Schmede /Kirchhatten Wer bei Landfrauen noch an weibliche Wesen denkt, die den ganzen Tag an der Seite ihrer Männer auf Bauernhöfen schuften, der hat die gesellschaftliche Entwicklung gründlich verschlafen. „Früher, in unserer Gründungszeit war das noch so. Heute sind Landfrauen einfach Frauen, die auf dem Land wohnen“, sagt Ursel Wolff.

Die Schmederin muss es wissen, schließlich ist sie seit Januar 1998 bis zum heutigen Tag die 1. Vorsitzende des Landfrauenvereins Kirchhatten. Eingetreten ist die 66-Jährige noch viel früher: am 4. Mai 1979. Zehn Jahre später wurde sie Vertrauensfrau in Schmede, von Januar 1995 bis 1998 rückte sie als 2. Vorsitzende für Gunda Rüdebusch in den Vorstand.

Kleine Revolution

Jetzt ist die Zeit gekommen, dass auch Ursel Wolff nach 18 Jahren an der Vereinsspitze die Leitung in jüngere Hände übergeben will. „Ich fühle mich noch fit. Aber für jeden Verein ist es gut, wenn rechtzeitig im Vorstand eine Erneuerung stattfindet“, sagt sie. Auf der Jahreshauptversammlung am Mittwoch, 20. Januar, ab 14.30 Uhr werden die Landfrauen im Hotel „Zum Deutschen Hause“ die Nachfolge regeln.

Als der Verein 1955 gegründet wurde, kam das noch einer kleinen Revolution gleich. Adeline Stolle, die Mutter Ursel Wolffs, war eine der Gründerinnen.

Zumindest unter konservativen Landwirten war es seinerzeit kaum vorstellbar, dass sich Frauen nachmittags einfach so trafen. Das Programm war noch klein. Ausflüge gab es nur im Mai, im Winterhalbjahr folgten Vorträge zu ausschließlich haus- und landwirtschaftlichen Themen. Dennoch waren die Treffen immens wichtig. Bildeten sie doch die einzige Möglichkeit, sich über Ortsgrenzen kennenzulernen und Netzwerke zu bilden. Erst später emanzipierten sich die Frauen und erreichten größere Freiheiten: Heute sind Drei- und Viertagesfahrten längst üblich und verbinden Freizeitvergnügen mit der Chance, den eigenen Horizont bezogen auf Geschichte und Kultur zu erweitern. Die beliebten Vorträge behandeln viele Themen – ein Schwerpunkt sind Gesundheitsfragen. „Wir sind kein bloßes Kaffeekränzchen“, betont Ursel Wolff.

Unter ihrer Regie hat der Verein immer wieder versucht, mit neuen Angeboten attraktiv zu bleiben und vor allem jüngere Frauen zu gewinnen. Da gibt es zum Beispiel von April bis Oktober die Fahrradtouren, die anfangs nur in die Natur führten, mittlerweile auch zu Sehenswürdigkeiten und wenig bekannten Einrichtungen in der Region. Vor fast elf Jahren, zum 50-jährigen Bestehen, gründeten die Landfrauen einen eigenen Chor. Seitdem treffen sich Sängerinnen am letzten Donnerstag eines Monats unter der Leitung von Marlies Einemann und Heide Grotelüschen zur Probe im Ev. Kirchengemeindehaus.

Zurzeit hat der Landfrauenverein 230 Mitglieder. Grundsätzlich ist das gut, aber eine Sorge treibt Ursel Wolff dann doch um. „Wir müssen an die Jüngeren ran“, sagt sie. mit einem Blick auf die Statistik. Die verrät, dass derzeit etwa 40 Frauen in der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren liegen. Die große Mehrheit ist zwischen 60 und 80 Jahre alt, verrät die Auswertung des Computerprogramms „Vereinsmanager“, mit dem die Schmederin viele Arbeiten erledigt.

Programm für 2016 fertig

Wolff, die seit ihrem 18. Lebensjahr in der Verwaltung der landwirtschaftlichen Sozialkasse arbeitete, hat sich selbst gerne ehrenamtlich engagiert, auch politisch. Von 1991 bis 2006 saß sie für die CDU im Hatter Rat. Dennoch, betont sie, sei der Landfrauenverein politisch immer neutral gewesen.

Das Jahresprogramm für 2016 inklusive einer von Wolff geleiteten Vier-Tage-Fahrt zum Deutschen Landfrauentag nach Erfurt ist bereits fertig ausgearbeitet. Wer immer sich in der nächsten Woche bereiterklärt, den Verein zu leiten, wird nicht ins kalte Wasser geworfen. „Jeder Vorstand muss seine eigene Linie finden. Ich stehe meinen Nachfolgern aber gerne bei Fragen zur Verfügung“, verspricht die scheidende Vorsitzende.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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