Sage /Haast „Wen rufst du denn gerade mit dem grünen Telefonhörer an?“ – Eine Frage, die immer wieder von den Gästen bei den Discos gestellt wurde. „Damit konnte man sehr gut die Stücke vorhören und den richtigen Anfang finden“, erinnerte sich Torsten Rüther an diese DJ-Technik, die längst vergangen ist. „Heute geht das mit Kopfhörern“, erklärt der Jüngste im Trio, Henry Deye.

Heinrich Rüther, Sohn Torsten und Enkel Henry Deye treffen gerade die letzten Vorbereitungen oben auf der Disco-Bühne im Saal für die „Drei-Generationenparty“. Um 19 Uhr soll die Fete im Landhaus Otte starten. „So wie früher schon früh am Abend, dann hat man mehr von der Fete“, lächelt Henrich Rüther. „Um 20.15 Uhr ging es los. Um 2 Uhr war Schluss.“

Er muss es wissen, legte er doch zusammen mit seinem Bruder Manfred Anfang der 70er Jahre den Grundstein für die „Disco International“. Für viele Fetengänger ist diese Disco auch heute noch eine Institution, auch wenn sich die Zeiten geändert haben. In Erinnerung daran sollte die Drei-Generationen-Party nun der Abend für die ganze Familie werden: Drei DJs aus drei Generationen legen auf und laden zum Abrocken ein – das alles mit ganz verschiedener Technik. Es war ein Konzept, das ankam. Die Eintrittskarten waren schon im Vorfeld alle vergriffen, der Saal folglich bestens gefüllt, und es wurde bis tief in die Nacht gefeiert – so wie einst, als im heutigen Landhaus Otte diese Discos stattfanden.

Heiße Scheinwerfer

Heinrich Rüther hatte mit Sohn und Enkel die etwas verstaubte Technik vom Dachboden geholt. Alte Scheinwerfer, die noch richtig einheizen im wahrsten Sinne des Wortes, ein selbstgebasteltes Lichtpult, das auch als Lichtorgel bekannt ist und ein Mischpult, das schon Schieberegler hat. Das war 1971 das Nonplusultra. „Ein Pult mit Schiebereglern war nicht selbstverständlich, gab es doch früher Drehregler, mit denen ein- und ausgeblendet wurde“, weiß Torsten Rüther, der schon von klein auf immer mit unterwegs war. „Damals hatten wir so um die 1200 Singles und 30 bis 40 Langspielplatten dabei, die wir auf den beiden aufgehängten Plattenspieler auflegten“, ergänzt Senior-DJ Heinrich. „Aus den Niederlanden holten wir die neuesten Singles, die waren dort immer zwei bis drei Wochen schneller als hier zu erhalten.“ Die Plattensammlungen verursachten immer eine große Schlepperei. Alles war etwas sperrig. „Wehe, es kam jemand an die aufgehängten Plattenteller, dann sprang die Nadel.“ Das sei so ziemlich das Schlimmste gewesen. Deshalb hingen die Plattenspieler auch nicht direkt zur Tanzfläche.

Gleich neben dem alten Mischpult hat Torsten Rüther sein eigenes Pult mit den CD-Racks aufgebaut. 600 CDs sind in seinen Transportkisten zu finden. Anfang der 90er kam der Wandel und Umschwung auf CDs. Alles wurde handlicher, überschaubarer und leicht im Handling. Doch auch diese Zeit ist mittlerweile überholt. „Zwar gab es noch die Mini-CDs, die setzten sich aber nicht durch. Immerhin konnte man sie gut selbst brennen“, meinte er.

Henry Deye mit seinen 18 Jahren kann darüber nur lächeln. Der Nachwuchs-DJ setzt auf die aktuell modernste LED-Lichtshow und Digital-Tontechnik. MPEG- oder Wave-Dateien und andere Formate hat er auf seinem Laptop zu hunderten gespeichert. Und ist einmal ein Stück nicht in der Sammlung, „kann man das auch noch während der Veranstaltung übers Internet laden“. Nur eines hat er aus Sicherheitsgründen immer dabei: einen zweiten Laptop als Backup. „Falls eines mal ausfallen sollte“, so Henry. Denn die Show „must go on“, heißt das ungeschriebene Gesetz.

In Boxen geschlafen

Bei fast 50-jähriger Disco-Geschichte gab es immer wieder mal Anekdoten, die man nicht vergisst. So wurden die großvolumigen Bassboxen und deren Resonanz-Öffnungen manchmal auch zur Schlafstätte für so manchen Discogänger. „Die legten sich einfach in die große Öffnung und schliefen trotz Dauerbefeuerung über die Lautsprecher. Oft fanden wir sie erst, wenn die Lichter ausgingen“, erinnert sich Heinrich Rüther.

Während heute die Feten-Knaller und Ballermann-Hits das Publikum unterhalten, war es früher insbesondere die Neue Deutsche Welle. „Die haben wir rauf und runter gespielt. Aber auch je nach Publikum Tanzmusik und dann wieder mal Progressives, da waren wir flexibel“, so Senior-DJ Heinrich und Sohn Torsten. Flexibel war die Familien-Disco bei der Drei-Generationenparty natürlich auch diesmal. Fürs leibliche Wohl war auch gesorgt, ganz so wie zu alten Disco-International-Zeiten.

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