Wildeshausen Die besten Ideen zum Komponieren habe er beim Spülen, räumt Kantor Ralf Grössler ein. So auch die Idee zum Leitmotiv für das Requiem „Wahrheit in Flammen“, das am kommenden Freitag uraufgeführt wird: Aus dem Nachnamen des Reformators Jan Hus, genauer den Buchstaben „H“ und „S“, leitete Grössler die bestimmenden Tonarten seines neuen Werkes ab. In den zwei Akkorden h-Moll und es-Moll stecke „Glanz und Tragik“ der Figur Jan Hus (1370-1415), wie der Komponist am Sonntag beim Einführungsvortrag vor gut 150 Besuchern in der Alexanderkirche erläuterte.

Noch Karten Erhältlich

Das Requiem wird am Freitag, 20. Januar, um 20 Uhr in der Alexanderkirche uraufgeführt. Weitere Veranstaltungen sind am Samstag, 21. Januar, um 20 Uhr und am Sonntag, 22. Januar, um 17 Uhr.

Es gibt noch Karten im Vorverkauf zu Preisen von 25, 20 und 15 Euro in der Buchhandlung Bökers am Markt und im ev. Kirchenbüro, Sägekuhle 7.

Solistin Joanne Bell, ein Chor aus Mitgliedern der Kantorei und des Gospelchors sowie das Sinfonic Gospel Orchestra unter der Leitung von Ralf Grössler gehören auch diesmal zu den Ausführenden.

Predigt in Landessprache

Bereits am Vortag hatte er mehr als acht Stunden mit dem Auswahlchor aus Mitgliedern der Kantorei und des Gospelchores Joyful Voices sowie den Musikern des Symphonic Gospel Orchestras geprobt. Grössler selbst arbeitet seit über einem Jahr an dem Werk. Die Tragik in der Figur des böhmischen Theologen Hus, der schon 100 Jahre vor Martin Luther für eine Reformation der katholischen Kirche kämpfte, habe ihn von Anfang an fasziniert, berichtet der Kirchenmusikdirektor. Hus, der 1415 als Ketzer auf dem Marktplatz in Konstanz verbrannt wurde, sei bis heute nicht rehabilitiert. Das Requiem, in der römisch-katholischen Kirche eigentlich eine Totenmesse, sei eine Form, um für seinen ewigen Frieden zu bitten.

Bildreich gingen Pastor Nico Szameitat, Beauftragter in der oldenburgischen Landeskirche für das Reformationsjubiläum, und der Syker Pastor Dr. Christian Kopp auf Hus’ Wirken ein. Hus habe das Gedankengut des englischen Theologen John Wyclif aufgenommen, so Szameitat. Er habe in der Prager Bethlehemskapelle (und nicht nur dort) in der Landessprache gepredigt. Kopp, der ein Jahr in Prag studiert hat, wies auf das unerschütterliche Streben des Reformators nach der Wahrheit des Evangeliums hin. Hus verlangte vom Klerus ein wahrhaftiges und heiliges Leben. Der Papst könne nicht Oberhaupt der Kirche sein; das könne nur Christi sein.

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Grössler hatte für die Gäste in der Alexanderkirche eine kleine Überraschung parat: das druckfrische Programmheft zum Requiem. Begeistert ging er alle Etappen – vom In-troitus bis zum Geleitwort – mit seinen Besuchern durch. Der Frankfurter Liederdichter und Theologe Eugen Eckert hat die meisten Texte, oft mit Originalaussagen von Hus, verfasst. Grössler greift zudem auf Bibelworte, darunter den Psalm 23 bei der „Graduale“, zurück. Oft sei die englische Übersetzung aber „griffiger“, stellte er fest. Zu den Höhepunkten des Requiems zähle Punkt 4 „Tractus“. Der Choral, angelehnt an die Melodie „Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not“, fokussiert ganz auf Hus’ Tod auf dem Scheiterhaufen. Der Abschluss des Requiems gleiche laut Grössler einem Triumphmarsch – um die Wahrheit Gottes zu preisen.

Ökumenisches Werk

Grössler räumte ein, dass Musiker wie Chor Höchstarbeit leisten müssten. Die Tonart h-Moll wird in der Notenschrift mit zwei Kreuzen geschrieben (fis, cis); es-Moll mit sechs „b“. Die Musiker müssten also ständig zwischen den Kreuz- und b-Vorzeichen „hin- und herspringen“. Der Komponist sieht sein Werk nicht nur als Beitrag zum Reformationsjubiläum, sondern als ökumenisches Werk. Auch in der katholischen Kirche würden jene Stimmen lauter, die eine Rehabilitierung von Jan Hus wünschten. Ein Vertreter dieser Richtung ist der ehemalige Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke. Er werde an diesem Samstag ebenfalls unter den Zuhörern sein.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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