Konfuzius schrieb einmal: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben zu arbeiten.“ Dieser Ausspruch passt genau auf Herbert Dietrich (63). „Spätestens am 2. Weihnachtstag werde ich unruhig und kann es nicht mehr erwarten, dass die Feiertage vorbei sind und ich wieder in meiner Werkstatt arbeiten kann“, erzählt mir Dietrich. Ein Urlaub auf Norderney dauerte für ihn drei Stunden, dann zog es ihn wieder zurück an seinen geliebten Arbeitsplatz. „Mein Vater hat mich geprägt.“

Dietrichs Vater Fritz war 1945 zusammen mit seinen Eltern und zehn Geschwistern aus Preußen geflohen und hatte in Ganderkesee eine neue Heimat gefunden. Herbert war der älteste von vier Kindern. Sein Vater Fritz nahm ihn früh in die Pflicht. Als er einmal im tiefen Winter bei Frost und Schnee von der Schule kam, nahm ihm sein Vater Mütze und Handschuhe weg: „Ein Preuße braucht so etwas nicht!“ Als die Familie ein Haus in Bookhorn baute, musste der Sohn Steine schleppen, mauern oder Dachlatten befestigen.

Als sein Vater 1968 starb, war Herbert gerade 15 Jahre jung. Eine Ausbildung als Steinmetz und Steinbildhauer wollte er machen, das hatte er sich schon während seiner Schulzeit überlegt. Das war leichter gesagt als getan. „Ich wog zu der Zeit gerade 50 Kilo, und etliche Steinmetze lehnten mich ab“, erzählt er. Bei Arno Lange in Delmenhorst konnte er zumindest ein Praktikum machen. Der schmächtige Herbert bewies, was er drauf hatte und bekam dort einen Ausbildungsplatz. „Maschinen gab es damals noch nicht, alles musste mit der Hand bewegt und bearbeitet werden. Es war harte Arbeit, aber es hat mir Spaß gemacht.“ Später wurde er Mitarbeiter bei Werth & Co. In Bremen, wo 50 Steinmetze beschäftigt waren. Hier war Herbert Dietrich maßgeblich an der Restaurierung des „Essighauses“ beteiligt.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Eines hatte sich Herbert Dietrich immer fest vorgenommen: „Eines Tages mache ich mich selbstständig!“ Dieses Ziel verlor er nie aus den Augen – auch nicht, als er noch neun Jahre bei seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb angestellt und anschließende acht Jahre als Friedhofswärter in Ganderkesee tätig war. Bereits 1985 erwarb er in der Nähe des Friedhofes ein kleines Grundstück. Hier baute er ein kleines Holzhaus, wo Büro und eine kleine Werkstatt untergebracht waren. Am 9. Januar 1988 war es dann endlich soweit: Er war jetzt sein „eigener Herr“. Als selbstständiger Steinmetz spezialisierte sich Dietrich auf Grabmale.

Schnell wurde der Standort zu klein und so kaufte sich Dietrich ein Grundstück im Bookhorner Gewerbegebiet. Dort baute er 1993 eine Halle für Werkstatt, Lager und Büro. Vor drei Jahren investierte er noch einmal kräftig in die Erweiterung des Gebäudes, und auch maschinell wurde aufgestockt. „Dieses hätte ich nicht gemacht, wenn nicht schon mit unserem Sohn Marcel die nächste Generation in den Startlöchern stünde“, erklärt der Unternehmer.

Marcel war nach seiner Ausbildung nicht nur Vize-Landessieger, sondern hat bereits seinen Meisterbrief als Steinmetz/Steinbildhauer in der Tasche. 2018 feiert das Unternehmen Herbert Dietrich 30-jähriges Bestehen, und in diesem Jahr soll Marcel seinen Vater als Inhaber ablösen. „Ich werde dann vom Chef zum Angestellten, denn mich zur Ruhe setzen, das kann ich nicht.“

Aber nicht nur beruflich, sondern auch privat hat Herbert Dietrich viel geschaffen. Bereits 1970 lernte er seine Bärbel kennen, und schon ein Jahr später waren sie verheiratet und Eltern ihrer Tochter Bianca. „Ich war Vater und wollte meiner Familie ein Nest bauen“, erzählt mir Herbert Dietrich. Er kaufte sich ein Grundstück im Ganderkeseer Ortsteil Neddenhüsen und fing 1977 mit dem Bau seines Hauses an. „Ich habe mit Hilfe meines Schwagers fast alles alleine gemacht, denn viel Geld hatten wir nicht.“ So bekam er zum Beispiel gebrauchte Kalksandsteine geschenkt. „Diese habe ich nach Feierabend und an Wochenenden wie seinerzeit die Trümmerfrauen gereinigt.“

Es machte ihm auch nichts aus, als er bei dieser Arbeit von einer vorbeiziehenden Kohlfahrt gesehen wurde. „Der ist so arm, der muss seine Steine selbst reinigen“, machten sich die Kohlfahrer lustig. „Wartet mal ab und kommt in zwei Jahren wieder hier vorbei“, dachte sich Dietrich nur. Mittlerweile ist aus dem Ein- ein Zweifamilienhaus geworden. „Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, bin ich zufrieden“, sagt er.

Herbert Dietrich,Steinbildhauer aus Ganderkesee

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.