Ganderkesee Den Termin für den Einschulungsgottesdienst fürs Gymnasium hat er schon abgemacht. Auch Anfragen zur Konfirmation im nächsten Jahr gibt es bereits. Dabei hält Pastor Michael Kalisch an diesem Sonntag, 5. Juli, seine (offiziell) letzte Predigt auf der Kanzel der St. Cyprian- und Corneliuskirche. Nach 33 Jahren in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee wird er im Gottesdienst ab 15 Uhr, im Beisein von Kreispfarrer Bertram Althausen, den Kolleginnen und Kollegen, in den Ruhestand verabschiedet.

Dabei konnte sich Kalisch, der in Neerstedt und Rodenkirchen (Kreis Wesermarsch) aufwuchs, in der Jugendzeit so gar nicht vorstellen, Theologe zu werden. Eher schon Zahnarzt oder Handwerker. Aber persönliche Begegnungen mit christlichen Kreisen und „altersspezifische Sinnfragen“ führten dann zum Theologiestudium in Wuppertal, Münster und Bochum mit Abschlussexamen beim Oberkirchenrat in Oldenburg. Für ein Jahr war der heute 65-Jährige Hilfsprediger in Petersfehn-Friedrichsfehn, dann konnte er sich eine freie Stelle aussuchen. Die Wahl fiel auf Ganderkesee, weil die Kollegen (damals Jörg Meyer, Walter von Lingen und Walter Henkel) „so nett“ waren.

Dabei stand der Start 1982 in der Gemeinde unter merkwürdigem Vorzeichen: Die altehrwürdige Kirche wurde saniert. Gottesdienste fanden in der Friedhofskapelle statt – auch Trauungen. „So manches Paar wollte das nicht“, erinnert sich Kalisch. Dabei gab es in früheren Jahren deutlich mehr Hochzeiten. Einmal durfte der Pastor gleich vier Paare auf einmal trauen. Sie kamen in Lederkluft und fuhren mit Motorrädern vor. Kalisch erinnert sich auch an etliche Konfirmandenfreizeiten oder an den Gottesdienst mit dem katholischen Amtsbruder Norbert Lach vor dem Atlas-Werkstor beim Streik 2010.

Das Pfarrhaus hat er bereits verlassen und gemeinsam mit Ehefrau Isolde ein schmuckes Heim in Ganderkesee bezogen. Ein Anbau wird gerade erstellt. Auch einen Carport möchte der leidenschaftliche Heimwerker noch bauen. Im Ruhestand werde es ihm mit Sicherheit nicht langweilig. Einen Schweißerlehrgang will er noch machen. „Die Stahlrohe habe ich schon liegen.“ Auch ein Studium kann er sich vorstellen, nachdem er 2006 in Göttingen ein „Schnuppersemester“ gemacht hat. Ebenso möchte er sich in der Hospizarbeit engagieren und mit Ehefrau Isolde auf Reisen gehen. Voraussichtlich in die USA, wo eines der drei Kinder lebt.

Und was werden die Gläubigen am Sonntag hören? „Die Predigt habe ich noch nicht vorbereitet“, sagt Kalisch, „vermutlich zum Text aus dem Lukas-Evangelium, der Fischzug des Petrus.“ Das passt: Dem Volksmund zufolge soll Petrus fürs Wetter sorgen. Die Prognosen sind bestens.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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