GANDERKESEE Osman ist verwirrt – ständig. Der Vollbluttürke möchte sich ja in Deutschland integrieren, wären da nicht immer diese Missverständnisse.

Sie ist aber auch ein wunderliches Land, diese Bundesrepublik. Treffen sich 20 Leute, um sich frivol miteinander auszuleben, nennt man das Swingerclub und rümpft die Nase. Machen 20 000 000 Menschen tagelang genau dasselbe, und wird das auch noch live im Fernsehen übertragen, nennt man das Karneval.

Im Rahmen der Ausstellung „Muslime in Niedersachsen“ stellte Osman Engin am Mittwochabend in der Gemeindebücherei seinen gleichnamigen Helden aus seinem aktuellen Buch „Lieber Onkel Ömer – Briefe aus Alamanya“ vor. Dieser schreibt seinem Onkel Briefe, um ihm das Leben in Deutschland zu erklären.

Osman Engin zieht den direkten deutsch-türkischen Kulturenvergleich auf unterhaltsame Weise. So sei das Einzige, was die Westdeutschen von den Ostdeutschen übernommen haben, der grüne Abbiegepfeil. Überflüssig in den Augen der Hauptfigur: In der Türkei bräuchte ja auch niemand einen Pfeil, um bei Rot fahren zu können.

In Ganderkesee sind Osman Engins Lesungen beliebt. Die 70 Zuhörer zeigten sich begeistert von seinen Geschichten. „Ich bin schon seit seinem ersten Buch ein richtiger Fan“, sagt Dirgis Erensuy. „Er bringt die Unterschiede genau auf den Punkt, aber auf lockere Weise.“ Auch der Vergleich mit anderen Autoren wurde angestellt: „Er beschreibt ähnlich wie Wladimir Kaminer – mit viel Witz und klaren Worten“, sagt Veronika Dixon.

Osman wird die Integration aber auch nicht leicht gemacht. Da schlägt er sich mit dem Bundeskleingartengesetz und allerlei niedersächsischen Satzungen und Regelungen herum, um sich endlich ein typisch deutsches Fleckchen Grün einzurichten, da trifft er, schließlich im Idyll angekommen, auf lauter türkische Parzellennachbarn.

Nachdem in der Pause ein türkischer Imbiss gereicht wurde, wunderte sich schließlich auch der Autor: „Die Schlange beim Essen war ja länger als am Büchertisch.“ Vielleicht lesen wir bald drüber.

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