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Wildeshausen Gudrun Brockmeyer denkt in Bildern. „Das ist meine Art der Weltwahrnehmung“, schmunzelt die 65-jährige Fotografin, die eigentlich Diätassistentin werden wollte. In ihrem Heimatort Hoya half sie gern ehrenamtlich im Kinderheim, doch ihr Vater – selbst leidenschaftlicher Hobbyfotograf – hatte andere Pläne. „Wie gut, dass ich damals seinen Rat befolgt habe“, sinniert sie.

Durch Ehemann Cord, der als Berufssoldat auf dem Fliegerhorst stationiert war, verschlug es die junge Fotografin nach Ahlhorn. „Ich hatte das Glück, in der Bildstelle des Fliegerhorstes anfangen zu können, was damals als Frau und Zivilistin schon recht ungewöhnlich war“, blickt Brockmeyer zurück. Drei Jahre arbeitete sie dort, dokumentierte und fotografierte technische Ausrüstung, aber auch Politikgrößen wie Helmut Schmidt. In dieser Zeit lernte sie viel über Menschen und Strukturen, bekam das Rüstzeug für die anschließende Selbstständigkeit als Porträt­fotografin.

Das Sprungbrett zum eigenen Studio, das sie am 19. Februar 1976 eröffnete, lieferte Unternehmer Reinhold Stöver: „Er vermietete mir das alte Drechslerhaus in der Westerstraße zu sehr günstigen Konditionen mit den Worten, er habe schließlich auch einmal angefangen.“

Existenzängste hatte Brockmeyer auch in den Anfangsjahren nie. „Ich hab einfach das gemacht, was mir Spaß machte, war experimentierfreudig und hatte immer ein junges Team an meiner Seite“, erklärt die ehemalige Leistungsschwimmerin und Fallschirmspringerin. Bis heute macht es ihr Spaß,

               auch schwierigen Menschen mit viel Empathie zu begegnen, sie zu nehmen, wie sie sind, und nicht zu bewerten. Quengeligen Kindern begegnet sie seit jeher mit viel Ruhe und schickt auch schon mal die Eltern raus, wenn der Erwartungsdruck zu groß wird.

So entstanden lockere Porträts wie zum Beispiel vom sonst eher ernst wirkenden Weihbischof Heinrich Timmerevers und originelle Hochzeitsfotos, die auch schon mal auf dem Kupferdach des Atlantic-Hotels oder gar im türkischen Side gemacht wurden. „Das war toll damals, als wir mit 50 Fotografen und 30 Brautpaaren von Düsseldorf nach Antalya geflogen sind“, erzählt sie.

Als Karrierefrau hat die Mutter von zwei Töchtern sich dabei nie gesehen: „Ich wollte einfach nur meinen Beruf machen, obwohl das manchmal nur schwer mit der Familie zu vereinbaren war.“

Besser ging das, als sie 2001 ihr Studio nach Holzhausen verlegte, wo die Familie bereits seit 1984 in der ehemaligen Dorfschule wohnte. „Hier hatte ich einfach mehr Platz und den tollen Garten für Außenaufnahmen“, schwärmt die 65-Jährige.

Den endgültigen Schritt zur Digitalfotografie hat sie übrigens erst spät getan. „Die Qualität überzeugte mich lange Zeit nicht“, sinniert sie und verweist darauf, dass sie bis vor acht Jahren sogar noch ihr analoges Schwarz-Weiß-Labor hatte. Die Digitalfotografie ist für Brockmeyer Segen und Fluch zugleich. „Früher musste man sehr diszipliniert sein, weil die Filme ja Geld kosteten“, sagt sie. Diese Selbstdisziplin kommt ihr heute noch zugute, wenn andere schon längst dem „Knippswahn“ verfallen sind. Dank digitaler Fotografie sei es leichter, experimentierfreudig zu sein, aber dank zahlreicher Nachbearbeitungsmöglichkeiten habe sich der Aufwand pro Bild vervielfacht. Auch das Problem des dauerhaften Speicherns spricht Brockmeyer an: „Manchmal denke ich, es wird eine Generation geben, die am meisten von allen fotografiert wurde, die aber dennoch keine Bilder hat.“

Im krassen Gegensatz dazu stehen die unzähligen Negative und Fotos, die sich in Brockmeyers Archiv stapeln. „Wer Interesse daran hat, kann sie gerne für kleines Geld abholen“, sagt die Vollblutfotografin, die nach 40 Jahren Selbstständigkeit ihr Studio zum Jahresende schließen will. Was danach kommt? Brockmeyer lässt sich überraschen. Ein Sabbatjahr ist erst einmal geplant mit viel Zeit für neue Inspirationen und die Familie, die inzwischen auch drei Enkelkinder umfasst.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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