STENUM Das Erscheinungsbild täuschte: Wer am Freitagabend beim Herbstkonzert im Stenumer Timotheushaus ausschließlich geistliche Gesänge jener braven Chorknaben erwartete, als die sich die sechs Akteure des Bremer Vokal-Ensembles Pro Vocant auf den ersten Blick darstellten, der dürfte die Kirche am Ende unzufrieden verlassen haben.

Tatsächlich so ergangen ist es aber wohl keinem der mehr als 100 Zuhörer – entpuppte sich das Ensemble im Verlauf des Konzerts doch eher als Wundertüte denn als Mogelpackung. Begannen die Sänger ihr einstündiges Programm mit eben diesen geistlichen Werken, die das Publikum von einem mit klassisch ausgebildeten Tenören und Bässen besetzten A-cappella-Ensemble erwarten darf, so demonstrierten sie im weiteren Verlauf eine Bandbreite, die so nur bei Gruppen aus der Liga der berühmten britischen King’s Singers zu finden ist.

Solide sängerische Basis

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In den Werken von Hans Leo Hassler, Thomas Tallis und dem einstigen Kreuzkantor Gottfried August Homilius zeigte sich die solide sängerische Basis, welche die Protagonisten des Abends unter anderem im Dresdner Kreuzchor und im Knabenchor der Bremer Kirche Unser Lieben Frauen erworben haben. Präzise, nuanciert und extrem gut aufeinander abgestimmt präsentierten die sechs Sänger den Pflichtteil ihres Konzerts. Umso überraschender, dass das 2007 gegründete Ensemble erst seit März in der momentanen Besetzung konzertiert.

Dass zum Oktett, als das Pro Vocant üblicherweise konzertiert, wegen anderweitiger Verpflichtungen zwei Sänger fehlten, tat der Qualität des Dargebotenen keinen Abbruch. Im Gegenteil: Dass die sechs Ensemble-Kollegen trotz eines fehlenden Tenors und eines abwesenden Basses auftraten, unterstrich die unprätentiöse Art und Weise, wie sie ihr Konzert gestalteten.

Nach der Pflicht kam am Freitag die Kür. Spätestens beim Spiritual „Down by the Riverside“, mit dem das Ensemble zum weltlichen Teil seines Programms überleitete, hatten die Sänger ihr Publikum im rappelvollen Timotheushaus in der Hand. Offenbar hatten nicht nur die Akteure selbst dem Teil des Abends entgegengefiebert, in dem es laut der Ankündigung von Bass Max Börner „zu vorgerückter Stunde immer poppiger“ zugehen sollte.

Schlussstück toppt alles

Und „poppig“ wurde es in der Tat: So folgte auf ein zwei Hits der Comedian Harmonists, die an einem A-cappella-Abend wahrscheinlich nicht fehlen dürfen, Elvis’ „Heartbreak Hotel“ und ein lakonisch vorgetragenes „Yesterday“, das am Schluss nur noch getoppt wurde von einer großartig intonierten Version von Billy Joels „The Longest Time“ – die gerne noch länger hätte dauern dürfen.

Kein Wunder, dass das Publikum diese Sänger nicht nach einer Zugabe ziehen ließ! Bei Wein und kleinen kulinarischen Köstlichkeiten klang der Abend im Timotheushaus aus.

 @  http://www.pro-vocant.de

Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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