RETHORN Spaten und Bollerwagen zum Abtransport konnten am Sonntag getrost zu Hause gelassen werden. Denn bei der „Schatzsuche“, zu der Annette Dick und Elisabeth Kühling aufgerufen hatten, waren keine vergrabenen Goldstücke auszubuddeln. Vielmehr zeigten die beiden Gästeführerinnen im Rahmen einer Landpartie „Schätze“, die in Rethorn oberirdisch schlummern.

Nach Art einer Schnitzeljagd hatten die Gästeführerinnen kleine Zettel mit Rätseln vorbereitet. Ein Schwerpunkt ihrer Schatzsuche: die Formung von Landschaft durch den Menschen, speziell nach dem Abbau von Ton und Sand.

Zum Beispiel Ton: „Als nach 1966 die Ziegeleien Kamern und Rethorn ihre Produktion einstellten, hinterließen sie zwischen Ziegelweg und Hohenkamp eine zerstörte Landschaft“, brachte Elisabeth Kühling in Erinnerung. Ende 1966 habe sich eine Bremer Immobiliengesellschaft für das Areal interessiert, ein 33 Hektar großes Ferienhausgebiet rund um den 6,3 Hektar-See und einige kleine Teiche sollten entstehen.

Im Frühjahr 1967 sei die Planung abgeschlossen gewesen, auch Wohnbebauung sollte danach stattfinden. Bemerkenswert, so sagte Kühling, sei das jetzt an den Tag gelegte Tempo: „Ratzfatz“ sei die Bebauung vorangeschritten. Letztlich seien bis 1976 etwa 250 Wohn- und Ferienhäuser entstanden.

Die Gästeführerinnen gingen auch auf Reibungspunkte zwischen den neuen und alten Bewohnern aus Rethorn ein. „Für den See wurde ein Badeverbot ausgesprochen, das zog natürlich eine große Protestbewegung nach sich. Erfolg hatte sie nicht.“

Ein anderer „Schatz“ an diesem Vormittag: die Sandabbaukuhle im Rethorner Feld. Sie war in den Jahren 2000 bis 2002 auf ungewöhnliche Weise renaturiert worden: Initiiert von der Künstlerin Gertrud Mach und im Zusammenwirken mit erwerbslosen Jugendlichen, wurde ein zwei Hektar großes Gelände nach der Form eines Fingerabdrucks mit Höhen und Tiefen gestaltet. „Fingertipps und Daumengrün“ nannte sich das Vorhaben.

Bei ihrer Suche nach Schätzen waren die Gästeführerinnen im Vorfeld der Landpartie auch auf die „Rethorner Ortshymne“ gestoßen. Die sei von Christian Precht 1973 gedichtet worden, zur Erkennungsmelodie der Fernsehsendung „Zum blauen Bock“.

Logisch, dass diese Hymne ausprobiert wurde: „In Rethorn ist es wunderschön, da lass dich ruhig nieder“ schallte es von der Aussichtsplattform – dargeboten vom spontan formierten „Landpartie-Teilnehmer-Chor“.

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