HUDE Den Text, den kann Joshua Linnemann mittlerweile aus dem Effeff. Der neunjährige Sternsinger ist in diesem Jahr zum vierten Mal dabei und muss für seinen Einsatz nicht lange üben. Den anderen Kindern aus seiner Gruppe geht’s am Mittwoch bei der Kleider- und Singprobe im Haus der Revierförsterei am Hasbruch genauso. Joshua kann es kaum erwarten, gemeinsam mit den gleichaltrigen Jan-Hendrik Meier und Vincent Galke sowie dem sechsjährigen Marco von Bassen – gekleidet in bunte Gewänder, mit goldenen Kronen auf den Köpfen – als Heilige Drei Könige loszuziehen.

Am kommenden Sonnabend wird die Gruppe dutzendfach den Segen „20*C+M+B*11“ mit Kreide an Haustüren schreiben. „Der Segen bedeutet ,Christus mansionem benedicat’“, erklärt Jan-Hendrik: „Das ist lateinisch und heißt: Christus segne dieses Haus.“ Er ist schon ein Veteran als Sternsinger. Er ist in diesem Jahr zum fünften Mal unterwegs, um für einen guten Zweck zu sammeln. Vincent ist zum zweiten Mal dabei, für Marco ist es eine Premiere.

Aus welchem Grund sie bei klirrender Kälte von Haus zu Haus ziehen, weiß Sternträger Jan-Hendrik genau: „Es ist wichtig, ärmeren Kindern zu helfen“, sagt der Neunjährige. Dass sie dafür einen Tag lang kühlen Temperaturen trotzen und etliche Kilometer zu Fuß zurücklegen müssen, ist auch „Kaspar“ Joshua, „Melchior“ Vincent und „Baltasar“ Marco ziemlich schnuppe: „Beim Laufen wird einem warm, außerdem kann man sich unter den Gewändern ja dicke Sachen anziehen“, meint Vincent. „Auch wenn’s anstrengend ist, macht’s Spaß“, betont Joshua. Dass den Sternsingern die Türen vor der Nase zugeknallt werden, kommt zum Glück nur ganz selten vor: „Die meisten Leute freuen sich, wenn wir kommen“, berichtet Jan-Hendrik. Und sie füllen bereitwillig die Spendenboxen: Mehr als 12 000 Euro haben die Sternsinger im vergangenen Jahr bei ihren Besuchen in der Gemeinde Hude zusammengetragen.

Insgesamt machen sich am Sonnabend, 8. Januar, rund 120 kleine Könige und Sternträger im Alter von fünf bis 16 Jahren auf den Weg, um für von Krieg betroffene Kinder in Kambodscha Spenden zu sammeln. Das dazu passende Motto der diesjährigen Aktion lautet: „Kinder zeigen Stärke“. In einem Vorbereitungsgottesdienst wurde den Kindern ein Film gezeigt, der über das Schicksal ihrer Altersgenossen in dem südostasiatischen Land informiert. Auch an diesem Sonnabend beginnt ihr Einsatz ab 9 Uhr mit einem Gottesdienst als Aussendungsfeier in der katholischen Kirche St. Marien.

Durch die Teilnahme vieler evangelischer Kinder ist die Aktion längst zu einer ökumenischen Bewegung geworden. Mitorganisatorin Kerstin Werner freut sich darüber, dass unter den 120 Kindern knapp 20 Neulinge sind. Besonders froh ist sie darüber, dass in diesem Jahr auch wieder drei Gruppen in Wüsting unterwegs sein werden. Alle Gruppen werden von engagierten Erwachsenen begleitet.

Kambodscha ist das diesjährige Beispielland der Sternsinger-Aktion. Wie in vielen anderen Entwicklungsländern leben auch in Kambodscha besonders viele Kinder, die eine Behinderung haben. Nach Angaben des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ werden nur etwa drei Prozent dieser Kinder angemessen betreut. Das soll unter anderem mit den von den Sternsingern gesammelten Spenden geändert werden.

Die Sternsinger-Aktion gibt es seit über 50 Jahren. Über 690 Millionen Euro wurden seither gesammelt. Träger sind das Kindermissionswerk und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die Sternsingeraktion gilt als die größte Solidaraktion von Kindern für Kinder weltweit.

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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