Neerstedt Einen Nachmittag mit Elise Plietsch, dem Dötlinger Original, live und in Farbe: Das „mussten“ die Zuschauerinnen und Zuschauer freiwillig in der Neerstedter Bühne jüngst aushalten. So würde Elise wahrscheinlich die Einleitung zu einem Zeitungsartikel schreiben. Doch wer die gut 90 Minuten miterleben durfte – das erste Bühnen-Soloprogramm war seit Wochen ausverkauft –, der tauchte in die Welt der bald 87-jährigen ordnungsliebenden, alten Damen mit all ihren schrulligen und bisweilen sehr nachhaltigen und topaktuellen Ein- und Ansichten ein. Kurzum: Managerin Dette Zingler kann mit ihrem Schützling Elise mehr als zufrieden sein – verkörpert Zingler doch selbst die rüstige Dame.

Platz frei im Programm

Ein Blick zurück: Als die Neerstedter Bühne noch einen offenen Termin in ihrem Programm hatte, bot der Theaterverein Elise Plietsch die Bühne für ein Gastspiel – oder besser: Heimspiel – an. Überlegen war nicht lange möglich. „Du hast drei Tage Zeit und musst dich entscheiden“, war die Bedingung, die Vorsitzende Annika Stolle stellte. Dette Zingler entschied sich.

Heraus kam ein Quantensprung auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Zur Premiere lieferte Elise Plietsch ein unterhaltsames und viel beklatschtes Bühnensoloprogramm ab. Eine ganz neue Herausforderung und eine ganz andere Nummer, obwohl die Komödiantin inzwischen durch viele Auftritte über den Landkreis Oldenburg hinaus bekannt ist und auch seit zehn Jahren als Gästeführerin in der Gemeinde Dötlingen zu finden ist – auf den Straßen mit ihrem Gefolge am Strick.

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Wer Elise kennt, kennt auch ihr lockeres Mundwerk: Von Krampf und Hängern war bei der „Sabbelnummer“ keine Spur, immer im direkten Kontakt mit ihrem Publikum. Da kamen die Landfrauen am Führstrick sich festhaltend ins Theater, da waren die Wackeltenöre aus Hude dabei – und sie hatten ein hochgehaltenes Transparent mit der Aufschrift „Wir wollen ein Kind von dir“ dabei. Natürlich steckt auch dahinter eine Vorgeschichte.

Mit den Wackeltenören hatte sie für das Mitfahr-Projekt „Nimm mich mit“ des Vereins „Wi helpt di“ einen Sketch gedreht. Und auch der Dreh mit Eggert Rogge, mit dem Elise auf dem E-Bike-Dreirad – einem weiteren Projekt von „Wi helpt di“ – in einem Kurzfilm bei stürmischem Wetter gesessen hatte, kam zur Sprache: „Das war so windig. Am Ende hatte ich richtig Blähungen!“ Zuvor hatte sich der Vorhang geöffnet: Zu sehen war zunächst nur das alte Zünd-app-Mofa, das „Schnacksofa“, Tiere auf dem Paravent und Telefon sowie Stehlampe aus Thölstedt. Unversehens klapperte es an der Notausgangstür: Elise Plietsch, gekleidet in Kittelschürze und Kopftuch, begrüßte die Gäste, auch auf der Empore, mit den passenden markigen Worten.

Gästeführer-Jahre

Noch nicht auf der Bühne angekommen, schmeichelte ihr das Publikum schon: Flugs hatte sie ein kleines Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Traumfrau“ um den Hals hängen.

Zehn Gästeführer-Jahre ließ sie Revue passieren: Von „Katzenköpfen“ im Pflaster, die Bremer Frauen entsetzten, von Geschichten „für jeder, jede, jedes“ sowie von Inklusion war die Rede. Gedanken über Greta Thunberg fehlten natürlich nicht: „Von der Kleinen haben sie auch gesagt, aus der wird nichts, wie auch von mir“, frotzelte sie weiter – und erinnerte an die Landwirte mit ihren „Handmade“-Produkten, von denen sie leben müssen und ordentlich bezahlt sehen wollen. Und dann war da eine neue Elise zu hören: Sie sang. Das Stück „Ich hab ein zärtliches Gefühl“ von Hermann van Veen trug sie vor. Dafür hatte sie bei Dirigentin Ulrike Munzel Unterricht genommen. Munzels Kommentar: „Du kannst singen.“

Spenden gesammelt

Auch der gute Zweck spielte eine Rolle: Die Zuschauer spendeten rund 450 Euro an die „Herzkissengruppe Goldenstedt“. 25 Frauen haben 6500 Kissen in Herzform in den letzten zehn Jahren ehrenamtlich genäht. Die Kosten für ein Herz betragen fünf Euro. Die Kissen erhalten Frauen, die im Marien-Hospital aus den Landkreisen Vechta, Cloppenburg, Diepholz und Oldenburg an Brustkrebs behandelt werden. „Ihr habt heute die einmalige Chance, ein Foto mit dem eigenen Handy von mir zu schießen und der Gruppe zu helfen. Pro Person kostet das fünf Euro.“ Davon machten die Gäste reichlich Gebrauch: Mit dem Betrag können 90 neue Herzkissen hergestellt werden.

Wer den Auftritt übrigens verpasst hat: Im Herbst könnte es einen weiteren Aufritt von Bühnen-Elise geben...

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