Die Einstellung zusätzlicher Krippenkräfte freut Bürgermeisterin Elke Szepanski besonders. Das sagt sie im NWZ-Interview zum Jahreswechsel

Von Christian Korte

Frage: Frau Bürgermeisterin, wenn sie auf 2009 zurückblicken, was fällt Ihnen als erstes ein?

Szepanski: Das, was die Welt in Atem hielt, nämlich die Weltwirtschaftskrise hat auch die Arbeit von Rat und Verwaltung geprägt. Mit dem Konjunkturpaket konnten wir neben den bereits geplanten Sanierungsmaßnahmen weitere Projekte auf den Weg bringen. Die Bauarbeiten an der Waldschule und der Turnhalle wurden weitergeführt und auch an den Grundschulen Sandkrug und Streekermoor, am ev. Kindergarten Sandkrug und am Sportplatz Kirchhatten gingen die Arbeiten weiter. Der ev. Kindergarten in Kirchhatten bekam einen Anbau, in dem jetzt mit zwölf kleinen Besucherinnen und Besuchern die neu gegründete Krippe einzog.

Frage: Das sind positive Nebeneffekte, die Gemeinde leidet doch auch unter der Krise?

Szepanski: Wir müssen mit weniger finanziellen Mitteln als in den vergangenen Jahren auskommen. Dabei hilft uns, dass wir in den letzten Jahren den Weg der Entschuldung konsequent verfolgt haben und unsere Verschuldung von 9,5 Mio auf 2,9 Mio reduzieren konnten. Allerdings wird mein Traum von einer schuldenfreien Gemeinde nach den letzten bundespolitischen Entscheidungen über ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz nicht in Erfüllung gehen. Im Gegenteil, die Gemeinden werden sich wieder mehr verschulden müssen und notwendige Maßnahmen müssen verschoben werden. Letztendlich trifft es dann wieder die Bürgerinnen und Bürger.

Frage: Wenn es um die Sanierungsaufgaben geht, wird immer wieder der schlechte Zustand vieler Straßen beklagt.

Szepanski: Der Zustand der Straßen hat uns in den vergangenen Jahren einige Sorgen gemacht. Aber wir sind auch in diesem Punkt ein gutes Stück voran gekommen. Nachdem wir 2008 die Sanierung der Rittrumer Straße realisiert haben, konnten wir mit der Dorfstraße und dem Ossendamm das Sanierungskonzept fortführen. Zwei weitere Maßnahmen konnten Dank der großen Mithilfe der Dingstede Bevölkerung und der Sportfreunde des TV Munderloh umgesetzt werden. Der Radweg an der Nutteler Straße bekam ein neues Pflaster und kann somit wieder gefahrlos befahren werden und das alte Pflaster wurde für die Herrichtung des Parkplatzes am Sportlerheim Munderloh verarbeitet. Danke noch mal allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die an der Umsetzung beteiligt waren.

Frage: Wer hat das Jahr sonst noch geprägt?

Szepanski: Die neuen Gesichter an der Feuerwehrspitze. Mit Rainer Schröder hat sich ein würdiger Nachfolger für die Spitze der Feuerwehr als Gemeindebrandmeister zur Verfügung gestellt und mit Jürgen Dallmann für Sandkrug und Ralf Blanke Soares für Kirchhatten wurden zwei neue Ortsbrandmeister ernannt, die bereits auf eine langjährige Erfahrung als Feuerwehrmänner zurück blicken können. Ihren Vorgängern Horst Schwindt, Fritz Kahlen und Klaus Engelbart gilt mein allerherzlichster Dank für ihr besonderes Engagement in den vergangenen Jahren. Darüber hinaus möchte ich mich bei allen bedanken, die sich im Kleinen wie im Großen ehrenamtlich eingesetzt haben. Durch ihr Engagement gestaltet sich das Leben lebenswerter in der Gemeinde.

Frage: Welche Entscheidung freut sie persönlich?

Szepanski: Der Ratsbeschluss, eine dritte Krippenkraft pro Gruppe einzustellen. Das entschärft die personelle Situation zum Wohle der Kinder. Erstaunlich, dass der Gesetzgeber diese aus meiner Sicht notwendige Verstärkung nicht für erforderlich erachtet. Aber dann müsste diese Kraft vom Land ja auch bezuschusst werden. Darüber hinaus hat es mich besonders gefreut, dass Kirchhatten ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde.

Frage: Dieses Projekt steht im kommenden Jahr ganz oben?

Szepanski: In der Tat. Eine der größten Herausforderungen wird die Planung und Entwicklung der Dorferneuerung Kirchhatten sein. Es war schon eine große Freude als Bauamtsleiter Erhardt Rabe und ich den Bewilligungsbescheid über die Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm von Minister Ehlen in Hannover persönlich in Empfang nehmen konnten. Dies ist für Kirchhatten schon das zweite Mal. Nur einer weiteren Gemeinde in Niedersachsen ist das bisher gelungen. Durch die Aufnahme können wir als finanzschwache Gemeinde Fördermöglichkeiten abzurufen, die uns sonst verschlossen geblieben wären. Das große Interesse an den Bürgerversammlungen lässt hoffen, dass vor allem die Verkehrssituation zukunftsweisend gestaltet wird.

Frage: Auch in Sandkrug wünschen sich viele Bürger Veränderungen. Wie geht es da weiter?

Szepanski: Ein großes Thema ist zurzeit die Entwicklung des Einzelhandels. Hier möchten wir vor allem ein attraktives Angebot schaffen. Viele Bürgerinnen und Bürger aus Sandkrug und Streekermoor tätigen ihren Großeinkauf nicht in der Gemeinde Hatten. Das sollte anders werden. Am 20. Januar findet eine Bürgerversammlung zu diesem Thema im Gasthof Ripken statt. Ich würde mich über eine rege Beteiligung freuen.

Frage: In Sachen Kultur hätten einige Ratsmitglieder im kommenden Jahr gerne gespart.

Szepanski: Unsere Veranstaltungen, das Gartenkulturfestival, Ausstellungen und Konzerte im Rathaus und die Vier-Jahreszeiten-Kulturwochenenden wurden gut angenommen. Glücklicherweise hat sich der Antrag auf Kürzung des Budgets bei den Haushaltsberatungen nicht durchsetzen können. Übrigens haben wir neben den Ausgaben in Höhe von 25500 Euro auch nicht unerhebliche Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Spenden zu verzeichnen, so dass sich die Belastung relativiert.

Frage: Welche Aufgaben stehen verwaltungsintern an?

Szepanski: Das Personenstandswesen muss digitalisiert werden und das Haushaltswesen wird von der Kameralistik in die doppelte Buchführung übergeleitet. Außerdem wird das Konjunkturpaket weitergeführt – mit Umbaumaßnahmen für die Einrichtung eines Musikraumes in der Grundschule Kirchhatten und weiteren energetische Maßnahmen in den Schulen. Auch der Umbau der Waldschule steht auf dem Jahresplan. Es wird also nicht langweilig.

Frage: Und dann gibt es noch einen großen Grund zum Feiern...

Szepanski: Richtig, Kirchhatten feiert im nächsten Jahr ein besonderes Jubiläum: Die 1150 Jahrfeier. Alle Vereine haben sich bereit erklärt nicht nur mit zu feiern, sondern sich auch angemessen zu beteiligen. Wir dürfen gespannt sein.

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