er Mitmenschen zu verdanken, die es gut mit ihm meinten.

Aufgewachsen ist Bernd Wagner in Delmenhorst. Seine Nachbarn staunten nicht schlecht, wenn er mit seinem Kettcar die Straße zur Rennstrecke machte. Auch in seiner Fußballmannschaft beim TuS Heidkrug zeigte er als Libero immer vollen Einsatz. Leider musste er schon mit 16 Jahren seine Fußballschuhe wegen einer Verletzung an den berühmten Nagel hängen.

Bernd Wagners Vater war von Beruf Landschaftsgärtner. „Er hat die Bäume gepflanzt, die ich heute verarbeite“, erzählt mir der Sohn eher im Scherz. Während der Schulzeit hatte Bernd immer mal wieder den Gedanken, Gärtner zu werden, sein Vater riet ihm aber davon ab. „Eigentlich wusste ich nie so richtig, was ich einmal beruflich machen wollte“, beschreibt Bernd seine damalige Gefühlslage.

Da er handwerklich durchaus geschickt war, ließ sein Vater seine Verbindungen spielen und besorgte dem Sohn einen Ausbildungsplatz als Tischler. „Diese drei Jahre waren alles andere als einfach. Wir hatten einen sehr strengen Chef und mehr als einmal habe ich ihn verflucht“, gesteht Bernd Wagner. „Aber ich habe dort auch sehr viel gelernt!“

Nachdem er noch eineinhalb Jahre als Geselle in seinem Lehrbetrieb gearbeitet hatte, wollte er aber weitere praktische Erfahrung sammeln und wechselte in eine Bremer Tischlerei. Er war gerade in Urlaub, als plötzlich seine Mutter anrief. Sie eröffnete ihm, dass sie ihn zum Meisterkursus angemeldet hatte und er sofort anfangen könne. „Mein Chef hatte ebenfalls nichts dagegen und so konnte ich meinen Meister im Tischlerhandwerk machen!“.

Allerdings hatte er mit seinem Meisterstück, einem Schreibtisch aus Teakholz, wenig Glück. „Wir hatten diesen sehr schweren Schreibtisch gerade mit vier Personen die Treppe hoch gewuchtet und an die Wand gestellt, als plötzlich ein Glasrahmen von dieser Wand fiel, sich in die Holzplatte vom Schreibtisch bohrte und steckenblieb!“

Vielleicht wäre Bernd Wagner noch heute Mitarbeiter einer Tischlerei, wenn ihm nicht ein Altgeselle geraten hätte: „Sieh zu, dass Du Dich selbstständig machst!“ Diese Idee gefiel Bernd Wagner – aber wo? „Da geeignete Grundstücke und Hallen in Delmenhorst sehr teuer waren, bin ich mit dem Fahrrad Bauernhöfe auf dem Lande abgefahren, um dort vielleicht eine alte Scheune nutzen zu können.“

In Höften bei Bookholzberg konnte er 1993 die Räumlichkeiten einer ehemaligen Zimmerei pachten. Nachdem er dort viel sanieren musste und von einer ehemaligen Tischlerei die notwendigen Maschinen übernehmen konnte, startete Bernd 1994 in die Selbstständigkeit, zunächst als Ein-Mann-Betrieb. Mittlerweile gehören zum Team ein Geselle, der bei Bernd Wagner seine Ausbildung absolvierte, ein Auszubildender und auch seine Mutter, die ihn bei den Büroarbeiten unterstützt. „Ich stehe lieber in der Werkstatt, als im Büro zu sitzen“, erzählt er.

Sein Tagesgeschäft ist die Planung und Anfertigung von individuellen Möbelstücken. „Ich habe die Entscheidung zur Selbstständigkeit nie bereut, allerdings wünsche ich mir mehr Zeit für den privaten Bereich“, gesteht Bernd Wagner. Da er sehr viel Zeit in seinen Betrieb investieren musste, scheiterte daran auch wohl die Beziehung mit der Mutter seiner beiden Kinder. Alexander (18) und Franziska (16) leben bei ihrem Vater und unterstützen ihn, wo sie nur können. Während Alexander in seiner freien Zeit im Betrieb aushilft, „schmeißt Franziska den Haushalt“, wie Bernd mir nicht ohne Stolz erzählt.

Vor acht Jahren baute er zusammen mit seinen Kindern ein Baumhaus in zwei Etagen, mit Terrassendach und Kamin. „Dort haben wir drei auch oft übernachtet“, erzählt Bernd mir.

Einmal im Jahr lässt der Chef aber seinen Betrieb hinter sich und dann geht es für drei Wochen in den Familienurlaub – am liebsten an die Küste zum Kitesurfen. Auf einem Board mit einem Lenkdrachen schweben Bernd und Sohn Alexander dann über die Wellen. Ein Traum von ihm ist es, einmal einen längeren Urlaub zu unternehmen, zum Beispiel nach Neuseeland oder auch nach Afrika. „Ich habe meine Schwester in Afrika besucht, als sie dort als Austauschschülerin war. Es war unbeschreiblich schön, wenn nachts alles ruhig war. Man hörte nur die Rufe der wilden Tiere“, schwärmt Bernd Wagner noch heute.

Seinen großen Wunsch, mehr innere Ruhe, erfüllt er sich kurzzeitig, wenn er am Sonntagmorgen um 6 Uhr früh mit dem Joggen beginnt oder im Sportstudio sein Fitnesstraining absolviert. „Mit dem Alter müsste man doch mehr Ruhe und Reife haben, demnach bin ich wohl noch nicht alt genug“, scherzt Bernd Wagner.

Bernd Wagner,Tischlermeister aus Bookholzberg

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